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Projektziel: Waldkarte der nördlichen Halbkugel

Projektziel: Waldkarte der nördlichen Halbkugel

Ein grüner Gürtel umspannt die Nordhalbkugel der Erde: Von den USA und Kanada über Skandinavien bis nach Russland erstrecken sich fast 16 Mio. Quadratkilometer Nadelwald. Diese Wälder bilden etwa ein Drittel des weltweiten Waldvorkommens. Allerdings basieren diese Angaben bislang vor allem auf Schätzungen. Das wollen die Geographen um Prof. Dr. Christiane Schmullius von der Friedrich-Schiller-Universität Jena jetzt ändern und die erste vollständige Waldkarte der nördlichen Halbkugel erstellen.

In dem kürzlich angelaufenen Forschungsprojekt „BIOMASAR-II“ werten Forscher der Universität Jena gemeinsam mit Schweizer Radar-Experten der Firma Gamma Remote Sensing und Kohlenstoff-Modellierern des Jenaer Max-Planck-Instituts für Biogeochemie Bilddaten des Satelliten Envisat aus. Die Europäische Raumfahrtagentur ESA finanziert das gemeinsame Forschungsvorhaben in den kommenden 18 Monaten mit 150.000 €.

Für die Vermessung der Wälder nutzt das Projektteam einen Algorithmus, der in dem vorangegangenen Projekt „BIOMASAR I“ entwickelt und an ausgewählten Waldregionen – in Schweden, Kanada und Sibirien – bereits getestet wurde. Diese Methode erlaubt anhand von Radaraufnahmen die Kartierung der Wald-Biomasse weit über das bisher bekannte Maß hinaus, so Prof. Schmullius. Nicht nur die flächenhafte Ausdehnung sondern auch die Struktur des Waldes als Kohlenstoffspeicher wird erfasst.

Die Messung von Radardaten ist für das aktuelle Vorhaben besonders geeignet: Da der Satellit selbst Radarwellen zur Erde schickt und die reflektierte Strahlung misst, liefert diese Methode auch bei Dunkelheit und sogar dichter Bewölkung exakte Bilder von der Erdoberfläche. Envisat umkreist bereits seit 2002 die Erde. Im kommenden Jahr soll sein Nachfolger, der ESA-Satellit Sentinel-1, ins All starten und für mindestens fünf weitere Jahre Radardaten zur Erde funken.

Damit, so das Ziel der Jenaer Geowissenschaftler, sind dann nicht nur eine aktuelle Inventur der Wälder möglich, sondern auch langfristige Beobachtungen klima- oder nutzungsbedingter Änderungen des Kohlenstoffspeichers in Form von Waldbiomasse der gesamten Nordhalbkugel der Erde.
idw-online.de

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