Trockene Käferbäume im Harz bei Ilsenburg – eine Folge des Klimawandels
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Was steht im sechsten IPCC-Sachstandsbericht?

07. März 2022

Am 28. Februar hat die Arbeitsgruppe II der Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) ihren Beitrag zum sechsten IPCC-Sachstandsbericht (AR6-WGII) veröffentlicht. Was steht in dem Bericht und welche Konsequenzen ergeben sich daraus?

In dem aktuellen IPCC-Sachstandsbericht werden die Folgen des Klimawandels bewertet. Es werden sowohl Ökosysteme und die biologische Vielfalt bewertet als auch die Folgen für Mensch und Gesellschaft. Betrachtet werden dabei die Auswirkungen der Klimaveränderungen weltweit, aber auch auf regionaler Ebene. Ebenso werden die Anpassungspotenziale und die Verwundbarkeiten natürlicher wie auch menschlicher Systeme untersucht und ihre Grenzen aufgezeigt.

IPCC-Sachstandsbericht – wie sieht die aktuelle Lage aus?

Insgesamt zeichnet die Arbeitsgruppe II ein düsteres Bild der aktuell zu beobachtenden Folgen des Klimawandels. So habe die Zunahme von Wetter- und Klimaextremen bereits jetzt zu irreversiblen Schäden geführt. Das geht aus dem vorliegenden Sachstandsbericht hervor. Als Grund wird eine Überbelastung der Anpassungsfähigkeit der betroffenen natürlichen und menschlichen Systeme genannt. Das habe auch direkte Auswirkungen auf die Verwundbarkeit der Ökosysteme und menschlicher Gesellschaftsstrukturen. Laut IPCC leben inzwischen 3,3 bis 3,6 Mrd. Menschen unter Bedingungen, die als sehr verwundbar gegenüber dem Klimawandel eingestuft werden müssen. Dies gelte auch für einen großen Teil der Arten auf der Erde. Dabei ergebe sich eine Abhängigkeit der Verwundbarkeiten von Menschen und Ökosystemen. Die noch immer vorherrschenden, nicht nachhaltigen Verhaltensmuster würden die Risiken durch Klimagefahren noch weiter verstärken.

IPCC-Sachstandsbericht – womit ist zukünftig zu rechnen?

Die weitere Risikoentwicklung hängt stark davon ab, ob und wann die globale Erwärmung die 1,5-°C-Marke überschreitet. Die Expertinnen und Experten sind sich einig: Mit der Überschreitung dieser Schwelle geht ein signifikanter Anstieg der Risiken für natürliche und menschliche Systeme einher. Je nach Region könnten die Folgen katastrophale Ausmaße annehmen. Dies gelte insbesondere für Systeme, die jetzt schon als besonders verwundbar eingestuft werden. Die projizierten negativen Folgen und die damit verbundenen Verluste und Schäden drohen mit jedem weiteren Zuwachs der Erderwärmung weiter zu eskalieren, heißt es in dem Bericht. Dabei müsse man sich bewusst machen, dass die Konsequenzen des fortschreitenden Klimawandels mit der Zeit immer komplexer und damit auch schwerer zu bewältigen sein werden. Je nach der Überschreitungsdauer der 1,5-°C-Grenze seien einige der Folgen zunehmend unumkehrbar.

Anpassung an den Klimawandel – was wird gemacht, was ist noch zu tun?

Laut IPCC ist über alle Sektoren und Regionen hinweg ein Fortschritt in der Anpassungsplanung zu beobachten. Probleme mache noch immer die Umsetzung geplanter Maßnahmen. Auch sei die Verteilung des Anpassungsfortschritts nach wie vor ungleich. Es gebe aber durchaus machbare und wirksame Anpassungsoptionen, die dabei helfen können, die Risiken für Mensch und Natur zu reduzieren. Die Umsetzung entsprechender Maßnahmen hänge von den jeweiligen Sektoren und Regionen ab. Kritisch bleibe auch hier der Faktor Zeit, da die Wirksamkeit von Anpassungsoptionen mit zunehmender Erwärmung abnimmt, sind sich die Expertinnen und Experten des IPCC sicher. Es gelte hierbei auf integrierte, sektorübergreifende Lösungen zu setzen, die auch soziale Ungleichheiten berücksichtigen und Maßnahmen entsprechend des jeweiligen Klimarisikos differenziert und systemübergreifend betrachten.

IPCC-Sachstandsbericht – wie können Anpassungsstrategien aussehen?

Der sechste Sachstandsbericht des IPCC stellt klar, dass Maßnahmen für eine klimaresiliente Entwicklung dringender sind als noch im fünften Sachstandsbericht angenommen. Die Umsetzung solcher Optionen gelinge nur, wenn die Staaten der Welt zusammenarbeiten und gemeinsam Wege finden, sich der Herausforderung zu stellen. Dies gelte nicht zuletzt vor dem Hintergrund sozialer Ungleichheiten, die nur durch internationale Bemühungen ausgeglichen werden können. Eine günstige Gelegenheit sehen die Autorinnen und Autoren des Berichts tatsächlich in der zunehmend Verstädterung. Hier böten sich Potenziale, den städtischen Raum mithilfe einer integrierten und integrativen Stadtplanung naturnäher und entsprechend klimaresilienter zu gestalten. Mit Blick auf die natürlichen Systeme der Erde liege der Schlüssel im Erhalt der Vielfalt sowohl der Arten als auch der Ökosysteme. So legten aktuelle Untersuchungen nahe, dass die Resilienz der biologischen und ökosystemaren Vielfalt vom wirksamen Schutz von etwa 30 bis 50 % der Gesamtfläche der Erde abhängt.

IPCC-Sachstandbericht – ein Fazit

Der aktuelle Bericht des IPCC macht einmal mehr deutlich, dass der menschengemachte Klimawandel mit halbherzigen Maßnahmen und leeren Versprechungen nicht (mehr) aufgehalten werden kann. Es wird einmal mehr klargestellt, dass die Aussichten auf eine klimaresiliente Entwicklung zunehmend schwieriger wird, falls die weltweiten Treibhausgasemissionen nicht schnell deutlich reduziert werden. Nur mit entschlossenen Maßnahmen, die weltweit Hand in Hand gehen, kann das Schlimmste noch verhindert werden. Noch ist Zeit, doch die Uhr tickt.

Mit Material des IPCC sowie des DLR

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