WaldÖkologie

Waldlabor: Lässt sich die Waldentwicklung im Klimawandel vorhersagen?

Bearbeitet von Carolin Föste

Das sogenannte KLIMNEM-Projekt untersucht die nachhaltige Bewirtschaftung von Laub- und Mischwäldern in gemäßigten Zonen der Nord- und Südhalbkugel. Über langfristige Untersuchungen werden Veränderungen in der Vegetation erfasst und miteinander verglichen. Welche Erkenntnisse aus dem Projekt lassen sich auf deutsche Wälder übertragen?

Gefördert wird das interdisziplinäre Projekt vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, betreut wird es durch die Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK), die Universität Göttingen und die Universität Bolzano-Bozen. Das Vorhaben fördere die Netzwerkbildung und diene Dank ähnlicher Forschungsstandards der Vergleichbarkeit von Wäldern im Klimawandel. Dabei wird die Vegetation und ihre Veränderungen untersucht, denn auch Bäume zeigen den Klimawandel an.

Die HAWK beschreibt das Vorhaben genauer, an dem derzeit drei Doktorandinnen und Doktoranden aus Argentinien und ein Doktorand aus Deutschland forschen.

Großes Freilandlabor Laubwald

Für das Forschungsprojekt KLIMNEM verbrachte Prof. Dr. Helge Walentowski, Dekan der Fakultät für Ressourcenmanagement in Göttingen, den gesamten Februar in die Provinz Chubut in Südargentinien. Dort untersuchte er die als „Südbuchen“ bezeichnete Gattung Nothofagus. Sie ersetzt dort die auf der Nordhalbhugel beheimateten „Buchen“ (Gattung Fagus). Die Laubwälder seien für ihn „wie ein großes Freilandlabor.“

„Die Besonderheit in diesen andinisch-patagonischen Laubwäldern ist, dass diese sehr großflächig zusammenhängend erhalten geblieben und auch großflächig ungenutzt, also kaum erschlossen sind“, sagt Walentowski. Das zeigte bereits das Vorgänger-Projekt „NEMKLIM“.

Vorhersagen der Waldentwicklung im Klimawandel

Die Waldwirtschaft finde nur in leicht zugänglicheren Lagen statt. Ansonsten seien die Wälder, abgesehen von Waldbränden, unberührt und unzugänglich. Für das Projekt werden in den Waldgebieten Bereiche ausgewählt, sogenannte Transekte, die sich von nahe der chilenischen Grenze 70 km in Richtung der patagonischen Steppenregion ins Landesinnere erstrecken. So können verringerte Niederschlagsmengen von West nach Ost, zunehmende Temperaturen von den höheren hin zu den tieferen Lagen erfasst werden. Auch die Auswirkung von Wassermangel und Trockenstress auf die Vegetation werde untersucht.

„Durch diese Vorauswahl hat man eine gute Möglichkeit, sehr viel Klimavariabilität abzubilden und Untersuchungsflächen anzulegen“, erläutert Walentowski. Denn die Untersuchung finden räumlich, aber auch zeitlich statt. „Wir können somit Projektionen in die Zukunft machen, in welche Richtung sich das Ganze dann wohl verändern wird, welche Arten eher profitieren und welche Arten darunter leiden werden, wenn das Klima wärmer und trockener wird.“

Langfristige Forschung im Wald

So soll ein adaptierbares, integratives Rauminformationsystem entwickelt werden, das Forschenden weitere Langzeituntersuchungen ermöglicht.

Mit der argentinischen Forschungseinrichtung, dem CIEFAP (Centro de Investigación y Extensión Forestal Andino Patagónico) gebe es schon eine langjährige Kooperation, so Walentowski. Man wolle über den Projektzeitraum hinaus weiterforschen. Dazu gehöre auch ein Austausch von Forschenden und Studierenden, die im jeweils anderen Land ihre Abschlussarbeiten schreiben können.

Quelle: HAWK