Waldschutz

Waldzustand 2021 in Deutschland: (K)ein Jahr der Entspannung?

Bearbeitet von Jörg Fischer

Das Jahr 2021 brachte laut Waldzustandsbericht für Gesamtdeutschland endlich wieder mehr Regen und kühlere Temperaturen. Nach drei trocken-heißen Jahren in Folge entspannte sich die Lage in unseren Wäldern daher leicht. Dennoch: Die Schäden in den Wäldern bleiben hoch.

Der Gesundheitszustand unserer Wälder hat sich in den letzten Jahren deutlich verschlechtert. Im Jahr 2020 wurden sogar neue (traurige) Höchstwerte erreicht – sowohl hinsichtlich der Kronenverlichtung als auch mit Blick auf die Mortalitätsrate über alle Baumarten hinweg. Das zurückliegende Jahr brachte diesbezüglich eine leichte Entspannung. So entwickelte sich die Witterung für unsere Wälder vergleichsweise günstig. Lang anhaltende Dürreereignisse blieben ebenso aus, wie große Stürme. Das spiegelt sich auch in den Ergebnissen der Waldzustandserhebung 2021 wider, die das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) in dieser Woche veröffentlicht hat.

Waldzustandsbericht: Wie steht es um unsere Hauptbaumarten?

Tatsächlich nahm der Anteil von Bäumen mit deutlicher Kronenverlichtung bezogen auf die vier Hauptbaumarten Fichte, Kiefer, Buche und Eiche leicht ab. Die Schäden bleiben jedoch weiterhin hoch:

  • Der Anteil der deutlichen Kronenverlichtungen bei der Fichte stieg weiter an, wenn auch nur leicht, von 44 % im Vorjahr auf 46 % in 2021.
  • Bei der Kiefer ging der Anteil an deutlichen Kronenverlichtungen leicht zurück und fiel von 26 % auf 25 % ab.
  • Die Vitalität der Buche verbesserte sich sichtbar. Der Anteil an deutlichen Kronenverlichtungen ging von 55 % auf 45 % runter. Allerdings bleiben die Schäden mit mehr als 40 % nach wie vor hoch.
  • Nachdem sich die Eiche 2020 leicht erholen konnte, verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand 2021 wieder. So stieg der Anteil der deutlichen Kronenverlichtungen von 38 % auf 42 %.

Für die mittlere Kronenverlichtung über alle Baumarten hinweg ergab sich ein Wert von 25,7 % (2020: 26,5 %). Mit einem Anteil von 21 % aller Bäume in Deutschland ohne Kronenverlichtung wurde der Vorjahreswert gehalten. Die Mortalitätsrate sank von 1,7 im Jahr 2020 auf 1,2 in 2021, bleibt aber im langjährigen Vergleich weiterhin hoch. Insbesondere die Hauptlaubbaumarten Buche und Eiche verzeichneten einen deutlichen Anstieg der Absterberate. Hierfür können verschiedene Gründe angenommen werden: Während sich bei der Buche noch die Trockenjahre 2018 bis 2020 auf die Vitalität auswirken, nimmt bei der Eiche der Schädlingsbefall wieder merklich zu.

Trügerische Hoffnung?

Von einem Aufwärtstrend kann trotz einer leichten Erholung unserer Wälder noch nicht gesprochen werden – im Gegenteil: Die Prognosen für das laufende Jahr lassen bislang nichts Gutes ahnen. Nach einem viel zu milden und vielerorts auch zu trockenen Winter droht 2022 ein weiteres herausforderndes Waldschutzjahr zu werden. Speziell das frische Schadholz aus den Februarstürmen bietet dem Käfer eine günstige Ausgangsposition. Für eine Entwarnung ist es daher noch zu früh.

Weitere Infos zur Waldzustandserhebung bietet das Thünen-Institut für Waldökosysteme auf ihrer Webseite an. Die Ergebnisse der Waldzustandserhebung für Gesamtdeutschland im Einzelnen finden sich hier.

Den gesamten Bericht zum Waldzustand 2021 lesen Sie in der nächsten Aufgabe von AFZ-DerWald, Heft 7/2022, und im Digitalmagazin.

Jörg Fischer