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Waldnachwuchs braucht waldfreundliche Jagd

Die jagdlichen Anstrengungen vieler Jäger und Förster in den letzten Jahren beginnen zwar Früchte zu tragen, wie das aktuelle Forstliche Vegetationsgutachten zeigt. Trotzdem ist der Wildverbiss in knapp der Hälfte der 764 bayerischen Hegegemeinschaften zu hoch. Vor allem in diesen Hegegemeinschaften und im verbissbelasteten Bergwald gilt es die jagdlichen Anstrengungen noch deutlich zu steigern. Im Rahmen einer Pressefahrt bei Allersberg im Landkreis Roth betonten der BUND Naturschutz in Bayern (BN) und der Ökologische Jagdverein Bayern (ÖJV) die große Verantwortung der Jäger für eine naturnahe Verjüngung der Wälder. „BN und ÖJV stehen hier an der Seite der Waldbesitzer und werben bei den Jägern dafür, den gesetzlich verankerten Grundsatz „Wald vor Wild“ in der Praxis konsequent umzusetzen“, so Wolfgang Kornder, Landesvorsitzender des ÖJV, und Ralf Straußberger, Wald- und Jagdreferent des BN in einer Pressemeldung vom 15. November.
„Die Waldbesitzer und Jäger im ÖJV haben den Anspruch den Grundsatz „Wald vor Wild“ so umzusetzen, dass die Naturverjüngung in den Wäldern in der Regel ohne teure Schutzmaßnahmen wie Zäunungen hochwachsen kann“, so Wolfgang Kornder beim Rundgang durch ein Revier bei Brunnau/Allersberg. Das Jagdrevier wird von ÖJV-Jägern bejagt. Hier funktioniert das Aufwachsen von Eichen und Buchen problemlos. Für Jagdgenossenschaften und Waldbesitzer bietet der ÖJV Jägerkurse an.
 
Es dürfe aber auch in den Bereichen mit aktuell tragbarem Verbiss in den jagdlichen Anstrengungen nicht nachgelassen werden, weil die jungen Waldbäume oft viele Jahre brauchen, bis sie aus der kritischen Verbisshöhe raus gewachsen sind. Zudem kann eine vermeintlich geringe Verbissbelastung auch daher rühren, dass vor der Erstellung des Vegetationsgutachtens die verbissempfindlichen Baumarten weggefressen wurden und die weniger verbissenen Fichten und Kiefern übrig geblieben sind. „Hier liefert das Hegegemeinschaftsweise Gutachten zu grobe Ergebnisse und es muss mit den jagdrevierweisen Aussagen nachgesteuert werden“, fordert Straußberger. Die jagdrevierweisen Aussagen wurden nach langjährigen Forderungen des BN und ÖJV 2012 endlich eingeführt.
 
Ebenso zeigt ein Blick in die Vergangenheit, dass sich die Verbissverhältnisse wieder sehr schnell ändern können und dass man sich nicht auf vermeintlichen Erfolgen ausruhen darf. So gab es bereits von 1997 bis 2003 einen ähnlichen fallenden Trend bei der Verbissbelastung wie jetzt von 2006 bis 2012. Demzufolge wurden Anfang 2000 die Abschussempfehlungen zu niedrig angesetzt oder Abschüsse wurden nicht im erforderlichen Umfang oder gar nur auf dem Papier getätigt („Postkartenabschüsse“). In jedem Fall war die Folge, dass beim Vegetationsgutachten 2006 ein starker Anstieg der Verbissbelastung festgestellt werden musste. Wurde 2003 noch in 50 % der Hegegemeinschaften die Verbissbelastung als kritisch eingestuft, so waren es 2006 bei der nächsten Aufnahme bereits 70 %. Der BN fordert deshalb, den eingeschlagenen Weg konsequent fortzusetzen.
 
Der BN und der ÖJV werben dabei um Unterstützung der Jäger, damit der Grundsatz „Wald vor Wild“ in ganz Bayern Realität werden kann. „Waldfreundliche Jagd ist Daueraufgabe!“ bringt es Kornder für den ÖJV auf den Punkt. Jedes weitere Jahr, in dem zu hohe Rehwildbestände einen Waldumbau erschweren oder gar verhindern, bedeutet für den Waldbesitzer zusätzliche Kosten und mehr Arbeitsaufwand. Der BN hält deshalb ein wesentlich schnelleres Fortschreiten des Waldumbaus für vordringlich und fordert deshalb eine Informations- und Aufklärungsoffensive durch die Forstverwaltung, die auch mit entsprechenden Finanzmitteln und Personal ausgestattet sein muss.
Weitere Infos: www.oejv.de
 
Infos auch unter www.bund-naturschutz.de
BN, ÖJV

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