Waldbau

Waldstrategien 2030 beinhalten Bodenschutzkalkung

Bearbeitet von Rainer Soppa

Sowohl die Kommission der Europäischen Union als auch die Bundesregierung in Deutschland haben in jüngster Zeit neue Waldstrategien für den Schutz, die Nutzung und die Förderung der Wälder veröffentlicht. Damit werden die Ziele und Handlungspfade für eine nachhaltige Entwicklung der Wälder für die nächsten zehn Jahre aufgezeigt. Auch die Bodenschutzkalkung wird als eine hilfreiche Maßnahme angesehen, um gesunde Bodeneigenschaften für eine nachhaltige Waldnutzung zu gewährleisten.

Die kürzlich veröffentlichten neuen Waldstrategien der Europäischen Union (EU) und Deutschlands (BMEL) wollen einen Beitrag zum Erreichen der Ziele der Vereinten Nationen für eine nachhaltige Entwicklung leisten. 2015 hat die Weltgemeinschaft die Agenda 2030 verabschiedet. Die Agenda ist ein Fahrplan für die Zukunft. Ihr Leitziel ist es, weltweit menschenwürdiges Leben zu schaffen. Dies umfasst ökonomische, ökologische und soziale Entwicklungsaspekte. Das Ziel 15 besagt: Landökosysteme schützen, wiederherstellen und ihre nachhaltige Nutzung fördern, Wälder nachhaltig bewirtschaften, Wüstenbildung bekämpfen, Bodendegradation beenden und umkehren und dem Verlust der Biodiversität ein Ende setzen.

Zum Erreichen dieser Ziele sei der Bodenschutz und auch speziell die Bodenschutzkalkung versauerungsgefährdeter Waldböden weiterhin ein sehr wichtiger Baustein der nachhaltigen Waldbewirtschaftung. „Daher soll in Deutschland und Europa eine kontinuierliche und angemessene Realisierung der Bodenschutzkalkung in allen Bundesländern gewährleistet werden“, betont Bodenexperte Dr. Reinhard Müller für die Initiative „naturkalk“ anlässlich einer Podiumsdiskussion. Dafür bedürfe es einerseits einer hinreichenden und möglichst unbürokratischen Förderung seitens der EU, des Bundes und der Bundesländer. Andererseits seien für die praktische Realisierung (Antragbearbeitung, Beratung, Management) auch genügend Personalkapazitäten in den Forstämtern und Verwaltungen bereitzustellen.

Kein gesunder Wald ohne gesunde Waldböden

In der EU-Waldstrategie wird die besondere Bedeutung der Pflege von Waldböden betont, da eine starke Abhängigkeit zwischen den Bäumen und den Böden besteht. Für das Gedeihen von Bäumen müssen die Baumwurzeln alle essenziellen Elemente und Nährstoffe aus dem Boden erhalten. Die Bodeneigenschaften und Ökosystemdienstleistungen des Bodens müssen daher als Grundlage gesunder und produktiver Wälder geschützt werden.

In der deutschen Waldstrategie 2030 wird festgestellt, dass durch Schwefel- und Stickstoffeinträge verursachte Prozesse (wie z. B. Versauerung und Eutrophierung bei gleichzeitiger Austragung basischer Nährstoffe) viele Waldböden bereits tiefgreifend verändert sind. Dies habe Folgen für die forstliche Produktion, die Stabilität der Wälder und die Ökosystemleistungen des Waldes sowie auch für die Biodiversität und den Bodenwasserkörper. Die Waldstrategie sieht viele Waldökosysteme an der Grenze ihrer Belastbarkeit.

Dr. Müller fordert daher: „Die Bodenschutzkalkung ist auf stark versauerten Waldböden unverzichtbar und darf nicht vernachlässigt werden. Sie muss als Teil einer nachhaltigen und vorsorgenden Waldbewirtschaftung auf bedürftigen Standorten sogar verstärkt werden. Nur auf gesunden Böden kann die langfristige Anpassungsfähigkeit der Wälder an den Klimawandel gewährleistet werden.“

Quelle: DGH/red