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Was kostet FSC?

Was kostet FSC?

Die Thüringer Landesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag 2014 beschlossen, den Staatswald nach den Standards des FSC zu zertifizieren. Bei einem Workshop Ende März an der Fachhochschule Erfurt hat das Forstliche Forschungs- und Kompetenzzentrum Gotha (FFK Gotha) die finanziellen Auswirkungen erstmals beziffert. Die Kosten für die Einführung des Zertifizikats und für die Folgeaudits fallen dabei mit 50 000 € bis 70 000 € gering aus. Die Mindererlöse und Mehrkosten für die Waldbewirtschaftung summieren sich dagegen auf rund 7 Mio. € jährlich. Der Landesbetrieb müsste auf die Nutzung von rund 60 000 Fm unterhalb der Derbholzgrenze verzichten, was das FFK Gotha mit 1,2 Mio. € kalkuliert. Weil im FSC-Wald keine Pflanzenschutzmittel erlaubt sind, rechnen die Experten außerdem mit Einnahmeverlusten in Höhe von 2,4 Mio. €. Diese Summe ergibt sich daraus, dass holzbrütende Käfer rund 69 000 Fm Nadel- und Laubholz entwerten könnten. Hohe Mehrkosten verursacht die Vorgabe, dass maximal 10 % der Waldfläche befahren werden darf. Das geht nur, wenn die Rückegassenabstände generell von 20 m auf 40 m erhöht werden. In diesem Fall müssten Waldarbeiter und Unternehmer für 3,6 Mio. € rund 600 000 Fm motormanuell in die Kranreichweite der Harvester zufällen. Nicht zuletzt rechnet das FFK für die Audits, die Dokumentation bzw. die Abstimmung mit dem FSC mit einem erhöhen Personalbedarf von etwa acht Mitarbeitern, die mit mindestens 400 000 € zu Buche schlagen.

Der Landtag muss noch über die Einführung der FSC-Zertifizierung entscheiden. Während Bündnis 90/Die Grünen sich weiterhin dafür aussprechen, hört man von den Koalitionspartnern SPD und DieLinke eher skeptische Töne. Der Vorstand von ThüringenForst, Volker Gebhardt, ist der Meinung, dass FSC nur möglich ist, wenn der Landtag dem Forst die nötigen Mittel zur Verfügung stellt. FSC Deutschland bezweifelt allerdings, dass die Zertifizierung so teuer wird wie vom FFK Gotha kalkuliert.

Oliver Gabriel

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