Redaktion
24.03.2017 | Waldkunde |  Waldökologie

Wege zur gütlichen Einigung bei der Bewertung von Wildschäden

Auch in Brandenburg gibt es seit November 2016 offiziell ein unkompliziertes Verfahren zur Bewertung von Wildschäden, dass wir Ihnen hier kurz vorstellen möchten.

Michael Duhr führte das Verfahren schon 2015 auf den KWF-Thementagen in Groß Heins, Niedersachsen, vor.
Foto: Rainer Soppa
Wer sich mit Fragen der Bewertung von Wildschäden im Wald auseinandersetzt, wird schnell feststellen, dass dabei Fragen zu klären sind, die den Bewertungsunerfahrenen oft an die Grenze seines Wissens führen:

  • Wie umfangreich ist der Schaden wirklich?
  • Welche Kosten und Erlöse kann ich für die Bewertung zugrunde legen?
  • Welchen Zinssatz verwende ich, um die zukünftigen Ertragseinbußen auf eine heutige Zahlung umzurechnen?

Das Bundesjagdrecht regelt für die Schadensersatzpflicht, dass derjenige Anspruch auf Schadensersatz hat, dessen Grundstück durch Schalenwild, Wildkaninchen oder Fasane beschädigt wurde. Allerdings können die Länder bestimmen, dass zunächst der Weg einer gütlichen Einigung in einem Vorverfahren begangen werden muss, wovon viele Bundesländern auch Gebrauch machen. Das Ziel dieser Rechtsnorm ist, den Weg zum Gericht durch eine erfolgreiche Kooperation der Betroffenen zu vermeiden.

Außerdem hat der Waldbesitzer auch Mitwirkungspflichten. Sie bestehen in einzelnen Fällen in der Errichtung von Schutzvorrichtungen und in einer fristgemäßen Anmeldung des Schadensfalls zum 1. Mai oder 1. Oktober bei der zuständigen Behörde.

Im Vorverfahren treffen nun Geschädigter (in der Regel der Waldbesitzer) und Schadensersatzpflichtiger (gesetzlich legitimiert ist hier zunächst die Jagdgenossenschaft, die jedoch in vielen Fällen diese Pflicht auf den Jagdpächter weiterleitet) aufeinander. Der Geschädigte empfindet das Angebot des Schadensersatzpflichtigen oft als zu niedrig, und dieser wiederum hat vielfach den Eindruck, „über den Tisch gezogen“ zu werden. Wie soll da eine gütliche Einigung zustande kommen, wenn beide zudem im eigentlichen Bewertungsprozess ungeübt sind?

Das neue Brandenburger Bewertungsverfahren 2016

Der Deutsche Forstwirtschaftsrat (DFWR) hat 2013 eine Bewertungskonvention für Wildschäden im Vorverfahren vorgestellt (http://media.repro-mayr.de/04/569304.pdf). Diese Konvention, die auf das Vorverfahren im Sinne des § 35 BJagdG ausgerichtet ist, ersetzt nicht die Arbeit von Wildschadensbewertern oder forstfachlichen Gutachtern. Sie beschränkt sich deshalb darauf, denjenigen Parteien, die im Vorverfahren den Umfang der Ersatzpflicht außergerichtlich klären wollen, ein geeignetes und praxistaugliches Instrumentarium an die Hand zu geben. Der Weg zum Gericht steht nach einem erfolglosen Vorverfahren selbstverständlich allen Parteien weiter offen.

Neuer Standard

Mit seinem Bewertungsansatz hat der DFWR bezüglich der Inventur und der Bewertung des Schadens einen Standard definiert, der bundesweit zur Anwendung kommen kann und es erlaubt, ohne besondere statistische Kenntnisse vor Ort ein gemeinsames und für alle Beteiligten nachvollziehbares Schätzergebnis zu entwickeln. Als erstes Bundesland verfügte Bayern über eine regionale Anpassung dieser Konvention durch den Bayerischen Bauernverband und den Bayerischen Waldbesitzerverband (http://media.repro-mayr.de/76/643376.pdf).

Die Mitglieder des Forstausschusses in Brandenburg, in dem auch der Waldbesitzerverband Brandenburg vertreten ist, erprobte gemeinsam mit den Mitgliedern des Jagdbeirats die Grundzüge des DFWR-Verfahrens in einer Praxisanwendung in simulierten Bewertungsfällen. Sehr schnell wurde dabei deutlich, dass man sich mit einem noch deutlich vereinfachten Inventurverfahren und einer regionalen Anpassung der Finanzwerte gut einigen konnte und sich gemeinsam sicher war, den Schadensumfang sachgerecht erfasst und bewertet zu haben. Forstausschuss und Jagdbeirat baten deshalb das zuständige Ministerium, einen Vorschlag für ein Brandenburg-spezifisches Bewertungsverfahren zu erarbeiten und eine Softwarelösung zu entwickeln, die nicht nur eine einfache Berechnung, sondern auch eine unkomplizierte Abwicklung des Bewertungsverfahrens ermöglicht. Seit dem 16.11.2016 sind das überarbeitete Brandenburger Verfahren und die IT-Lösung nun im Internet verfügbar (http://forst.brandenburg.de/sixcms/detail.php/bb1.c.465746.de).

Inventur- und Bewertungsgrundsätze

Im Falle von Verbiss-, Fege- oder Schlagschäden wird auch hier den Grundzügen einer vereinfachten Taxation anhand von Taxationslinien oder an Probepunkten gefolgt. Das Ausbreiten der Arme zur Bestimmung des Probekreises am Aufnahmepunkt in der natürlichen Verjüngung oder die Orientierung an Pflanzreihen in der künstlichen Verjüngung sind hier genauso wiederzufinden wie die empfohlene Vollaufnahme im Falle von Schälschäden.

Die hinterlegten Wuchsmodelle sowie die Verjüngungskosten und Holzerlöse wurden regionalspezifisch aktualisiert und angepasst. Wenn die beiden beteiligten Partner die erforderlichen Inventurdaten erhoben haben, können sie diese in einen Online-Bewertungsrechner eingeben und anschließend die Berechnung als pdf-Dokument ausdrucken, gegenzeichnen und sind sich damit – sofern sie es denn wollen – schnell einig.

Vorbeugung geht vor Schadensersatz

Die in Brandenburg beteiligten 18 Ausschussvertreter waren sich in ihren Empfehlungen auch darüber einig, dass der Wildschadensfall und seine monetäre Bewertung nur die letzte aller Möglichkeiten des Zusammenwirkens zwischen Waldeigentümern und Schadensersatzpflichtigen bzw. den Jagdausübenden sind. Da es explizites Ziel des Jagdrechts ist, dass die von jagdbaren Tieren verursachten Schäden am Wald auf ein wirtschaftlich tragbares Maß begrenzt werden, sind den Bewertungsgrundlagen zunächst Empfehlungen zur Wildschadensvorbeugung vorangestellt. Aus Sicht des Waldbesitzers sind dabei vor allem die Abschussplanung, orientiert an Waldweisern, die Anlage und Nutzung von Weiserflächen zur Bewertung des Wildeinflusses und die Bestimmung von Bejagungsschwerpunkten von Bedeutung. Die ersten Jagdgenossenschaften in Brandenburg haben zudem in ihren Pachtverträgen die Anwendung des DFWR- bzw. des Brandenburger Verfahrens als Bestandteil des Vorverfahrens im Wildschadensfall fixiert.

Michael Duhr

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