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Waldzustandserhebung 2016 im Saarland

Waldzustandserhebung 2016 im Saarland

Die Buche beobachten die Forstexperten im Saarland derzeit mit Sorge. Der Kronenzustand dieser wichtigsten Baumart hat sich in diesem Jahr dramatisch verschlechtert. Der Anteil der deutlichen Schäden ist im Vergleich zum Vorjahr um 24 % angestiegen. Das ist ein Ergebnis der Waldzustandserhebung 2016.

„Für diese Entwicklung gibt es oft mehrere individuelle Erklärungen, etwa die sehr starke Fruchtbildung, die die Buche geschwächt hat, oder der Befall durch Schädlinge. Dahinter steht allerdings mit immer größerer Gewissheit die Klimaveränderung, die dem Wald besonders zusetzt“, so der saarländische Umweltminister Reinhold Jost (1.12.2016). „Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen für die Erhaltung unserer Wälder. Seit 1997 waren alle Vegetationsperioden im Vergleich zum langjährigen Mittel zu warm“, stellt der Minister fest.
Der SaarForst setze auf eine Mischung der Baumarten (wie z.B. die Eiche, der Ahorn, die Edelkastanie aber auch auf standortgerechte Nadelbaumarten wie Tanne und Douglasie), um so das Risiko für den Wald zu verringern. Jost: „In den kommenden Jahren pflanzen wir vermehrt klimaresistente Baumarten. Mit dem seit Jahren praktizierten Waldumbau haben wir das Risiko gesenkt und verfolgen das Ziel, den Wald dauerhaft zu erhalten.“
Der Minister verweist in diesem Zusammenhang auch auf die Belastung der Wälder durch Luftschadstoffe: „Zwar sind die Einträge an Schwefel und Schwermetallen deutlich zurückgegangen, die Säurebelastung des Waldbodens ist aber immer noch zu hoch. Deshalb führen wir auf besonders gefährdeten Standorten unser Waldkalkungsprogramm fort.“
Auch Ozon wirkt sich nach wie vor waldschädigend aus. Die Stickstoffeinträge übersteigen weiterhin die Schwellenwerte der Ökosystemverträglichkeit. Stickstoff wird in oxidierter Form meist als Stickstoffmonoxid oder Stickstoffdioxid bei Verbrennungsprozessen und in reduzierter Form als Ammoniak freigesetzt. Hauptquelle der Stickoxide ist mit einem Emissionsanteil von 40 % der Verkehr (vor allem Diesel-Fahrzeuge), gefolgt von der Energiewirtschaft mit 24 %. Ammoniak stammt zu etwa 95 % aus der Landwirtschaft und hier vor allem aus der Tierhaltung. Ein überhöhter Stickstoffeintrag ist mit Risiken für die Artenzusammensetzung im Wald sowie für das Quell- und Grundwasser verbunden.
Zustand des Waldes insgesamt nicht stark verändert
Der Zustand des saarländischen Waldes insgesamt habe sich 2016 gegenüber dem Vorjahr nicht stark verändert. „Er kann aber nicht als gut angesehen werden, wenn 2016 nur 24 % aller untersuchten Bäume keine Schadmerkmale aufweisen“, warnt der Minister. „Nur vitale, widerstandskräftige und leistungsfähige Wälder können ihre Aufgabe als Kohlenstoffsenke, als Rohstofflieferant und Erholungsraum erfüllen.“
Das Forstliche Umweltmonitoring spiele bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes eine zentrale Rolle. Schädlichen Einflüssen auf den Wald kann so frühzeitig entgegengewirkt werden. Auch 2016 haben die Experten der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft in Trippstadt in Kooperation mit dem SaarForst Landesbetrieb die umfangreichen wissenschaftlichen Daten über den Gesundheitszustand des saarländischen Waldes und den komplexen Belastungen, denen er ausgesetzt ist, erhoben.
Zustand der wichtigsten Baumarten
Buche. Die Rotbuche ist im Saarland mit 23 % Flächenanteil die wichtigste Baumart und zugleich Leitbaumart der natürlich vorkommenden Waldgesellschaften. Der Anteil der Bäume ohne Schäden (Schadstufe 0) ist auf 14 % gesunken (Vorjahr 19 %). Der Anteil der Bäume mit deutlichen Schäden (Schadstufe 2-4) ist auf 60% angestiegen (Vorjahr 36 %). Zusammenfassend ist festzustellen, dass sich 2016 der Kronenzustand der Buchen, ausgelöst durch starke Fruchtbildung, verbunden mit Spätfrostschäden, Insektenbefall (Buchenspringrüssler) und außergewöhnlich frühzeitig einsetzender Braunfärbung der Blätter bereits ab Ende Juli gravierend verschlechtert hat.
Eiche. Die Eiche ist im Saarland mit einem Flächenanteil von 21 % vertreten. Gegenüber der Buche hat sich der Kronenzustand der Eichen merklich verbessert. Der Anteil der Bäume ohne Schäden (Schadstufe 0) ist auf 27 % gestiegen (Vorjahr 16 %). Der Anteil der Bäume mit deutlichen Schäden (Schadstufen 2 bis 4) ist auf 19% gesunken (Vorjahr 30 %). Die Eiche konnte offensichtlich den Schadanstieg des Vorjahres (2015) kompensieren.
Fichte. Die Gemeine Fichte hat einen Flächenanteil von 16 %. Der Anteil der Bäume ohne Schäden (Schadstufe 0) ist auch 2016 weiter gesunken auf aktuell 20 % (Vorjahr 24 %). Der Anteil der Bäume mit deutlichen Schäden (Schadstufen 2 bis 4) ist leicht auf 24 % gestiegen (Vorjahr 23 %). Die Fichten leiden stärker als die meisten anderen Baumarten unter Schadereignissen, besonders Sturmwurf und Borkenkäferbefall.
 
Kiefer. Die Wald-Kiefer hat landesweit einen Anteil von knapp 5 %. Der Anteil der Bäume ohne Schäden (Schadstufe 0) ist weiter auf 38 % gestiegen (Vorjahr 31 %). Der Anteil der Bäume mit deutlichen Schäden (Schadstufen 2 bis 4) ist auf 10 % gesunken (Vorjahr 14 %). Bei der Kiefer hat sich der positive Trend der Erholung seit 2006 weiter fortgesetzt.
Sonstige Baumarten. Darunter werden Esche, Birke, Lärche, Ahorn und Douglasie und weitere andere Arten zusammengefasst. Der Anteil der Bäume beläuft sich landesweit auf 36 %. Der Anteil der Bäume ohne Schäden (Schadstufe 0) ist auf 25 % gestiegen (Vorjahr 16 %). Der Anteil der Bäume mit deutlichen Schäden (Schadstufen 2 bis 4) ist auf 24 % gesunken (Vorjahr 37 %). Bis 2015 hatte sich der Kronenzustand der Esche durch das Auftreten des Pilzes „Eschenstängelbecherchen“ (Hymenoscyphus fraxineus) rasant verschlechtert. 2016 scheint das Schadniveau zurückgegangen zu sein, aber es ist davon auszugehen, dass bislang keine echte Erholung bei der Baumart eingetreten ist.
 

Waldzustandserhebung 2016 Saarland zum Herunterladen (20,3 MB)

 
Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz Saarland

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