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Waldzustandsbericht  2010 Baden-Württemberg vorgestellt

Waldzustandsbericht 2010 Baden-Württemberg vorgestellt

Forstminister Rudolf Köberle hat am 1. Dezember 2010 in Stuttgart den Waldzustandsbericht 2010 vorgestellt. Der Nadel- und Blattverlust bei Waldbäumen ist im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Neben der Fichte und der Tanne hat sich vor allem der Zustand der Buche erheblich verbessert. Keine Fortschritte weist der Waldzustandsbericht für die Baumarten Eiche und Kiefer aus.
Der Bericht wird im Auftrag der Landesregierung durch die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg (FVA) jährlich erstellt und erfasst auf wissenschaftlicher Basis systematisch den Gesundheitszustand der Waldbestände im Land. „Es stimmt zuversichtlich, dass sich der Zustand der Baumkronen in den baden-württembergischen Wäldern stark verbessert hat. Der durchschnittliche Nadel- und Blattverlust bei Waldbäumen ist im Vergleich zum Vorjahr von 25,5 Prozent im Jahr 2009 auf 22,5 Prozent im laufenden Jahr und damit um rund zwölf Prozent zurückgegangen. Eine solch positive Entwicklung hatten wir schon seit 13 Jahren nicht mehr“, erklärte der Forstminister.
Neben der Fichte und der Tanne hätte sich vor allem der Zustand der Buche erheblich verbessert. Die von den Forstwissenschaftlern erhobenen Zahlen belegten, dass die von der Landesregierung ergriffenen Maßnahmen zur Gesunderhaltung der Wälder richtig seien. „Das breite Bündel aus Luftreinhalte-, Kompensations- und Fördermaßnahmen, das wir seit mittlerweile drei Jahrzehnten umsetzen, zeigt Wirkung“, sagte Köberle.
Vor allem die langfristige Förderung stabiler Mischwälder sowie die Kalkung der Waldböden seien wirkungsvolle Bausteine der Gesundheitsstrategie für die Wälder. Wesentlich sei auch, dass es der Politik gemeinsam mit der Wirtschaft gelungen sei, Luftschadstoffe zu reduzieren und so den in früheren Jahren sehr starken Säureeinträgen in die Waldböden entgegenzuwirken.
Waldzustand wird differenziert betrachtet
„Der Wald ist nicht in allen Regionen des Landes gleichermaßen gesund und auch die einzelnen Baumarten sind unterschiedlich stark betroffen“, erklärte der Forstminister. So hätten sich beispielsweise die ehemaligen Schadensschwerpunkte in den nährstoffarmen Hochlagen des Schwarzwaldes spürbar erholt. Dies lasse sich auf den Rückgang der Säureeinträge sowie auf die Kalkung der Waldböden zurückführen. Der Schwarzwald stehe mit einem mittleren Nadel-Blatt-Verlust von rund 20 Prozent heute im Landesvergleich gut da. Demgegenüber seien die eher tiefer gelegenen und wärmeren Regionen am Hochrhein, im Neckarland sowie in Oberschwaben heute stärker betroffen. „In diesen Gegenden ist es vor allem der Klimawandel, der den Wäldern in Verbindung mit den dort ohnehin tendenziell geringeren Niederschlägen zu schaffen macht. Mit 24 Prozent Nadel-Blatt-Verlust weist das Neckarland landesweit den höchsten Durchschnittswert auf“, erläuterte Köberle.
Auffallend gut entwickelt habe sich mit Blick auf die Gesamtwaldfläche Baden-Württembergs die Buche. „Noch nie in der Geschichte des Waldzustandsberichts hat sich der Gesundheitszustand der Buche so gut entwickelt wie in diesem Jahr. Der Blattverlust ist um rund ein Viertel auf knapp 27 Prozent zurückgegangen. Dies entspricht einer Verbesserung von etwas mehr als neun Prozentpunkten“, erklärte der Minister. Gründe hierfür seien vor allem die gute Wasserversorgung der Bäume durch die hohen Sommerniederschläge der letzten drei Jahre und die weniger starke Fruchtbildung in diesem Jahr. „In den Jahren davor haben die Buchen ungewöhnlich viele Bucheckern gebildet. Dies schwächt die Bäume und verschlechtert deren Belaubungszustand“, erklärte der Minister.
Keine Fortschritte weist der Waldzustandsbericht für die Baumarten Eiche und Kiefer aus. Hier stagniere der Nadel-Blatt-Verlust auf überdurchschnittlich hohem Niveau beziehungsweise habe er sich bei der Kiefer sogar noch geringfügig vergrößert. Insbesondere die Eiche, auch im Hinblick auf den Klimawandel eine zentrale Baumart, sei immer noch das Sorgenkind mit einem mittleren Blattverlust von über 34 Prozent.
Kalkung und Waldumbau im Vordergrund
„Neben einer konsequenten Luftreinhaltepolitik und einer Ausweitung des Anteils naturnaher und stabiler Mischwälder sind es vor allem unsere Kalkungsmaßnahmen, die den Erfolg bringen. Das Beispiel Schwarzwald zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, betonte Köberle. Vor über 25 Jahren hätte man im Schwarzwald begonnen, Waldflächen zu kalken. Der damals von vielen „totgesagte Patient“ stehe heute besser da als je zuvor. „Hauptursache für die Schädigung von Wäldern war und ist das Eindringen von Säuren und Stickstoff mit dem Regen in den Boden. Zur effizienten und dauerhaften Regeneration der Bodenfunktionen haben wir deshalb dieses Jahr ein langfristiges Kalkungskonzept gestartet. Dieses neutralisiert nicht nur die aktuellen Säureeinträge, sondern baut auch die im Boden gespeicherten und schädlichen Säuremengen ab“, erklärte Köberle. Durch die Bodenversauerung in den vergangenen Jahrzehnten habe sich die Säurestärke im Boden im Durchschnitt um den Faktor 100 erhöht. Dies beeinträchtige die natürlichen Bodenfunktionen massiv und gefährde die Versorgung der Bäume mit Wasser und Nährsoffen. „Diesem Prozess wirken wir mit unserem breit angelegten Kalkungskonzept entgegen“, unterstrich der Minister.
Mit Blick auf den Klimawandel führe kein Weg an einem konsequenten Waldumbau vorbei. „Die zu erwartenden Veränderungen des Weltklimas werden auch in Baden-Württemberg erhebliche Auswirkungen auf die Stabilität und Vitalität der Waldbäume haben. Wir müssen schon heute daran denken, die Wälder fit für die Herausforderungen der Zukunft zu machen und die Waldbewirtschaftung am Klimawandel ausrichten“, so Köberle. Der Klimawandel werde den Wäldern künftig vor allem durch Trockenheit, Borkenkäfer- und Sturmschäden zusetzen. Davon seien die verschiedenen Baumarten abhängig vom Standort mehr oder weniger stark betroffen. Das Land habe daher verstärkt in die Klimafolgenforschung investiert.
Im Rahmen des Projekts „Auswirkungen des Klimawandels auf die Wälder Baden-Württembergs“ beschäftige sich die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg seit 2007 beispielsweise mit der Frage der Eignung der beiden bedeutendsten Baumarten im Land, Fichte und Buche, bei geänderten Umweltbedingungen. Unterstellt würden dabei eine allgemeine Klimaerwärmung sowie eine Änderung der Niederschlagshöhe und der jahreszeitlichen Verteilung der Niederschläge. Die Einschätzungen der Freiburger Wissenschaftler seien in Forstkarten zur künftigen Eignung der Baumarten grafisch dargestellt. Diese Karten würden eine sehr gute fachliche Grundlage für Waldbesitzer und Waldbewirtschafter vor Ort darstellen.
„Grundsätzliches Ziel in Baden-Württemberg ist und bleibt eine nachhaltige, naturnahe, multifunktionale und klimastabile Waldwirtschaft auf der ganzen Waldfläche. Dieses Konzept sieht einen ausgewogenen Kompromiss zwischen ökologischen, ökonomischen und sozialen Zielen vor“, sagte Köberle. Diesem Anspruch werde die baden-württembergische Waldwirtschaft bisher mit großem Erfolg gerecht.
Weitere Infos: www.forstbw.de
MLR

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