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Waldzustandsbericht Baden-Württemberg 2012

Waldzustandsbericht Baden-Württemberg 2012

„Der Zustand der Wälder in Baden-Württemberg hat sich in diesem Jahr verschlechtert. Der Anteil deutlich geschädigter Waldflächen ist im Vergleich zum Vorjahr um drei Prozentpunkte auf 36 % gestiegen. Auch der durchschnittliche Nadel- und Blattverlust ist um 2,6 % auf 23,6 % angestiegen. Damit hat sich der positive Trend der letzten Jahre leider nicht fortgesetzt. Insbesondere der deutliche Rückgang der ungeschädigten Waldflächen um fast ein Drittel auf nunmehr nur noch 26 % bereitet uns Sorgen“, sagte Verbraucherminister Alexander Bonde am 21. November bei der Vorstellung des Waldzustandsberichtes 2012 in Stuttgart. Diese Ergebnisse seien insbesondere auf Spätfrost und Trockenheit im Frühjahr sowie auf Schädlinge oder Krankheiten zurückzuführen.
Das Schadniveau der Eiche hat sich 2012 erheblich verschlechtert, der mittlere Blattverlust liegt jetzt bei 31,6 %. Neben dem trockenen Frühjahr hatte die Eiche unter verschiedenen Raupen und Mehltaubefall zu leiden. Nach drei positiven Jahren hat sich die Situation bei der Fichte ebenfalls um 5,1 % auf 21,4 % verschlechtert. Lediglich die Buche, im Vorjahr mit sehr schlechten Werten, hat sich um 3,4 % auf immer noch besorgniserregende 28,1 % leicht verbessert.
 
Die Kronenschäden haben gegenüber dem Vorjahr um durchschnittlich 2,5 % zugenommen. Wichtiger ist jedoch der Befund, dass für die beiden Hauptbaumarten Fichte und Buche seit der Jahrtausendwende ein deutlicher Anstieg der Schadensintensität für alle Altersklassen zu beobachten ist. Der mittlere Nadel-/Blattverlust ist bei beiden Baumarten im Durchschnitt der letzten zehn Jahre signifikant höher als am Anfang der Beobachtungsperiode Mitte der 1980er Jahre.
 
Trotzdem ist die öffentliche Wahrnehmung des aktuellen Schadensschubs im Vergleich zu den Waldschadens-Diskussionen vor 25 bis 30 Jahren gering. Die dauerhaft hohen Schädigungen sind eine große Belastung für die nachhaltige Entwicklung der Wälder. Die zunehmenden Schäden werden von sich verschärfenden Mangelphasen in der Kaliumernährung begleitet. Es wird derzeit davon ausgegangen, dass dieser bisher in Wäldern noch nie großflächig aufgetretene Kaliummangel durch das Zusammenwirken der jahrzehntelangen Nährstoffauswaschung durch „Sauren Regen“ mit einer durch Bodenversauerung reduzierten Durchwurzelungsintensität und der klimawandelbedingten zunehmenden Häufigkeit und Intensität von Trockenphasen verursacht wird.
 
Gestützt wird diese Erklärungshypothese durch die an den Messnetzpunkten beobachtete Zunahme der Wasserverdunstung zwischen 1992 und 2007. Dies wird durch die diesjährige Beobachtung auffällig kurzer Nadeln und Triebe gestützt, beides Symptome sowohl für Trockenschäden als auch für Kaliummangel.
Ökosystem Wald in veränderte Umwelt mitnehmen

„Wir müssen das Ökosystem Wald in eine veränderte Umwelt mitnehmen, die zunehmend von ungewöhnlichen Witterungsabläufen und Extremwetterlagen geprägt ist“, erläuterte der Minister. Eine wichtige langfristige Aufgabe sei der Aufbau klimastabiler Mischwälder. „Laub- und Laubmischwälder erschließen den Boden mit ihren Wurzeln tiefer und intensiver als Nadelbaumarten, insbesondere tiefer als die flach wurzelnde Fichte. Damit sind sie stabiler gegenüber Umwelteinflüssen und Witterungsschwankungen“, so der Minister. Genauso wichtig sei es jedoch, den Klimawandel selbst aufzuhalten und Emissionen möglichst zu vermeiden. „Die grün-rote Landesregierung setzt sich mit Nachdruck dafür ein, dass die Klima- und Energiewende gelingt. Wichtige Elemente sind der Ausbau erneuerbarer Energien, aber auch die Umsetzung neuer Mobilitätskonzepte, die für die Umwelt weniger belastend sind“, so Bonde abschließend.

Der Waldzustandsbericht wird jährlich im Auftrag der Landesregierung durch die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg (FVA) erstellt und erfasst auf wissenschaftlicher Basis systematisch den Gesundheitszustand der Waldbestände im Land. Im Rahmen des Forstlichen Umweltmonitorings werden mit Hilfe eines Messnetzes Umweltinformationen gemessen, erfasst und ausgewertet.

download des Waldzustandsberichtes Baden-Württemberg 2012

MLR

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