Wanderausstellung Eisen im Holz

Die am 15. Februar 2012 im Schorfheidemuseum Groß Schönebeck (Brandenburg) der ­Öffentlichkeit zugänglich gemachte Ausstellung Eisen im Holz vermittelt auf ungewohnte, unbekannte und oft auch einmalige Art ungewohnte Zusammenhänge. "Wunden des Krieges", "Baumfrevel" und "Zusammenwuchs in der Natur" nennen sich die drei Ausstellungsbereiche.

Die Eingangsglocke entstand aus einer 15,2-cm-Geschützkartusche (Länge 50 cm) vom Schlachtfeld Halbe.
Foto: Günther Haim
Eisen und Holz gehören zu den wichtigsten Materialien des Menschen. Ihre Verbindungen dienen meist baulichen Zwecken. Die am 15. Februar 2012 im Schorfheidemuseum Groß Schönebeck (Brandenburg) der ­Öffentlichkeit zugänglich gemachte gleichnamige Ausstellung vermittelt ganz andere Zusammenhänge: ­Eisen „im Holz“ auf ungewohnte, unbekannte und oft auch einmalige Art. Vergleichbares gab es bislang in keiner Ausstellung. Die schmale Ausgangsbasis für die Ausstellung des Verfassers bestand – außer wenigen Fotos – in einer seit 1967 beruflich motivierten Sammlung von Geschossen und Splittern aus dem Holzeinschlag im Großraum Halbe (Landkreis Dahme-Spreewald in Brandenburg). Sie diente zu DDR-Zeiten als Vorlage bei der obersten forstlichen Dienststelle in Berlin zum Nachweis starken Materialverschleißes von Schneideinrichtungen (Ketten, Schwerter, Ritzel) an den Partner-Motorsägen. Mit ihrer Hilfe konnten die damals hoch angesetzten Verbrauchsnormen für das mit teuren, aber knappen Devisen zu bezahlende Importmaterial wesentlich gesenkt und den vorhandenen Bedingungen angepasst werden. Berufskollegen, am Vorhaben Beteiligte und Interessierte suchten und fanden im Verlaufe der Zeit Ausstellungsmaterial. Nach 1990 übernahm der Regionaverband Baruther Urstromtal der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) die Ausstellung und komplettierte sie eindrucksvoll.
 

Originelle Fundstücke

Beim Eintritt in das Gebäude werden die Besucher mit Glockengeläut begrüßt. Es stammt von einer 15,2-cm-Kartusche aus hochglanzpoliertem Messing vom Schlachtfeld Halbe; umfunktioniert zu einer eindrucksvollen Glocke (Abb. 1). Das anschließende schwerste Ausstellungsstück ist ein Brückengeländer mit eingewachsener etwa 140-jähriger Eiche. Im einstigen Originalzustand noch imposanter musste es aus transporttechnischen Gründen um 2 m gekürzt werden (Abb. 4). Es geleitet die Besucher in den Ausstellungs­raum. Sein Zugang wird von zwei Ausstellungstürmen flankiert. Der linke Turm besteht aus vier massiven, im rechten Winkel gegeneinander gestellten Bohlen aus Spreewaldeiche. Mittels Holzeinlagen ergeben sich zwölf Ablagenischen. Sie werden von kleinen und großen Munitionsresten unterschiedlicher Fundorte sowie originellen Fundstücken ausgefüllt. Dazu gehören Exponate wie eine vergessene Holzkluppe mit Stammstück von der ehemaligen Waldarbeitsschule Bernau (Abb. 2). Dank exakter Buchführung sind Verlusttag, Fundort und -tag nachweisbar einschließlich des vergesslichen Lehrlings. Ein total eingewachsener Stromisolator ruft Kopfschütteln hervor. Und warum wurde ein massiver Stahlbolzen mitten in’s Herz eines Baumes geschlagen (Abb. 3)?
 

Unangenehme Überraschungen

Die Wirkung von Sprengstoff sieht man an den zerfetzten Granatresten nach dem Volltreffer in einem Munitionslager, in den Bäumen hängend und am Boden herumliegend (Abb. 5). Der rechte Ausstellungsturm besteht aus vier Tafeln, wobei jeweils zwei einem Thema zugeordnet wurden. Das erste umfasst unangenehme Überraschungen im Sägewerk. Beredtes Beispiel ist ein spektakulär zugerichtetes Sägeblatt nach dem Zerschneiden eines Schwellenbolzens. Der Zufall wollte es – der Autor wurde Zeuge des Vorganges – die zuvor spärlich beleuchtete Sägewerkshalle war dabei plötzlich taghell erleuchtet. Eine zugeordnete weitere Tafel zeigt Möglichkeiten der Ortung von Metall im Wald am liegenden Stamm früher und heute (automatisches Aussortieren/Auswerfen vor dem Gattereinschnitt). Das zweite Tafelpaar präsentiert Andenken des Krieges nicht nur im märkischen Wald. Eindrucksvolles Beispiel ist ein Kiefernbrett, durchsetzt mit vielen kleinen Splittern und für Nutzzwecke völlig unbrauchbar (Abb. 6). Den Schluss des Tafeltturms bildet ein um 135° verschobener flacher Holzrahmen. Darauf thront mittig ein beleuchtetes Stammstück mit dem Rest einer Panzerplatte vom russischen T 54 aus der Ausbruchschneise der deutschen 9. Armee von Halbe Richtung Westen nahe Baruth.
 

Umwobene Geschichten

Die Stirnseite der Ausstellung wird von einer achtteiligen Tafelwand eingenommen. Sie enthält Fotos, Texte und Ausstellungsobjekte zu allen drei bereits genannten Ausstellungsbereichen. Links beginnend zeigen die ersten beiden Tafeln Beispiele zum Baumfrevel und andere Schandtaten. Schnell erkennt der Besucher: Dem Unverstand von Mitmenschen sind keine Grenzen gesetzt.

„Zusammengewachsen was nicht zu­sammengehört ... auf Lebenszeit“ ist das Motto der Tafeln drei und vier. Bäume scheinen eine Vorliebe für Geländer und Zäune zu haben – wenn man ihnen die Gelegenheit dazu gibt. Die Tafel fünf wurde mit Bildern vom Fotografen Olaf Willenbrock (Göttingen) gestaltet. Unter der Überschrift „Baumwunden – Baumwunder“ sind aus dem gleichnamigen Monatskalender 2004 sieben Fotos zu sehen. Sie belegen die enorme Wuchskraft von Bäumen auf alles Erreichbare – allerdings auf Jahrzehnte verteilt.

Die Tafel sechs offeriert wohl geheime Finanzaktionen aus längst vergangenen Zeiten. Wie sonst kommt ein spanischer Peso von 1936 mit den Insignien des spanischen Diktators Franco in eine deutsche Fichte? Fast unglaublich: Ein spanischer Schüler der Waldorfschule in Nürtingen (Baden-Württemberg) fand ihn beim Aufarbeiten von Windwurfresten. Danach fand er noch ein 10-Pfennig-Stück von 1950 im Baum steckend. Über das „wie und warum hinein“ lässt sich nur spekulieren.

Ganz anders die Geschichte mit der Sandsteinfigur der „Balzer Herrgott“ (Abb. 7). Viele Geschichten umranken sein Schicksal. Von Unbekannten irgendwo mitgenommen, abgelegt, vergessen, Beine und Arme verloren, blieb nur ein Torso übrig und wuchs in eine Buche ein und immer mehr zu. Das zuständige Verkehrsamt traf Vorsorge und ließ die Figur durch einen Fachmann wieder freilegen. Kritische Stimmen blieben nicht aus – was hat Sandstein mit Eisen zu tun? Die logische Antwort: Sandstein besteht aus Quarz und wird durch eisenreiches Carbonat verfestigt, wird lächelnd akzeptiert.
 

Besondere Verbindungen

Tafel sieben ist besonderen Verbindungen gewidmet. Dazu zählt eines der wohl bekanntesten Fahrräder der USA. Vor mehr als 50 Jahren zurückgelassen, an einem Baum auf ewig angekettet und vor wenigen Jahren vom ehemaligen Besitzer in 4 m Höhe wiedergefunden. Die Kraft zweier Bäume reicht aus, um ein Fahrrad in zwei Teile zu zerlegen.

Die letzte Tafel stellt das Ausstellungsmotto auf den Kopf: Holz im Eisen als Kunstwerk mit einem Baumstamm in zwei aufgebohrten, parallel aufgestellten Stahlplatten, zu besichtigen auf dem Stadtcampus der heutigen Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde. Die Tafelwand wird links und rechts von zwei Reihen gewichtiger Exemplare vornehmlich mit Baumfrevel flankiert. Dazu gehören Verbindungen von Holz mit Ketten, Stahlseil, Drähten, Teppichstangen aus Metall und Holz sowie Basketballkorb.

Den Abschluss der Ausstellung bildet eine zeitlich endlos gestaltbare Vitrine mit gefundenen Munitionsresten von Jägern in Brandenburgs Wäldern. Der staatliche Munitionsbergungsbetrieb des Landes Brandenburg sorgte für die in vielen Fällen notwendige Entschärfung.
Fm a.D. G. Haim war von 1957 bis 1997 in der brandenburgischen Forstverwaltung tätig, zuletzt als Dezernent für Waldarbeit und Tarife im Amt für Forstwirtschaft Königs Wusterhausen.
Weitere Bilder zum Artikel
  
Die Eingangsglocke entstand aus einer 15,2-cm-Geschützkartusche (Länge 50 cm) vom Schlachtfeld Halbe. Foto: Haim Holzkluppe von der ehem. Waldarbeitsschule Bernau; Verlusttag 26.9.1984, Verlustort Revier Waldfrieden, Fundtag 4.5.2001. Foto: Haim Vierkant-Eisenbolzen mit der respektablen Länge von 40 cm, Kantenlänge 3 cm. Foto: Haim Brückengeländer mit eingewachsener etwa 140-jähriger Eiche, Brücke ehem. B 179 über den Funkerberg Königs Wusterhausen. Foto: Haim Zerfetzte Granatreste nach Volltreffer in einem Munitionsdepot. Foto: Haim Im Alter von 10 bis 12 Jahren wurde die Kiefer von Splittern getroffen (eingekreist). Foto: Haim Balzer Herrgott: letztmalig 1995 mit einer Rille um die Umwallung zur Verhinderung des Wachstums freigeschnitten. Quelle: Verkehrsamt 78148 Gütenbach.
Fußnoten:
Anfragen zur Wanderausstellung über die Redaktion AFZ-DerWald, Außenstelle Berlin: Tel. 030-293974-25, E-Mail: stephan.loboda@dlv.de

Günther Haim

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