Waldschutz

Waldzustandserhebung 2020: Waldumbau vs. Flächenprämie?

Bearbeitet von Jörg Fischer

Am 24. Februar hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) die Ergebnisse der Waldzustandserhebung 2020 für Deutschland veröffentlicht. Demnach haben die Waldschäden dramatische Ausmaße angenommen. Die Ergebnisse zählen sogar zu den schlechtesten seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1984. Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten.

So erklärte der Sprecher für Waldpolitik von Bündnis 90/Die Grünen, Harald Ebner: „Jetzt rächt sich bitter, dass ein Umbau von anfälligen Nadelholzmonokulturen viel zu lange versäumt wurde. Der klimastabile Wald der Zukunft braucht Vielfalt mit mehr Laubbäumen, mehr natürlichem Aufwuchs statt Pflanzung und deutlich weniger Holzentnahme als zuwächst. Stattdessen sieht die zuständige Ministerin Julia Klöckner zu, wie unser Wald immer weiter stirbt und verteilt Waldhilfen als Flächenprämie nach Gießkannenprinzip.“

Weder die Bindung an Ökologie noch eine schonende Waldbewirtschaftung würden bei Klöckners Hilfen eine Rolle spielen, betonte Ebner. So verpuffe das viele Geld ohne Nutzen für den Wald von morgen zu erbringen. Manche Mittel wirken laut Ebner sogar schädlich, weil übermäßige Schadflächenberäumung die Böden verdichte, die Austrocknung verschärfe und dem aufkommenden Jungwuchs jede Startchance nehme. Ebner: „Geplante Flächenprämien, getarnt als Vergütung für Klimaschutzleistungen, setzen Fehlanreize zur Pflanzung schnellwachsender Baumexoten, statt für naturnahe klimastabile Waldökosysteme zu sorgen. Nötig sind daher klare Vorgaben für mehr Vielfalt, für mehr Naturnähe und eine schonende Bewirtschaftung. Vom Fördersystem der Ministerin profitieren vor allem die großen Waldeigentümer:innen. Wir brauchen deshalb einen Waldzukunftsfonds, mit dessen Hilfe aus Plantagen naturnahe Wäldern entstehen können.“

„Ein Schlag ins Gesicht von Waldbauern, Förstern und Waldarbeitern!“

Der Präsident der AGDW – Die Waldeigentümer, Hans-Georg von der Marwitz, wies diese Vorwürfe entschieden zurück: „Die Katastrophe in unseren Wäldern ist eine Folge des globalen Klimawandels, der die waldbaulichen Erfolge der letzten Jahrzehnte schwer gefährdet. Der ideologische Standpunkt von Bündnis 90/Die Grünen ignoriert diese Fakten und das Engagement der Waldbauern für einen ökologischen Waldumbau. Damit werden Konflikte geschürt, die angesichts der gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen durch den Klimawandel nicht angemessen sind.“

Von der Marwitz betonte, dass die Bundeswaldprämie, die ein Bestandteil des Corona-Konjunkturpaketes ist, an strenge Zertifizierungskriterien durch PEFC oder FSC gekoppelt ist, die die ohnehin schon hohen Anforderungen an die Waldbewirtschaftung in Deutschland noch einmal übertreffen. Auch die Auszahlung der Bund-Länder-Mittel aus der GAK sind streng an waldbauliche Maßnahmen zur Stärkung der Baumartenvielfalt und der Klimaresilienz unserer Wälder gekoppelt, die von den Ländern definiert werden, so von der Marwitz weiter.

Die Waldbauern seien seit Jahrzehnten aktiv im Waldumbau, um die Wälder an den Klimawandel anzupassen. „Über 70 % der Wälder bestehen heute aus Mischwäldern und reinen Laubwäldern. In der nächsten Waldgeneration steigt diese Zahl auf 90 %. Und dennoch: Der Klimawandel hat in zahlreichen Regionen Deutschlands alle Baumarten getroffen – Laub- und Nadelbäume gleichermaßen“, erklärte der AGDW-Präsident. Von der Marwitz schloss mit den Worten: „Der Klimawandel ist eine Folge der Lebensweise unserer Gesellschaft. Die Waldbauern bekommen die Auswirkungen als erste zu spüren, die mit ihrem waldbaulichen Engagement einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag leisten für den Klimaschutz, die Erholung und für den Wald als Lebensraum für vielfältige Tier- und Pflanzenarten.“

Quelle: PM