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Waldzustand 2011 im Saarland

„Es ist zwar viel zu früh, von einer Gesundung der Wälder zu sprechen. Jedoch die mit dem Jahr 2006 beginnende Erholung im Bereich der abiotischen Schadsituation hat sich auch 2011 fortgesetzt. Die Entwicklung der zum Teil erheblichen Verbissschäden im Jungwald ist in einigen Bereichen unseres Landes aber dramatisch“, so fasst der Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Energie und Verkehr, Klaus Borger, die Ergebnisse des Waldzustandsberichtes 2011 zusammen.
Bei der Waldzustandsinventur des vergangenen Jahres schnitt die Buche am schlechtesten ab, jede zweite Buche zeigte deutliche Kronenverlichtungen. Dafür dürfte die außergewöhnliche Fruktifikation ausschlaggebend gewesen sein, welche die Energie der Bäume in die Produktion der Fruchtstände und weniger in die Blattmasse lenkte.
Die deutlichen Schäden stiegen bei der Buche sprunghaft um 24 Prozentpunkte auf 51 Prozent an, bei der Eiche dagegen verringerten sie sich um 19 Prozentpunkte auf 18%. Veränderungen bei den übrigen Baumarten sind sehr viel geringer: Die Fichten verbesserten sich um 3 Prozentpunkte auf 16%, Kiefern um 7 Prozentpunkte auf 44% deutliche Schäden.
Damit setzt sich für Eiche, Fichte und Kiefer der Trend einer kontinuierlichen Erholung seit dem Jahr 2006 fort. Der erfreuliche Schadensrückgang bei der Eiche hängt auch damit zusammen, dass in den letzten Jahren kein vitalitätsmindernder Schädlingsbefall auftrat; Eiche und Fichte nähern sich dem Schadniveau der 1990er Jahre an.
Über alle Baumarten hinweg bleibt der Anteil deutlicher Schäden mit 27% auf Vorjahresniveau. Trotz der schwierigen klimatischen Bedingungen zu Beginn der Vegetationszeit und Sondersituation der Buche setzt sich grundsätzlich die Entwicklung der letzten 4 Jahre mit Rückgang der Gesamtschäden um weitere 4 Prozentpunkte auf 73% fort.
Im Vergleich der Baumarten ist nun die Buche mit 51% die am stärksten geschädigte Hauptbaumart, vor der Kiefer (44%), Eiche (18%) und Fichte (16%).
Bei der Beurteilung des Jungwaldes zeichnen sich teilweise dramatische Entwicklungen ab. Verbiss, vor allem durch Reh- und Rotwild, haben landesweit zu einer erheblichen Entmischung der Wälder geführt. „Wenn diese Entwicklung nicht bald korrigiert wird, werden wir auf immer größerer Landesfläche baumartenarme Wälder mit einem hohen Risiko für die laufende Klimaentwicklung haben. An den Witterungsbedingungen und anderen Rahmenbedingungen können wir nichts ändern. Wir können aber an vielen Stellschrauben drehen, die dazu beitragen, die Vitalität der Waldbäume und der Waldböden zu stärken“, so Staatssekretär Borger. Das Wald-Vitalisierungs-Programm Saarland beinhalte ein konkretes Maßnahmenprogramm, um über waldbauliche, forsttechnische,  jagdliche und flankierende Aktivitäten Wälder und Waldböden zu stabilisieren und diese resistenter gegen biotische und abiotische Belastungen zu machen.
 
Hintergrund
Die jährliche Beurteilung des Gesundheitszustandes alleine ist wenig repräsentativ, im Gegenteil diese bergen die Gefahr, dass außergewöhn-liche Ereignisse, die tatsächliche Situation überlagern. So hat es sich z.B. gezeigt, dass Trockenjahre, Schädlingsbefall, Samenjahre den tatsächlichen Gesundheitszustand verfälscht wiedergeben, denn bei den Waldzustandsinventuren werden als Vitalitätsmerkmal die Dichte des Blatt- bzw. Nadelanhangs beurteilt. Erst über mehrjährige Untersuchungen ist es möglich, Trends zu erkennen, die Rückschlüsse auf die Vitalität unserer Wälder zulassen.
Die extreme Frühjahrstrockenheit und der ausgeprägte Samenbehang bedeuteten für die Buche außergewöhnliche Rahmenbedingungen, deren Auswirkungen vermutlich auch 2012 erkennbar werden.
MUEV

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