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Waldzustandsbericht 2016 für Nordrhein-Westfalen

Waldzustandsbericht 2016 für Nordrhein-Westfalen

Die Landesregierung will mit einem eigenen Anzuchtprogramm das Aussterben der Esche in den Wäldern von Nordrhein-Westfalen verhindern. „Beobachtungen wie jetzt bei der Erhebung zum Waldzustandsbericht zeigen, dass sich die Erkrankung der Esche bei uns zunehmend ausbreitet und den Bestand massiv beeinträchtigt“, sagte Umweltminister Johannes Remmel bei der Vorstellung des diesjährigen Waldzustandsberichtes. Der zuständige Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen geht davon aus, dass mehr als 90 % der Eschen in den Wäldern Nordrhein-Westfalens von einer europaweit grassierenden Pilzerkrankung befallen werden könnten. „Wenn wir hier nicht gegensteuern, wird die Esche aus unseren Wäldern endgültig verschwinden“, warnte Minister Remmel. Mit den privaten Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern will das Land nun gesunde Eschen ausfindig machen, um resistentes Saatgut zu sichern und dieses dann in Samenplantagen zu züchten.
Neue Herausforderungen meistern
Neben der Esche zeigt sich im aktuellen Waldzustandsbericht vor allem die Buche wegen eines erneuten Mastjahres (starke Fruktifikation) in einem schlechteren Belaubungszustand als im vergangenen Jahr. Die Eiche hingegen verzeichnet hingegen im dritten Jahr in Folge einen Aufwärtstrend. Insgesamt sind aber nur 28 % aller Bäume in NRW in einem guten Zustand, etwa 29 % in einem schlechten.
Konnte 2015 eine Verbesserung des Waldzustands festgestellt werden, hat sich der Kronenzustand im Jahr 2016 in Bezug auf den gesamten Wald wieder etwas verschlechtert. „Unsere Wälder sind Alleskönner: Sie sind wichtige Lebensräume für Tiere und Pflanzen und damit Teil des wilden Nordrhein-Westfalens. Sie dienen den Menschen zur Erholung und sind Produktionsstätten für den nachwachsenden Rohstoff Holz“, sagte Minister Remmel. „Wir müssen diesen Naturschatz daher schützen und bewahren. Die Waldzustandserhebung liefert uns wichtige Daten zur Entwicklung unserer Wälder.“
Der Anteil von Bäumen ohne Schäden liegt 2016 wie im vergangenen Jahr bei 28 %. „Es zeigt sich, dass die ambitionierte Umweltpolitik wirkt: Durch moderne Filter in den Industrieanlagen gehen die Luftbelastungen und damit auch die Belastungen in unseren Böden zurück. Der Wald heute muss neue Herausforderungen meistern, vor allem den Klimawandel“, sagte Minister Remmel.
Zustand der vier wichtigsten Baumarten
Rotbuche. Bei der Buche ist es 2016 zu einer Verschlechterung im Vergleich zum Vorjahr gekommen. Die deutlichen Schäden haben sich bei den untersuchten Buchen auf 48 % verdoppelt. Ohne Schädigungen waren 17 % der Buchen. Hauptursache für die stärkere Kronenverlichtung war die erneut starke Fruchtbildung der Buche. In den vergangenen Jahrzehnten wurde beobachtet, dass die Jahre der Vollmast in immer kürzeren Abständen aufgetreten sind. Trat eine solche Vollmast in der Vergangenheit in einem Jahrzehnt höchstens zwei bis drei Mal auf, werden heute drei bis fünf Vollmasten pro Jahrzehnt beobachtet. Hauptursache könnte der Klimawandel sein. So hat sich laut dem 2. Klimawandelbericht NRW, der Anfang November vorgestellt wurde, die durchschnittliche Jahresmittel-Temperatur in NRW zwischen 1881 und 2015 um 1,4 °C erhöht.
Eiche. Die Eiche konnte sich in diesem Jahr weiter erholen. Der Anteil der Bäume ohne jede Verlichtung stieg von 19 auf 30 % und der Anteil der Bäume mit deutlichen Schäden sank von 40 % auf 29 %. „Trotz dieser Erholung in den vorherigen Jahren ist es noch zu früh, von einer Entwarnung zu sprechen. Die Eiche bleibt weiterhin das Sorgenkind unserer Wälder“, sagte Minister Remmel.
Kiefer. Der Zustand der Kiefer hat sich seit 2013 in kleinen Schritten verbessert. So wurde auch 2016 im Vorjahresvergleich eine Abnahme der deutlichen Schäden von 16 % auf jetzt 13 % verzeichnet. Der Anteil der Bäume ohne Kronenverlichtung ist von 16 auf 22 % gestiegen. Wie auch in den Vorjahren ist die Kiefer in NRW die Hauptbaumart mit der geringsten Kronenverlichtung.
Fichte. Der Zustand der Fichte hat sich Im Vergleich zu den Vorjahreswerten nur wenig verändert. Die deutliche Kronenverlichtung ist von 28 % auf 30 % gestiegen. Die Warnstufe sowie der Anteil der gesunden Bäume haben jeweils einen Prozentpunkt verloren. Es konnte eine mittlere Intensität der Zapfenbildung beobachtet werden.
Anpassungen an die klimatischen Veränderungen
„Dieses Jahr zeigt uns deutlich, dass die Vegetationszeiten immer wärmer und länger werden. Wir beobachten genau, inwieweit der Wald sich diesen neuen Bedingungen anpasst. Der Wald in NRW konnte den Stress recht gut ausgleichen“, ergänzt Andreas Wiebe, Leiter von Wald und Holz NRW. „Aber unsere Wälder aktiv an die klimatischen Veränderungen anzupassen, das ist die Mammutaufgabe des 21. Jahrhunderts für unsere Forstleute und die Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer in NRW. Mit dem Wissen unserer Expertinnen und Experten gestalten wir klimaplastische Wälder mit einer angepassten Mischung aus Laub- und Nadelbaumarten. Dabei setzen wir auch auf nicht heimische Baumarten wie die Douglasie oder die Roteiche, die sich als sehr widerstandsfähig erwiesen haben und daher gut nach NRW passen.“
Nach den Aussagen von Lutz Falkenried, dem Leiter der Waldzustandserhebung von Wald und Holz NRW, hat sich in diesem Jahr der Zustand im gesamten Wald im Vergleich zum Vorjahr wieder etwas verschlechtert. „Dabei müssen die einzelnen Baumarten aber auch getrennt beurteilt werden. Buche und Fichte ging es in diesem Jahr etwas schlechter, Eiche und Kiefer haben sich hingegen weiter erholt. Besonders der starke Samenanhang mit Bucheckern hat 2016 das Gesamtergebnis des Waldes geprägt“, sagte Falkenried.
Verbraunte Baumkronen
Ab etwa Anfang September war vielerorts zu beobachten, dass sich Baumkronen vorzeitig braun verfärbten. Davon betroffen waren überwiegend Laubbäume, besonders sichtbar wurde es bei Ahornen und Hainbuchen. Auslöser für diese frühzeitige Herbstbild der Baumkronen war ein partieller Wassermangel in Folge der plötzlichen trocken-heißen Wetterlage ab Mitte/Ende August. Dabei dürfte auch die Sonnenintensität eine Rolle gespielt haben. Weil die vorzeitigen Braunfärbungen der Blätter erst nach Abschluss der Außenaufnahmen für das Kronenmonitoring Ende August aufgetreten sind, gehen sie in die Ergebnisse des diesjährigen Waldzustandsberichtes nicht ein.
 

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