WaldÖkologie

Was untersucht die Bodenzustandserhebung?

Bearbeitet von Carolin Föste

Am 17.03.2022 hat Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir die dritte Bodenzustandserhebung eröffnet. Mit dem ersten Spatenstich und einleitenden Worten begann somit das Großprojekt, das vielfältige Informationen über den Zustand von Waldböden und Wäldern zusammentragen soll. Was genau untersucht die Bodenzustandserhebung?

Im Berliner Grunewald wurden vor Kurzem die praktischen Arbeiten zur Bodenzustandserhebung (BZE) aufgenommen. Darin sollen die Waldböden Deutschlands analysiert werden, um u.a. den Zustand der Böden, ihre Rolle als Kohlenstoffspeicher und ihr Zusammenwirken mit dem Ökosystem Wald zu ermitteln. Bis 2024 soll das Projekt von Bund und Ländern Ergebnisse bringen, die Auswertungen folgen voraussichtlich bis 2028. Besonderes Interesse liegt außerdem auf den Auswirkungen des Klimawandels auf die Waldböden.

Darum ist die Bodenzustandserhebung wichtig

„Gesunde Wälder sind für das Erreichen unserer Klimaschutzziele unerlässlich“, betonte Bundesminister Cem Özdemir beim ersten Spatenstich. „Vor allem die Waldböden nehmen eine entscheidende Rolle ein, denn in ihnen wird mehr als die Hälfte des in Wäldern gespeicherten Kohlenstoffs gebunden. Funktionsfähige Böden sind eine Voraussetzung für stabile Waldökosysteme. Wir müssen den deutschen Wald heute an die Folgen der Klimakrise anpassen und den Schutz der biologischen Vielfalt und eine nachhaltige Waldbewirtschaftung vorantreiben. Diese große Aufgabe erreichen wir nur gemeinsam: Politik, Waldbesitzende und -wirtschaft müssen hier an einem Strang ziehen.“

Wie es mit dem Wald nach den verheerenden Dürrejahren 2018 bis 2020 weitergeht – dieser Frage soll nun auf den Grund gegangen werden. Waldschäden und Auswirkungen des Klimawandels wirken sich regional verschieden aus, weshalb die Daten bundesweit über ein Inventurraster von 16×16 km erhoben werden. Was der Waldboden mit der Gesundheit des Waldes und mit dem Klima zu tun hat, möchte das Forschungs- und Erhebungsteam des Thünen-Instituts in den kommenden zwei Jahren herausfinden.

Denn Waldböden helfen beim Klimaschutz, indem sie als Lebensraum und Kohlenstoffspeicher in einem fungieren. Auch als Trinkwasserspeicher sind sie in Bezug auf Deutschlands Grundwasserspiegel wichtig.

Um Empfehlungen für künftige Maßnahmen zu formulieren, insbesondere für die Wiederbewaldung nach Kalamitäten und den Waldumbau hin zu klimastabilen Wäldern, seien Kenntnisse über die Nährstoffversorgung und den Wasserhaushalt der Böden wichtiger denn je.

Bodenzustandserhebung gleich Waldzustandserhebung?

Von 1987 bis 1992 wurde die erste BZE bundesweit auf fast 2.000 Untersuchungspunkten durchgeführt. 2006 bis 2008 folgte die nächste, nun folgt die dritte Bodenzustandserhebung. Die Boden-Daten werden von 2022-2024 gemeinsam mit den Ergebnissen der jährlichen Waldzustandserhebung (WZE) an den Bund übermittelt. Da neben weiteren Parametern auch die Waldvegetation sowie der Waldboden untersucht werden, sind die Daten umfangreicher als bei der bloßen Bewertung der Kronenvitalität der WZE. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) rechnet für die dritte bundesweite Bodenzustandserhebung mit rund 2.000 Stichprobepunkten, 50.000 Proben und 700.000 Datensätzen.

Ein zusätzliches Projekt soll die Biodiversität im Boden untersuchen. Dabei werden wichtige Lebewesen von der Mikrofauna, wie Bakterien und Pilzen, bis zur Makrofauna, den Regenwürmern, erfasst.

Wie läuft die Bodenzustandserhebung ab?

Hauptaugenmerk der Untersuchungen ist der Bodenzustand. Mehrere Parameter geben darüber Auskunft. So überprüfen die Forschenden sowohl die Auflage in den Horizonten L, OF, OH, als auch den Mineralboden in sechs verschiedenen Tiefen, den pH-Wert, die Trockenrohdichte, die Wasserverfügbarkeit und den Steingehalt.

Bodenprofile bei der Bodenzustandserhebung
Nebeneinanderstellung typischer deutscher Waldbodenprofile
Foto: Thünen-Institut

Die Vitalität der Bäume werde über die Bewertung der Baumkronen dokumentiert. „An rund 1.900 Stichprobenpunkten in Deutschland erfassen die Erhebungsteams den Zustand und die Veränderung von Waldböden, den Baumbestand, Totholz, Baumernährung, Vegetation und Kronenzustand“, beschreibt Dr. Nicole Wellbrock, Projektkoordinatorin vom Thünen-Institut für Waldökosysteme in Eberswalde.

Insgesamt sollen 13.000 Bodenproben und 9.000 Nadel-, bzw. Blattproben genommen werden. Fernerkundungsdaten und Kartenmaterial (u. a. Topographische und Geologische Karten, Bodenkarten, Forstkarten) helfen außerdem, den Zustand der Wälder einzuschätzen.

Neben Karten komme zahlreiches Werkzeug zum Einsatz – Geländedaten werden abgeglichen, Bodenprofile ausgehoben, Fotonachweise aufgenommen und letztlich Proben entnommen, die dann genauer „unter die Lupe“ genommen werden.

Veränderungen sollen sichtbar gemacht werden

Um den Zustand der Waldböden in Anlehnung an den Klimawandel bewerten zu können, seien Vergleiche mit vorangegangen Auswertungen unerlässlich. Die zweite BZE erzielte folgende Ergebnisse:

  • Luftreinhaltemaßnahmen und der Waldumbau zu mehr Laubwald zeigten Auswirkungen auf den Boden
  • Die Böden waren weniger sauer als bei der ersten Erhebung, durch gestiegene pH-Werte
  • Der Humuszustand hat sich verbessert
  • Der Waldboden bis in 90 cm Tiefe, inklusive Humusschicht, enthält mehr als die Hälfte des gesamten in Wäldern gespeicherten Kohlenstoffs. 2006 waren es insgesamt 1.321 Mio. t (119 t Kohlenstoff je ha)
  • Schwermetalleinträge in den Wald und der Schwermetallgehalt in der Humusauflage haben abgenommen
  • Trotz Verbesserung: Auf mehr als der Hälfte der Erhebungspunkte wurden die kritischen Eintragsraten für eutrophierenden Stickstoff überschritten
  • Die Ernährung zeigte Nährstoffungleichgewichte, bei einigen Baumarten sogar Mangel
  • Die Anzahl der Jahre mit starker Austrocknung des Bodens bis in tiefere Schichten hat zwischen 1990 und 2006 deutlich zugenommen

Die Auswertungen verdeutlichen, dass sich der Klimawandel bereits im Vergleich der ersten beiden Bodenzustandserhebungen gezeigt hat. Nach den Trockenjahren seit 2018 und auch der Veränderung großer Waldgebiete nach Schadereignissen werden die Daten nun Länderweise erhoben und analysiert. Das Thünen-Institut übernimmt im Anschluss die Gesamtauswertung.

Quelle: Thünen-Institut, BMEL