Forstminister Peter Hauk MdL (rechts) und der Stv. Ministerpräsident Thomas Strobl MDL
Der Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk MdL (rechts) und der Stv. Ministerpräsident und Innenminister Thomas Strobl MDL stellten am 19. Dezember in Stuttgart den Waldzustandsbericht 2022 sowie das Waldbrand-Kooperationsprojekt des Landes Baden-Württemberg vor.
|

Waldzustand und Waldschutz in Baden-Württemberg

29. Dezember 2022
Am 19. Dezember wurde in Stuttgart der Waldzustandsbericht 2022 für Baden-Württemberg vorgestellt. Mit 46 Prozent weist fast die Hälfte der Waldfläche deutliche Schäden auf. Das Niveau des bisherigen Negativrekordjahres 2020 wurde damit eingestellt. Neben Dürre und Borkenkäfer rückte im Jahr 2022 insbesondere das Thema Waldbrand in den Fokus der Forstleute. Die Zusammenarbeit zwischen Forst und Feuerwehr im Land soll daher ausgebaut werden.

Die derzeitige und die aller Voraussicht nach künftige Situation des Waldzustandes und der Widerstandskraft des Waldes in Baden-Württemberg gegen Hitzerekorde, Dürreperioden und auch Waldbrände war Thema im Haus des Waldes in Stuttgart am 19. Dezember. Gleich zwei Minister der Landesregierung informierten die Öffentlichkeit. Forstminister Peter Hauk stellte den Waldzustandsbericht 2022 vor. Der stellv. Ministerpräsident und Innenminister Thomas Strobl präsentierte die Maßnahmen des Landes zur Prävention von Vegetationsbränden und bei der Brandbekämpfung im Wald.

Waldzustandsbericht 2022

Im Auftrag der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt nahmen Inventurtrupps im Juli und August dieses Jahres den Kronenzustand von über 7.000 Waldbäumen und mehr als 30 Waldbaumarten auf. Im Ergebnis sind 46 % der Waldfläche in Baden-Württemberg deutlich geschädigt, womit das Niveau des bisherigen Negativrekordjahres 2020 eingestellt ist. „Leider blieben in diesem Jahr ein regenreiches Frühjahr und ein nicht zu heißer und trockener Sommer aus. Die erhoffte Verschnaufpause zur Revitalisierung für unsere Wälder war insgesamt zu kurz“, so Hauk.

Unter den Nadelbäumen weist die Kiefer mit einem mittleren Nadelverlust von 33 % den höchsten Wert auf. Bei Fichte, Tanne und Lärche liegt der Wert bei 25 %. Der Fichte haben die anhaltende Trockenheit und der Borkenkäferbefall stark zugesetzt. Der Nadelverlust bei der Tanne ist im Wesentlichen bei jüngeren Bäumen angestiegen. Mit rund 21 %Nadelverlust zeigt die Douglasie unter den wichtigsten Nadelbäumen den geringsten Schädigungsgrad.

Unter den wichtigsten Laubbäumen weist der Bergahorn mit rund 18 % den geringsten Anteil an Blattverlusten auf, wohingegen die Esche mit rund 43 % den höchsten Anteil aufweist. Beim Bergahorn ist das Ergebnis auf das geringe Durchschnittsalter der erfassten Bäume zurückzuführen. Die hohen Blattverluste bei der Esche sind im pilzlichen Erreger des Eschentriebsterbens begründet. Der Laubverlust der Buche hat sich gegenüber dem Vorjahr auf 32 % leicht erhöht. Mittlerweile gelten 58 % als deutlich geschädigt. Der Anteil ungeschädigter Buchen liegt nur noch bei 9 %. Der Blattverlust der Eichen ist auf 34 % angestiegen. Damit liegt der Anteil deutlich geschädigter Eichen bei 71 %, das ist mehr als bei jeder anderen Baumart in Baden-Württemberg.

Der Klimawandel und die zunehmende Globalisierung erhöhen zudem die Gefahr der Ausbreitung oder der passiven Verschleppung von Organismen, die erheblichen Schaden in den Wäldern anrichten können, die sog. Quarantäneschädlinge oder Prioritäre Schadorganismen. Als ein Beispiel für ein erfolgreiches Zurückdrängen nannte Hauk den Asiatische Laubholzbockkäfer, der erstmals 2008 bei Kehl auftrat. 2021 und 2022 seien keine neuen Quarantäneschädlinge im Wald festgestellt worden.

Maßnahmen gegen den Klimawandel

„Die Ergebnisse des Waldzustandsberichts sind besorgniserregend. Deshalb dürfen wir nicht nachlassen und müssen weiter entschlossen handeln, um die gesetzten Klimaschutzziele zu erreichen und gleichzeitig den Wald und die Waldwirtschaft an den Klimawandel anzupassen“, betonte Hauk. Das Land habe dazu mit der Holzbau-Offensive, der Landesstrategie „Nachhaltige Bioökonomie“ oder dem Ausbau der Windkraft eine Reihe von Initiativen gestartet. Zudem trage die Waldstrategie Baden-Württemberg, die unter Beteiligung der Akteure für den Wald im Land fortgeschrieben wird, dazu bei, den Wald und seine vielfältigen Leistungen für die Gesellschaft zu erhalten. „Der insgesamt bessere Gesundheitszustand der jungen Bäume lässt uns hoffen. Genau hier setzen die Forstleute mit der Pflege der Wälder an, um klimaresiliente Bäume für stabile Mischwälder früh zu fördern“, machte Hauk deutlich. Zudem werde derzeit die Richtlinie landesweiter Waldentwicklungstypen, ein Leitfaden zum waldbaulichen Umgang mit den Wäldern im Klimawandel, von den Experten der Landesforstverwaltung, von ForstBW und FVA überarbeitet und im kommenden Jahr veröffentlicht.

Hand in Hand Waldbrände bekämpfen

Der Stellv. Ministerpräsident und Innenminister Thomas Strobl informierte über die Maßnahmen des Landes Baden-Württemberg zur Waldbrandbekämpfung. „Um bei der Prävention von Vegetationsbränden und bei der Brandbekämpfung selbst möglichst optimal aufgestellt zu sein, müssen Forst und Feuerwehr ganz eng zusammenarbeiten“, so Strobel. Diese Zusammenarbeit soll zukünftig noch vernetzter und mit einem besseren Wissenstransfer zwischen Forst und Feuerwehr gestaltet werden. Deshalb soll es künftig in jedem Stadt- und Landkreis ein „Tandem“ mit Ansprechpartnern von Forst und Feuerwehr geben. Sie sollen die Informationen im Stadt- und Landkreis steuern und erste Ansprechstelle für ein landesweites Netz darstellen. Zudem werden mit dem Kooperationsprojekt „Hier wächst Zukunft“ zwischen der Jugendfeuerwehr Baden-Württemberg und der Landesforstverwaltung im kommenden Jahr gemeinsam im ganzen Land zahlreiche Mitmachaktionen für die Wälder gestartet. Strobel: „Wir werden nicht ‚über Nacht‘ zum Waldbrandland. Aber: Wir müssen uns auf Extremwetterlagen vorbereiten und stärker gegen Waldbrände rüsten.“

Forstkammer fordert mehr Tempo

„Unsere Wälder brauchen unsere aktive Hilfe.“ Diese Schlussfolgerung zieht Jerg Hilt, Geschäftsführer der Forstkammer Baden-Württemberg, aus den am 19. Dezember von Forstminister Peter Hauk in Stuttgart vorgestellten Ergebnissen des Waldzustandsberichts. „Der eingeschlagene Kurs ist richtig: klimastabile Baumarten pflanzen, den jungen Bäumen mehr Platz schaffen und gleichzeitig heimisches Holz als Ersatz für klimaschädliche und fossile Rohstoffe verwenden. Aber wir müssen das Tempo erhöhen.“ Dass das Land in den nächsten zwei Jahren viel weniger Geld für den Wald bereitstellen will, sei daher ein schlechtes Zeichen. „Es wurden viele sinnvolle Maßnahmen und Programme eingeleitet, im Doppelhaushalt 2023/2024 fehlen jetzt aber die Mittel für die Umsetzung.“ Hier müsse dringend nachgebessert werden.

Mit Material des MLR und der FoKa Baden-Württemberg