Forstpolitik

Was bringt die Ampel dem Wald?

Bearbeitet von Marc Kubatta-Große

Gestern hat die sich bildende Ampelregierung aus SPD, Bündnis90/Die Grünen und FDP ihren Koalitionsvertrag vorgestellt. Immerhin eine gute halbe Seite nimmt das Thema Wald und Forstwirtschaft ein, bei einem Gesamtumfang des Koalitionsvertrags von 177 Seiten dennoch nicht allzu viel. Die Passage (Zeile 1209 bis 1229 auf Seite 38/39) lautet wie folgt:

Gerade im Wald werden die Folgen der Klimakrise sichtbar. Gleichzeitig ist er für das Erreichen unserer Klimaschutzziele unerlässlich. Durch einen gezielten Waldumbau müssen artenreiche und klimaresiliente Wälder mit überwiegend standortheimischen Baumarten geschaffen werden. Die Waldbewirtschaftung spielt dabei eine wichtige Rolle. Entsprechend dieser Ziele novellieren wir das Waldgesetz.

Wir werden das Forstschädenausgleichsgesetz evaluieren und passen es gegebenenfalls an. Intervalle und Form der Bundeswaldinventur werden wir überprüfen und ein digitales Waldmonitoring einführen. Der Bund wird zusammen mit den Ländern einen langfristigen Ansatz entwickeln, der konkrete, über die bisherigen Zertifizierungssysteme hinausgehende Anforderungen an zusätzliche Klimaschutz- und Biodiversitätsleistungen adressiert, diese honoriert und die Waldbesitzer dadurch in die Lage versetzt, ihre Wälder klimaresilient weiterzuentwickeln und, wenn nötig, umzubauen oder Neu- und Wiederbewaldung zu unterstützen.

Wir stoppen den Einschlag in alten, naturnahen Buchenwäldern in öffentlichem Besitz. Die Wälder im Bundesbesitz sollen mittelfristig mindestens nach FSC- oder Naturland-Standards bewirtschaftet werden. Wir fördern den internationalen Waldschutz und die Waldrenaturierung. Wir setzen uns auf EU-Ebene für eine rechtlich verbindliche Regelung ein, die den Import von Produkten und Rohstoffen, die mit Entwaldung verbunden sind, verhindert. Mit einer Holzbauinitiative unterstützen wir die regionalen Holzwertschöpfungsketten. Wir wollen die Kaskadennutzung als Grundsatz verankern.

Wir stärken forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse. Wir werden bundesweite Präventions- und Bekämpfungsstrategien erarbeiten und die Waldbrandbekämpfungsmöglichkeiten am Boden und aus der Luft, auch im Rahmen des Mechanismus rescEU, ausbauen. Wir fördern bodenschonende Waldbearbeitung, z. B. mit Rückepferden und Saatdrohnen.

Es steckt einiges drin in diesen paar Zeilen, von dem sich erst zeigen muss, ob und inwieweit es zusammenpasst: Eine Novelle des Bundeswaldgesetzes, eine Überarbeitung des Forstschädenausgleichsgesetzes und ein Einschlagsstopp in alten Buchenwäldern, um nur einige zu nennen. Gleichzeitig strebt man eine Holzbauinitiative an und will forstliche Zusammenschlüsse fördern.

Reaktion von AGDW und DeSH

In einer ersten Reaktion äußert die AGDW die Hoffnung auf konstruktive Gespräche mit der neuen Bundesregierung. AGDW-Präsident Hans-Georg von der Marwitz begrüßt, dass die drei Parteien einen zentralen Schwerpunkt ihrer Regierung auf den Klimaschutz legen wollen, um mit Blick auf das 1,5-Grad-Ziel bis zum Jahr 2045 Treibhausgasneutralität zu erreichen. Denn der Wald leide seit vier Jahren massiv unter dem Klimawandel.

Eine Kernforderung des Verbandes ist neben der Holznutzung die Honorierung der Klimaschutzleistung des Waldes. Diese werde dankenswerter Weise im Koalitionsvertrag aufgegriffen, stellt von der Marwitz fest. Für den Waldumbau und die Wiederaufforstung benötige man große Summen, die nicht allein aus dem Holzverkauf bereitgestellt werden können.

Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverband (DeSH) begrüßt die Schaffung eines eigenständigen Bauministeriums, verbunden mit der Hoffnung dass damit die dringend notwendige Bauwende eingeleitet werde, bei der Holzbau eine zentrale Rolle spiele. Auch das Bekenntnis zur Waldbewirtschaftung und die Förderung des Waldumbaus hin zu klimastabilen Mischwäldern begrüßt der Verband.

Kritikpunkte

Kritisch bewertet die AGDW, dass der Waldumbau mit „überwiegend standortheimischen Baumarten“ gelingen soll. „Wir benötigen Baumarten, die dem Klimawandel gewachsen sind. Dazu gehören auch nichtheimische“, so der Präsident. Hier sei in Zukunft mehr Offenheit nötig. Auch die EU-Biodiversitätsstrategie 2030 sieht die AGDW kritisch. Damit konterkariere die Europäische Union ihre eigenen ehrgeizigen Klimaziele. Die Klimaschutzleistung der Wälder und die Substitutionswirkung des Rohstoffes Holz werden hierbei außer Acht gelassen, da die Multifunktionalität der Wälder ausgeblendet werde.

Der Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverband (DeSH) äußert Unverständnis für den Einschlagsstopp in alten Buchenwäldern. Das sei ein falsches Signal für die gewünschte Stärkung der Laubholzverwendung in Deutschland. Der Verband zeigt sich ebenso enttäuscht, dass bei der Wärme- und Energieerzeugung die Potenziale der Biomasse nicht stärker berücksichtigt wurden.

Licht und Schatten

Positiv wiederum bewerten beide Verbände die Nennung einer Holzbauinitiative, mit der auch die regionale Wertschöpfungskette gestärkt werden soll. Besonders hebt die AGDW die Stärkung der Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse sowie den Ausbau der Waldbrandbekämpfung hervor. Auch diese Punkte bewerte die Verbandsspitze positiv.

Aus Sicht AGDW und DeSH also Licht und Schatten. Der Koalitionsvertrag liefert die Eckpunkte für das künftige Regierungshandeln. Es wird Aufgabe der Forst- und Holzverbände sein, diesen Eckpunkten im Sinne einer nachhaltigen Forstwirtschaft Leben einzuhauchen.

Quellen: SPD/Grüne/FDP/AGDW