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Senke im Wald speichert vom Forstweg ablaufendes Regenwasser
Eine Senke im Wald speichert vom Forstweg ablaufendes Regenwasser.
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Was den Wald bis 2050 zum Wasserspeicher macht

13. Februar 2023
Obwohl es in diesem Winter zahlreiche Niederschläge gegeben hat, zeigt sich der BDF besorgt um die Wasservorräte in Deutschlands Wäldern. Über Zuständigkeiten, Verbesserungspotenziale und Maßnahmen, die bereits Wirkung zeigen.

„Die Regenmengen und die gut gefüllten Flüsse dürfen uns nicht täuschen“, sagt Ulrich Dohle, Vorsitzender des Bunds Deutscher Forstleute (BDF). Damit zeigt er ein Problem auf: „Das Niederschlagswasser, welches auf den Boden gelangt, wird immer noch viel zu schnell aus der Landschaft abgeführt, anstatt in Ruhe versickern zu können.“ Was hilft den Wäldern im Ringen um die Wasservorräte?

Entwässerung und Drainagen trocknen den Wald

Mehrere tausend Wasser- und Bodenverbände beschäftigen sich in Deutschland mit dem Management des Wassers in den verschiedenen Landschaften und Regionen. Ihre Aufgaben umfassen nach dem Wasserverbandsgesetz u. a.:

  • Den Ausbau von Gewässern; dazu zählt auch der naturnahe Rückbau.
  • Die Verbesserung landwirtschaftlicher und sonstiger Flächen einschl. des Bodenwasserhaushalts.
  • Die Die Verwaltung von Be- und Entwässerungsanlagen.
  • Bereitstellung von Wasser.
  • Die Pflege und die Herrichtung von Flächen, Anlagen und Gewässern zum Schutz von Naturhaushalt, Boden und Landschaft.
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Entwässerungsgraben im Wald
Dieser Entwässerungsgraben im Wald wurde verschlossen und dient nun als Wasserspeicher im Wald.
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Diese Aufgaben können durch weitere Ziele der Verbände innerhalb ihrer Satzungen ergänzt werden. Um das Wasser zu schützen, werden beispielsweise Entwässerungsgräben zurückgebaut, Drainagen entfernt oder zur Bewässerung umfunktioniert. Zwischen Wäldern und angrenzenden, ggf. noch drainierten Flächen, könnten in Bezug auf Wasser aber Nutzungskonflikte bestehen, vermutet der BDF. Das zeigen Erfahrungsberichte von Waldinseln, die trocken gefallen sind. Bisher sei aber nicht belegt, inwieweit der Abzug des Wassers von angrenzenden Flächen auch den Waldboden trocknet.

„Ein Oberflächenwassermanagement mit dem Ziel, möglichst viel Wasser zur Versickerung in Boden und Grundwasser zu halten, muss gesetzliche Vorrangaufgabe werden. Waldbesitzer müssen von Entwässerungs-Beiträgen befreit werden, da sie in der Regel eher Nachteile von Veränderungen im Wasserhaushalt erleiden“, fordert Dohle. Das sei für den Wasserhaushalt der Wälder im Klimawandel sehr wichtig.

Waldumbau ist wichtig für den Wasserhaushalt von Wäldern

„Laubbäume lassen im Winterhalbjahr deutlich mehr Niederschläge versickern als Nadelgehölze“, so Dohle weiter. So wirke sich der Waldumbau positiv auf die Grundwasserspiegel aus. Eichen und Buchen lassen mehr Wasser versickern als Kiefern und Lärchen, zeigt auch ein Projektbrief des Thünen-Instituts. Wichtig ist außerdem, dass Waldbesitzerinnen, Waldbesitzer und Forstbetriebe ihre Wälder nicht weiter entwässern und stattdessen am Rückbau von Entwässerungsgräben arbeiten, so der Anspruch des BDF. Es sei aber eine positive Entwicklung zu erkennen. Doch: „Wenn aber begradigte Gewässer die Wälder durchschneiden und wenn die Vorfluter im Randbereich der Wälder künstlich vertieft werden, dann verlieren auch die Wälder unnötig Wasser, das im Sommer gebraucht wird“, so Dohle.

Weitere Verbesserungspotenziale seien das Pflegen von Waldmooren, von Bruch- und Auwäldern und bodenschonende Arbeitsverfahren in der Waldbewirtschaftung, so der BDF. „Die Förderung der Humusbildung und des Bodenlebens zur besseren Wasseraufnahme wird meines Erachtens unterschätzt“, ergänzt der BDF-Pressereferent Rainer Städing. Bodenlebewesen wie Regenwürmer haben, so Städing, ein großes Potenzial für den Wasserhaushalt in Waldböden. Sie lockern Böden und machen Luft und Wasser pflanzenverfügbar. Zudem müsse ermöglicht werden, dass seitlich abfließendes Wasser auf Überschwemmungsflächen gehalten wird und nicht weiter abfließt. Nur so können sich – durch die vergangenen heißen und trockenen Jahre – abgesenkte Grundwasserspiegel wieder erholen.

Nationale Wasser- und Waldstrategie bis 2050

In der Nationalen Wasserstrategie verfolgt die Bundesregierung das Ziel, mit Wasser in Deutschland nachhaltig umzugehen und es als Ressource auch für nachfolgende Generationen zu erhalten. Der Entwurf dafür wurde von dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) aufgesetzt. Das Grundwasser soll innerhalb der Strategie, unter anderen Gewässertypen, verstärkt geschützt werden. „Mit der Nationalen Wasserstrategie stellen wir uns den Folgen der Klimakrise“, sagte auch Steffi Lemke, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz. Die ersten Maßnahmen sollen bis 2030 greifen. Das BMUV will alle sechs Jahre einen Bericht vorlegen, der zeigt, inwieweit die Ziele bis 2050 eingehalten werden.

Die Nationale Wasserstrategie ist u. a. auch mit der Waldstrategie 2050 des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) verknüpft. Der Wasserhaushalt ist darin als Teil der Multifunktionalität des Waldes anerkannt. Der Wald wird beschrieben als:

  • Klimaschützer
  • Wasserfilter
  • Trinkwasserlieferant

Er brauche aber auch ausreichende Wasservorräte für seine eigene Vitalität. Im Entwurf vom 25. November 2022 wurde festgehalten: „Die Waldbewirtschaftung soll im Rahmen ihrer Möglichkeiten dazu beitragen, den Oberflächenabfluss von Niederschlägen zu mindern und den Bodenwasserspeicher / das Grundwasser aufzufüllen.“

Wassermonitoring im Wald verbessern

Der BDF empfiehlt, das Monitoring von Wasser zu verbessern, um die Wasservorräte im Wald gezielt managen zu können. Dazu sei die Waldinventur ein mögliches Instrument. Auch die Förderrichtlinie „Klimaangepasstes Waldmanagement“ weise mit dem Unterpunkt 11 Maßnahmen zur Wasserrückhaltung und Verzicht auf Entwässerung bzw. Rückbau in die richtige Richtung für mehr Sorgsamkeit im Umgang mit Wasser im Wald aus.

Mit Material des BDF, BMUV, BMEL, Wikipedia