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Waldumbau in fünf Schritten

Björn Neugebauer betreut seit 2016 als Revierleiter bei HessenForst ein Gebiet von 2.000 ha. Dieses besteht hauptsächlich aus Gemeinde- und Stiftungswald. Er nimmt Waldbesucher an die Hand und zeigt ihnen, wie er sein Revier in Wehrheim bewirtschaftet. Dem 29-jährigen ist Öffentlichkeitsarbeit ein besonderes Anliegen. Anhand von fünf Beispielflächen erklärt er, wie er sich den Waldumbau vorstellt und welche Baumarten in Zukunft in seinem Revier gepflanzt werden.

Das Büro von Björn Neugebauer befindet sich in einer Wohnung, die der junge Mann mit seiner Frau Sina und zwei Hunden in Wehrheim bewohnt. Neugebauer fühlt sich in seinem Büro wohl. Eine Karte, auf der sein Revier abgebildet ist, hängt an der Wand, ein Fenster über dem Schreibtisch gewährt den Blick in den Garten. Die vier Monate alte, bayerische Gebirgsschweißhündin Winnie rennt ins Büro und springt auf Neugebauers Schoß. Seine Freizeit verbringt der 29-Jährige als Jäger und Hundeführer. Gemeinsam mit Sina bildet er Winnie zur Nachsuche aus. Das Paar ist seit einem Jahr verheiratet.

Neugebauer zeigt auf die Karte an der Wand. Das 2.000 ha große Revier, das er betreut, gliedert sich in 1.250 ha Gemeindewald und 130 ha Landeswald. Weitere 620 ha gehören dem Stiftungsforst Nassauischen Zentralstudienfonds (NZF). Die Baumartenverteilung setzt sich zu je 30 % aus Buche, Traubeneiche und Fichte zusammen. Die restlichen 10 % bestehen aus Kiefer, Lärche, Douglasie und Bergahorn. Der junge Förster ist gut vorbereitet: Am Beispiel von fünf Flächen möchte er zum einen den Waldumbau in seinem Revier, zum anderen die Zusammenarbeit mit ortsansässigen Unternehmen und Verbänden veranschaulichen. Seine Vorgehensweise beschreibt er folgendermaßen: „Wer streut, rutscht nicht.“ Das bedeutet, dass standortangepasste Mischbestände das wichtigste Ziel des Försters sind.

Zusammenarbeit mit Naturschutzverbänden

Anhand der ersten Fläche präsentiert Neugebauer die Zusammenarbeit mit den Naturschutzverbänden BUND und NABU. Auf einer 0,3 ha großen Fläche wächst Magerrasen. Das Biotop ist eine Nische für Arten wie z. B. die Heidenelke, Eidechsen und Wildbienen. Auf Initiative vom BUND wurde eine Steinmauer aus 6 t Basalt für Eidechsen aufgeschüttet. Auch der NABU unterstützt die Entwicklung der Fläche: Mitglieder entnehmen regelmäßig den wuchernden Ginster.

Die Fichte im Revier Wehrheim

Neugebauer ist Besitzer eines Toyota Hilux, Baujahr 2007. Jetzt geht es auf die zweiten Fläche. Hier deutet er auf einen 60-jährigen Fichtenbestand. Ein Großteil der Bäume ist rot markiert. Die Fläche soll wegen Sturmschäden und Käferkalamitäten zwangsumgewandelt werden. Neugebauer ist gespannt, welche Baumarten sich in der Naturverjüngung durchsetzen werden. Die Fichtenfläche liegt neben einer Pflanzung mit Esskastanien, einem Douglasien- sowie einem Buchenbestand.

Alternative Baumart: die Esskastanie

Auf der angrenzenden Fläche erfolgte die Pflanzung mit 1.200 Esskastanien und 800 Hainbuchen. „Das haben wir zusammen mit dem Verein Trinkwasserwald e. V. umgesetzt“, erklärt Neugebauer. Es wird deutlich, wie er sein Netzwerk aufbaut. Den Verein Trinkwasserwald e. V. lernte der damalige Praktikant 2011 kennen. Neugebauer war damals als Pflanzer bei einer Aktion tätig. Als er das Revier übernahm, kam ihm die Idee, den Verein in den Waldumbau in Wehrheim miteinzubeziehen. Seitdem besuchen ihn Helfer und Mitglieder des Vereins zwei- bis fünfmal im Jahr und pflanzen Bäume.

In Wehrheim arbeitet Neugebauer eng mit ortsansässigen Unternehmen zusammen. Er kennt Forstunternehmer, denen die Gegend seit langem vertraut ist. Das erweist sich als großer Vorteil. Insbesondere, weil im Revier einerseits Eichenmischwälder in nur 300 m Höhe liegen, andererseits die Fichte in 600 m Höhe vorkommt. „Wir setzen Harvester mit oder ohne Traktionswinde, Moorbänder und eine Kombination aus Harvester und Rückepferd ein“, so Neugebauer.

Wildschutz

Staunasse Standorte werden von Fichtenbeständen zu naturnahen Waldbeständen umgewandelt. Seit einigen Jahren wird die Flatterulme als alternative Baumart der Zukunft gepflanzt. Am Beispiel einer Flatterulmenpflanzung zeigt der Förster, wie er in seinem Revier Wildschutz betreibt. In Zusammenarbeit mit Menschen mit Behinderungen werden Manschetten aus Holz hergestellt und um die jungen Flatterulmen gestellt. Hier wird Neugebauers Talent, forstfremde Menschen in seine Arbeit mit einzubeziehen, deutlich. Die Einzelschützer stammen von der Firma WaldWUNDER. Neugebauers Revier ist auch ein Probebetrieb für eine Rotwildvariante des Wildschutzes aus Holz.

Die letzte Fläche besteht aus einem Buchenbestand mit 95 % Naturverjüngung. In die Lücken sollen noch Lärchen und Douglasien gepflanzt werden. „So“, erklärt Neugebauer, „sieht der Wald der Zukunft aus.“

Öffentlichkeitsarbeit

Björn Neugebauer organisiert in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Wehrheim Bürgerpflanzaktionen. Sie finden einmal im Jahr statt; gepflanzt werden 1.500 Buchen unter Fichte.

Der Revierförster arbeitet eng mit der Politik zusammen. Durch seine Initiative im November 2015 wurde die „Information vom Förster“ ein Punkt auf der Tagesordnung des Umweltausschusses. Seitdem berichtet er in Gemeinderatssitzungen über die Entwicklung im Forst.

Seit Beginn seiner Amtszeit bietet der junge Mann vier Waldführungen pro Jahr an. Es ist ihm besonders wichtig, Teilnehmer an die Hand zu nehmen und ihr Vertrauen zu gewinnen. „Bevor sich Waldbesucher beschweren: ‚Warum habt ihr wieder so viele Bäume gefällt‘, erkläre ich ihnen lieber vorher, dass wir das zum Beispiel wegen Borkenkäferbefalls tun müssen“, erklärt Neugebauer seine Motivation und Ambition.

Zuletzt spielt sein facebook-Auftritt eine große Rolle, um Interessierte über seine Arbeit aufzuklären. Inzwischen liegt die Zahl der Follower bei 600. Neugebauer freut sich über die steigende Zahl, weil sie verdeutlicht, dass der Wald den Lesern am Herzen liegt.

Wer will, dass Björn Neugebauer Förster des Jahres wird, kann online abstimmen.

A. Hintz

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