Forstpolitik

Waldwirtschaft ist Teil des Generationenvertrags

Bearbeitet von Martin Steinfath

Der Landeswaldverband Baden-Württemberg äußert sich zum neuen Koalitionsvertrag für Baden-Württemberg, der in der vergangenen Woche vorgestellt wurde. Der Verband begrüßt, dass der Klimawandel nun prioritäres Ziel der Landesregierung ist, gleichzeitig wird die Sorge formuliert, dass vornehmlich der Staatswald auf seine Rolle als Standort für 1.000 neue Windkraftanlagen reduziert wird.

„Es erfüllt es uns mit Sorge, dass der Wald, vornehmlich der Staatswald, auf seine Rolle als Standort für 1.000 neue Windkraftanlagen reduziert wird. Im Zusammenhang mit den Finanzierungsvorbehalten bei den übrigen Waldfunktionen erfüllt uns dies mit großer Skepsis bezüglich deren Umsetzung“ bringt Dietmar Hellmann, Vorsitzender des Landeswaldverbandes die Befürchtungen auf den Punkt. Die Bedeutung des Waldes für den Klimaschutz, die Ansprüche der Gesellschaft nicht nur in Pandemiezeiten und seine überragende Rolle im Natur- und Artenschutz verbieten es, dass die erforderlichen Maßnahmen zu deren Stabilisierung und Ausbau unter Finanzvorbehalt stehen. Hellmann: „Wir unterstützen deshalb die Maßnahmen zum Schutz der Umwelt, und wir befürworten ausdrücklich die Fortsetzung der Waldstrategie, an deren Umsetzung wir beteiligt sind. Die Stärkung der Forschung im Bereich Monitoring der Wälder und Laubholznutzung, die Unterstützung für die Honorierung von Ökosystemleistungen auf Bundesebene treffen die Forderungen unseres Verbandes.“

Ausbildung

„Sehr gut auch, dass jährlich mindestens 100 Forstwirtinnen und Forstwirten von ForstBW ausgebildet werden sollen. Dies ist die richtige Entscheidung für professionelle Waldpflege. Allerdings ist nach drei Trockenheits- und Hitzejahren der Personalbedarf an Forstleuten zur Umsetzung des Waldumbaus auch in den Revieren und Verwaltungen unvergleichlich höher. Deshalb ist zwar die personelle Stärkung der Landesforstverwaltung ein wichtiger Punkt im Koalitionsvertrag, wir vermissen aber eine klare Aussage zur finanziellen Absicherung von ForstBW durch den Landeshaushalt. Der Wald braucht deutlich mehr Geld und besser bezahltes Personal, und zwar schnell,“ fasst Hellmann zusammen.

Prozessschutz

Der Landeswaldverband befürwortet die Ziele des Prozessschutzes als eine von mehreren Naturschutzstrategien. 10% der Staatswaldfläche als Prozessschutzfläche aus der Bewirtschaftung zu nehmen ist allerdings ein rein politisches Ziel und nicht an wissenschaftlichen Erkenntnissen orientiert. Nicht den einfachen Weg, sondern den effizienten Weg beschreiten macht Sinn, so Hellmann. Eine Einbeziehung von Körperschafts- und Privatwald gekoppelt mit Entschädigungen für Nutzungsverzicht ist aus ökologischen Gründen zielführender und darf nicht dem Finanzierungsvorbehalt zum Opfer fallen.

Ökosystemleistungen des Waldes

„Ebenso sieht der Landeswaldverband die Windkraft als wichtige Säule der Energiewende und befürwortet deren Ausbau. Inwieweit dieser aber fast ausschließlich auf Staatwaldflächen geschehen kann und darf, bedarf eingehender Prüfungen, die die Vereinbarkeit mit anderen Ökosystemleistungen des Waldes gebührend berücksichtigen“, gibt Hellmann zu bedenken. „Wir plädieren in diesem Zusammenhang für die Einhaltung des Landeswaldgesetzes und der Naturschutzgesetze, die den Wald besonders unter Schutz nehmen. Es darf nicht sein, dass angesichts der zu erwarteten Einnahmen aus den Windkraftanlagen die Errungenschaften im Natur- und Artenschutz im Wald zunichte gemacht werden und so die Zielkonflikte zwischen Klimaschutz und Artenschutz verschärft werden. In fünf Jahren wollen wir bilanzieren und dann nicht feststellen, dass von den guten Ansätzen im Waldteil des Vertrags außer Prozessschutz und Windkraft im Staatswald nur noch das Titelbild übrig bleiben. Der Wald ist mehr als Wildnis mit Windkraftanlagen und mehr wert als ein schönes Titelbild für einen Koalitionsvertrag!“, so Hellmann.

Landeswaldverband Baden-Württemberg e.V.