Waldbau

Waldschäden: Reicht das Saatgut für die Wiederbewaldung?

Bearbeitet von Carolin Föste

In NRW werden ab 2023 Probleme bei der Wiederbewaldung spürbar. Das prognostiziert Wald und Holz NRW in einer aktuellen Pressemeldung. Denn insgesamt fielen 2021 die Saatgutmengen in den Wäldern Nordrhein-Westfalens sehr gering aus.

Es sei bekannt, dass so etwas in unterschiedlich langen mehrjährigen Zyklen vorkommt. Aktuell bereitet es den Försterinnen und Förstern allerdings große Sorgen für die anstehende großflächige Wiederbewaldung der stark geschädigten Wälder. Baumsaatgut ist, je nach Art, nur über recht kurze Zeiträume und mit viel Aufwand konservierbar. Und ohne Saatgut können die Baumschulen keine neuen Pflanzen anziehen. Das könne ab 2023 zu Problemen führen.

Erfolgreiche Baumblüte, erfolgreiche Ernte

Dennoch sei nicht alle Hoffnung verloren. „Viele Bäume haben nach drei heißen und zehrenden Jahren nun auf Erholung geschaltet und Energie gespart. Wir hoffen auf eine reiche Blüte und Saatguternte im Jahr 2022“, sagt Johannes Jesch vom Team Forstgenetik und -vermehrungsgut im Zentrum für Wald und Holzwirtschaft.

Baumschulen und Forstleute warten daher gespannt auf die kommende Baumblüte. Viele Blüten bedeuten gute Chancen für eine reiche Samenernte im Herbst.

Warum ist forstliches Saatgut aktuell so wichtig?

Aktuell sind in Nordrhein-Westfalen 113.000 ha Waldfläche durch Sturm, Dürre und Borkenkäfermassenvermehrungen zerstört oder stark geschädigt. In großen Teilen dieser Wälder setzen die Försterinnen und Förster auf Naturverjüngung. Das bedeutet, dass Bäume ganz natürlich aus im Boden liegenden oder durch Wind und Wildtiere aus der Umgebung hereingetragene Samen neu wachsen. So eine Verjüngung von klimastabilen Baumarten funktioniere aber nicht überall von selbst. Auf einigen Flächen werde die dort nicht mehr zukunftsfähige Fichte aufwachsen.

In den betroffenen Wäldern müsse die Wiederbewaldung, neben dem Nutzen der Naturverjüngung, mit dem gezielten Pflanzen junger Bäume vorangebracht werden. Üblicherweise ziehen Baumschulen die Samen in Beeten an, bevor Forstleute sie als zwei- bis vierjährige Bäumchen in den Wald pflanzen. Die geringe Ernte 2021 werde sich also ohne Ausgleich in den nächsten Jahren ab 2023 im Wald auswirken.

„Bei der Wiederbewaldung empfiehlt Wald und Holz NRW die natürliche Verjüngung im Wald zu erhalten, zu fördern und bei Bedarf durch inselartige Pflanzungen zu ergänzen. Dafür brauchen wir geeignetes Saatgut. Ziel ist es, standortangepasste und klimastabile Mischwälder von mindestens vier Baumarten zu entwickeln“, sagt Dr. Bertram Leder, Leiter Zentrum für Wald und Holzwirtschaft.

Verschiedenes Saatgut nutzen

Die Mischungen von vorrangig heimischen Baumarten wie Rotbuche, Stiel- und Traubeneiche, Lärchen und Kiefern seien die Hoffnungsträger beim Umbau von NRWs Wäldern. Ergänzt werde der Zukunftswald durch seltenere heimische Baumarten und bewährte eingeführte Baumarten. „Die Beimischung dieser Baumarten kann zum Erhalt vitaler und ökologisch stabiler Wälder beitragen. Dabei müssen mögliche Risiken, die von eingeführten Baumarten ausgehen, genau geprüft und ausgeschlossen werden“, sagt Leder.

Nun droht der Nachschub des Saatgutes ins Stocken zu geraten. Auch andere Bundesländer seien von Ernteausfällen betroffen, was die Zukäufe erschwert.

Zu wenig Saatgut von allen Baumarten

Nur 10.000 kg Saatgut der Baumarten, die dem Forstvermehrungsgutgesetz unterliegen, konnten in NRW geerntet werden. Das sei die geringste Menge seit 10 Jahren. Davon nehme die Erntemenge der Roteiche rund 4.400 kg ein, gefolgt von der Vogelkirsche mit einer Erntemenge von 1.200 kg, der Roterle mit 862 kg und der Hainbuche mit 800 kg.

Die Ernte der Weißtanne – dem Nadelbaum, der künftig die Fichte ersetzen solle – sei mit 346 kg ebenfalls gering ausgefallen. Die restlichen Saatguterntemengen entfallen auf Esskastanie, Bergahorn, Sommerlinde, Winterlinde, Küstentanne und Gehölze wie Elsbeere, Eberesche, Schlehe, Pfaffenhütchen, Hartriegel und Weißdorn, die für die Gestaltung von Waldrändern wichtig seien.

Bei der Kiefer seien die Zapfenpflücker in NRW ebenfalls nur mäßig erfolgreich, hier wurden bisher rund 480 kg geerntet. Weitere Ernten der Kiefer können jedoch hinzukommen. Die verfügbaren Arten und Mengen reichen der Prognose nach bei weitem nicht, den Saatgutbedarf der Baumschulen und Waldbesitzer zu bedienen. NRW hofft auf eine bessere Ernte in diesem Jahr.

Quelle: Wald und Holz NRW