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Waldzustandsbericht für Hessen

„Der Gesundheitszustand des hessischen Waldes ist insgesamt stabil geblieben. Das war nicht zwingend zu erwarten, und ist damit ein erfreuliches Ergebnis. Trotzdem haben die Hitze und die lange Trockenheit des zurückliegenden Sommers den hessischen Wald besonders belastet“, sagte Umweltstaatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser bei der Vorstellung des Waldzustandsberichtes 2018 im Forstamt Bad Schwalbach (15.11.2018).

Zu Jahresbeginn waren die Waldböden aufgrund der Winterniederschläge noch mit ausreichenden Wasservorräten versorgt. Die extreme Trockenheit im Sommer hat dann jedoch zu mindestens 130 Waldbränden, einem vermehrten Absterben junger Bäume sowie ersten Trockenheitsschäden an älteren Bäumen geführt. „Der langfristige Erhalt des hessischen Waldes mit all seinen Funktionen sind dauerhafte Aufgaben, die auch weiterhin unser volles Engagement erfordern. Die schon heute bei uns spürbaren Auswirkungen des Klimawandels erleichtern diese Aufgabe nicht gerade. Aber es verdeutlicht, dass es der richtige Weg ist, unseren Wald so umzubauen, dass er weniger anfällig wird für die klimatischen Bedingungen, die auf uns zu kommen“, betonte Dr. Tappeser.

In den Monaten Juli und August wurde nach bundeseinheitlichen Kriterien der Zustand des Waldes in Hessen erfasst. Die Erhebung findet auf einem für die hessischen Wälder repräsentativen 8 km x 8 km Dauerbeobachtungsnetz mit 139 Flächen statt und umfasst die Kronenverlichtung der Bäume, die Fruktifikation, Kleinblättrigkeit sowie Insekten- und Pilzschäden. Seit 1994 erfolgt in der besonders betroffenen Rhein-Main-Ebene zusätzlich eine Vollerhebung auf einem 4 km x 4 km-Rasternetz. Die Daten von rund 4.000 Bäumen ermöglichen repräsentative Aussagen.

Mittlere Kronenverlichtung

Nach den Ergebnissen der diesjährigen Waldzustandserhebung ist die mittlere Kronenverlichtung aller Baumarten und Altersstufen um 2 % auf 24 % leicht angestiegen. Maßgeblichen Einfluss auf das Gesamtergebnis hat der stabile Zustand der älteren Bäume der vier hessischen Hauptbaumarten Buche, Eiche, Fichte und Kiefer. Die Entwicklung war bei allen ähnlich und die Kronenverlichtung stagnierte auf dem Niveau des Vorjahres oder stieg um höchstens 2 % an.

Auffällig war die erhöhte Kronenverlichtung bei der Gruppe der anderen Laubbäume (u.a. Ahorn, Esche und Hainbuche), die mit 24 % den höchsten Wert seit 1984 erreicht. Offensichtlich haben diese Baumarten am schnellsten auf die Trockenheit reagiert. Obwohl normalerweise durch die Fruchtbildung der Kronenzustand stärker beeinträchtigt wird, hat die vielerorts sichtbare Fruchtbildung bei den älteren Buchen und Eichen zu keinem deutlichen Anstieg der Verlichtung geführt. Die gute Wasserversorgung zu Beginn der Vegetationszeit und nahezu ausbleibenden Fraßschäden durch die Eichenfraßgesellschaft haben zu diesem guten Ergebnis beigetragen.

Ergebnisse aus dem Waldzustandsbericht im Überblick

  • Die Buche ist mit rund 31 % Baumartenanteil die wichtigste Baumart in Hessens Wäldern, gefolgt von der Fichte mit rund 25 %. Diese beiden Baumarten beeinflussen somit das Gesamtergebnis zum Waldzustand deutlich. Bei den älteren Buchen hat sich die mittlere Kronenverlichtung von 29 % auf 31 % leicht erhöht. 41 % der älteren Buchen haben mittel bis stark fruktifiziert.
  • Die mittlere Kronenverlichtung bei den älteren Fichten hat sich nur geringfügig von 28 % auf 29 % erhöht.
  • Bei den älteren Eichen hat sich die mittlere Kronenverlichtung von 24 % im Jahr 2017 auf 26 % im Jahr 2018 verschlechtert.
  • Die mittlere Kronenverlichtung der älteren Kiefern ist mit 23 % auf dem Niveau des Vorjahres geblieben.
  • Die Kronenverlichtung bei den jüngeren Bäumen ist von 10 % auf 12 % leicht angestiegen.
  • Die jährliche Absterberate (alle Bäume, alle Alter), ein wichtiger Indikator für Vitalitätsrisiken, liegt bei 0,3 %. Sie liegt damit weiter auf einem geringen Niveau.
  • In der Rhein-Main-Ebene bleibt die Situation der Wälder, insbesondere bei den älteren Eichen und jüngeren Bäumen angespannter.

Schäden durch Sturm und Borkenkäfer

Am 18. Januar 2018 fegte das Orkantief „Friederike“, einer der stärksten Stürme des vergangenen Jahrzehnts, über Deutschland hinweg und richtete schwere Schäden an. Die Sturmholzmenge beträgt nach aktuellem Stand für ganz Hessen rund 3 Mio. Festmeter, Schaden entstand hauptsächlich in Nordhessen. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Holzeinschlag eines Jahres liegt für ganz Hessen bei etwa 5 Mio. Fm. Stehengebliebene Wälder sind durch angerissene Waldränder und Beschädigungen der Wurzelsysteme destabilisiert.

Aufgrund der extremen Sommertrockenheit und hoher Temperaturen haben sich die Fichtenborkenkäfer landesweit rasant vermehrt. Um den Befall weiterer Bäume zu verhindern müssen befallene Bäume schnell gefällt und aus dem Wald gebracht werden. Damit werden die Forstbetriebe bis weit in das nächste Jahr hinein intensiv beschäftigt sein. Inwieweit die außergewöhnlichen Witterungsereignisse des Jahres 2018 noch zu langfristigen Beeinträchtigungen und Schäden führen, werden erst die nächsten Jahre zeigen.

Waldbesitzende werden unterstützt

Sturmschäden und Käferbefall sind Ereignisse, mit denen erhebliche wirtschaftliche Einbußen für alle Waldeigentümer verbunden sind. Für die vom Sturm Friederike betroffenen Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer bietet das Hessische Umweltministerium Soforthilfen an. Diese dienen der raschen Aufarbeitung des Schadholzes und Räumung der Sturmwurfflächen. Bislang wurde über 800.000 € an Unterstützung gewährt.

Die Landesregierung Hessen unterstützt kommunale und private Waldeigentümer beim Aufbau und Erhalt naturnaher und klimastabiler Wälder zum einen durch die forstliche Förderung (u.a. Waldumbau und Bodenschutzkalkung). Zum anderen werden im Rahmen des Integrierten Klimaschutzplans Hessen 2025 in einem mehrjährigen Projekt Empfehlungen zur Baumartenwahl und Bestandesbehandlung unter geänderten Klimabedingungen erarbeitet. Eine hessische Klimarisikokarte soll eine landesweite Beratung ermöglichen.

Die Bodenschutzkalkung hat u.a. das Ziel, die Säurewirkungen abzupuffern, die Vitalität der Wälder zu verbessern sowie die Durchwurzelung zu fördern. Bei der Bodenschutzkalkung wird das Waldökosystem durch die geringe Menge Kalk (3 t/ha) und den Ausbringungszeitraum (September bis März) nur wenig gestört sowie besonders sensible Waldbereiche ausgespart.

Der Waldzustandsbericht 2018 für Hessen zum Herunterladen

Red./Quelle: HMUKLV

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