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Waldkalkung macht Wälder fit

„Hauptursache für die Schädigung von Wäldern war und ist das Eindringen von Säuren und Stickstoff mit dem Regen in den Boden. Zur effizienten und dauerhaften Regeneration der Bodenfunktionen starten wir deshalb ein langfristiges Kalkungskonzept, das nicht nur die aktuellen Säureeinträge neutralisiert, sondern auch die im Boden gespeicherten und schädlichen Säuremengen abbaut“, sagte der baden-württembergische Minister für Ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz, Rudolf Köberle MdL, am 15. September in Stuttgart.
Der Ministerrat hatte in seiner Sitzung am 13. September einem Konzeptvorschlag des Landesbetriebs ForstBW zur Waldkalkung zugestimmt. In den vergangenen Jahren seien bereits viele Maßnahmen ergriffen worden, um den Säureeintrag in den Wäldern Baden-Württembergs zurückzuführen. Die konsequente Luftreinehaltepolitik etwa habe dazu geführt, dass eine weitere Bodenversauerung nur noch sehr langsam verläuft oder ganz gestoppt wurde.
„Allerdings sind die im Boden gespeicherten Belastungen aus der Vergangenheit immer noch enorm. Durch die Bodenversauerung in den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Säurestärke im Boden im Durchschnitt um den Faktor 100 erhöht. Das beeinträchtigt die natürlichen Bodenfunktionen massiv  und gefährdet die Versorgung der Bäume mit Wasser und Nährsoffen „, ergänzte Forstminister Köberle.
Für unsere tägliche Trinkwasserversorgung leisten die Waldgebiete einen bedeutenden Beitrag, da dort die qualitativ wertvollsten Wasservorräte liegen. Aufgrund der Versauerung werde jedoch die Filterleistung der Böden für wassergefährdende Stoffe wie Nitrat, organische Säuren oder toxische Metalle eingeschränkt.
 
Bereits seit 1984 werde Kalk im Wald ausgebracht. Dabei wurden bisher über alle Waldbesitzarten durchschnittlich 15.000 ha pro Jahr gekalkt. Mit dem neuen Konzept zur Waldkalkung werde der weitere Einsatz bedarfsgerecht und zielgerichtet weiterentwickelt.
„Wir wollen mit diesem Programm die natürlichen Funktionen der Waldböden wiederherstellen, um die Wälder für die wachsenden Anforderungen der Zukunft fit zu machen“, betonte Köberle. Das neue Waldkalkungskonzept ist Bestandteil der umfassenden Strategie des MLR zum Nachhaltigkeitsmanagement.
Zusatzinformationen:
Die Bodenzustandserfassungen von 1992 und 2008 lieferten die Datengrundlage, um die „Entfernung“ des Bodens vom natürlichen Versauerungszustand zu bestimmen. Daraus wurde der für die Regeneration der natürlichen stofflichen Ausstattung der Böden notwendige Kalkungsbedarf abgeleitet. Der im Unterboden vorkommende Aluminiumvorrat dient als Indikatorgröße für eine Abschätzung der Kalkmenge, die für die Regeneration der Böden notwendig ist. Räumliche Schwerpunkte des Kalkungsbedarfs sind in den Regionen mit Lehmböden in den Vorbergzonen von Schwarzwald, Odenwald und Schwäbischer Alb, sowie in Hohenlohe, im Schwäbisch-Fränkischen Wald und dem nördlichen Alpenvorland. In den traditionellen Problem- und Kalkungsregionen in den Hochlagen des Schwarzwalds besteht nur noch ein moderater Kalkungsbedarf.
Mit der Durchführung dieses langfristigen Kalkungsprogramms kann das Risikopotenzial gegenüber neuen Stressbelastungen wie den Auswirkungen des Klimawandels abgemildert werden. Bei einem regenerierten, naturnahen bodenchemischen Zustand reicht der Hauptwurzelraum in signifikant tiefere Bodenschichten, was den Bäumen deutlich mehr Stabilität verleiht. So wird das Risiko für Trockenstress und seine Folgewirkungen vermindert.
Das vorgeschlagene Programm ist zunächst für die Laufzeit von zehn Jahren / angelegt.
Im Rahmen der nächsten Bodenzustandserfassung 2021 sollen die weiteren Fortschritte bei der Bodenregeneration evaluiert werden. Die kalkulierten Durchschnittskosten betragen rund 220 Euro pro Hektar. Im Staatswald sollen auf der Basis des Konzeptes jährlich knapp 5.000 Hektar entsprechend behandelt werden.
MLR

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