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Buchen-Verjüngung unter Nadelwald.

Waldinventur im Revier Krähe der Landesforsten Niedersachsen

In der Revieförsterei Krähe der Niedersächischen Landesforsten fand eine Waldinventur statt. Ein Inventurspezialist war vor Ort und lobte die Wälder, die in gutem Pflegezustand sind.

Die Ergebnisse der durch einen Forstexperten des Forstplanungsamtes der Niedersächsischen Landesforsten durchgeführten Bestandsaufnahme in allen Wälder der Revierförsterei Krähe liegen nun vor. „Die Wälder sind in einem guten Pflegezustand“, lobt Inventurspezialist Hendrik Plate die Arbeit des langjährigen Revierleiters Heinz Lehmann. „Dazu sind viele Gebiete sehr ‚strukturreich‘ wie wir sagen, sie sind also erfreulich abwechslungsreich zusammengesetzt.“ So zählte er allein dreißig verschieden Baumarten. Das rund 1650 ha (1,65 km²) Wald umfassende Revier ist zu zwei Dritteln normal bewirtschafteter Landeswald. Hier kommen auf den Revierförster Heinz Lehmann in den nächsten Jahren umfangreiche Aufgaben zu. Da viele der Waldbäume jetzt nutzungsreif werden, erhöht sich der Holzeinschlag um fast 20 % auf jährlich gut 9.000 m3. „Damit ist gleichzeitig verbunden, verstärkt für Nachwuchs durch Pflanzung oder natürliche Ansamung zu sorgen“, ergänzt Heinz Lehmann.

Gewinner sind Buchen und Douglasien

„330 ha sollen in zehn Jahren zusätzlich mit Jungbäumen bewachsen sein. Das sind vor allem Buchen, etwas Eiche aber auch Douglasie, Kiefern sowie die bislang recht seltene Weißtanne.“ Bis auf die lichtbedürftige Eiche sollen alle anderen Baumarten unter dem Schirm der nach der Nutzung verbleibenden Altbäume wachsen, um für noch mehr Mischung und Struktur zu sorgen. Im Jahr 2030 wird dann der fast 50-%ige Anteil von Kiefern in der Waldfläche um ein Fünftel zurückgegangen sein. Gewinner sind die Buchen und Douglasien. „Die Douglasie wird um 50 ha und die Buche um 90 ha zunehmen, aber nicht in Reinkultur, sondern in verschiedenen Mischungsformen“, betont Lehmann das Ziel, die Wälder zu stabilem Mischwald umzubauen. Um die ambitionierte Planung nicht durch Wildverbiss zu gefährden, hat Forstplaner Hendrik Plate die intensive Bejagung des Schalenwildes angemahnt.

Moor-Renaturierung soll vorangetrieben werden

Das übrige Drittel der Försterei umfasst das Projektgebiet Krähenmoor mit den Naturschutzgebieten Krähenmoor I, Krähenmoor II und Bunkenmoor. Gemeinsam mit dem Landkreis Nienburg soll die Renaturierung des Moores weiter vorangetrieben werden. Die Wälder um das Moor herum werden von Nadel- zu naturnahen Laubwäldern entwickelt. Durch die Laubbäume gelangt mehr Wasser auf den Boden. Dadurch können auch die umliegenden Wälder einen Beitrag zur Wiedervernässung des Moores leisten. „Hier dominieren künftig die Aufgaben Naturschutz und Klimaschutz durch Moorentwicklung“, so Revierleiter Lehmann.

Ein besonderes Anliegen der Forstplaner sind die landschaftlich wertvollen, oft urig geformten alten Eichen an Wald- und Wegerändern sowie an exponierten Stellen wie dem Giebichenstein oder im Oyler Wald. Sie sollen erhalten bleiben.

Zum Erhalt der genetischen Vielfalt für die Zukunft weisen die Niedersächsischen Landesforsten Waldbereiche aus, die quasi als lebende Samenbank fungieren. So stehen im Revier Krähe neben Kiefern, Roteichen und Buchen auch seltene Arten, wie Flatterulme, Hickory, Eibe, Walnuss, Stechpalme (Ilex) und Wacholder auf der Schutzliste.

Hintergrund Revierförsterei Krähe

Das Revier Krähe umfasst 1.650 ha Landesforsten, die sich von Steimbke bis nach Liebenau erstrecken. Das Waldgebiet Krähe ist das Kernrevier mit 800 ha. Dazu kommen der „Lüssenhop“ (Stöckse), das Stöckser Holz, die Forstorte „An der Bahn“ (Nienburg) und „Amtshof“ (Wölpe), die „Hohe Horst“ (Wölpe) und der Heemser „Sündern“, das Binner und das Oyler Holz sowie der Forstort „Am Wasserwerk“ (Liebenau). Es wird seit 1999 von Revierförster Heinz Lehmann betreut.

Baumartenverteilung

Die Baumartenzusammensetzung ist besonders in der Krähe mit ihren teilweise armen Sandböden durch die Kiefer dominiert. So nimmt die Kiefer derzeit mit 47 % den höchsten Flächenanteil im Revier ein, während Laubbäume, vor allem Buchen und Eichen, 35 % der Waldfläche einnehmen. Mit der neuen Planung soll in 2030 der Kiefernanteil auf unter 40 % sinken. Dagegen wird der Buchenanteil in den Wäldern von aktuell 15 auf 20 % deutlich gesteigert. Die Steigerung des Laubbaum-Anteiles ist eines der Kernziele des Programms zur langfristigen ökologischen Waldentwicklung (LÖWE) der Niedersächsischen Landesforsten.

Schutzfunktion

14 %des Revieres sind Naturschutzgebiet (Krähenmoor I und II und Bunkenmoor). 7 % der Wälder liegen in Wasserschutzgebieten. Zu schützende Kleinbiotope sind auf über 4 % der Waldfläche vorhanden und bei der Waldbewirtschaftung zu berücksichtigen. Sogenannte Habitatbäume werden in fast 600 ha älterer Waldbestände gesichert. Ziel der Landesforsten ist es, durchschnittlich fünf Habitatbäume pro Hektar älterer Waldbestände für Naturschutzzwecke bis zum natürlichen Zerfall zu belassen.

Neben den Horst- und Höhlenbäumen, die bei der Waldbewirtschaftung erhalten werden, werden rund 36 ha Wald vollkommen der natürlichen Entwicklung überlassen. Die Bäume werden hier nicht genutzt, sondern verbleiben auch nach ihrem natürlichen Zerfall im Wald. Ebenfalls nicht genutzt werden gut 190 ha Moorfläche. 50 % des Revieres gelten als „Alter Waldstandort“, auf denen kontinuierlich Wald in den letzten zweihundert Jahren nachgewiesen wurde.

Kultur- und Naturdenkmal

Neben den Kulturdenkmälern Giebichenstein, Turmhügel Burg Wölpe und Erdwälle Brunsburg wurde eine urige, zur Zeit der Waldweide beschnittene alte Hainbuche im Heemser Sündern neu als Naturdenkmal ausgewiesen.

Generhaltung

Auf 45 ha sind Generhaltungsbestände zur Beerntung von Saatgut und zum Erhalt der genetischen Vielfalt ausgewiesen. Erhalten werden sollen Kiefern, Buchen, Roteichen, Flatterulmen, Hickory, Walnuss, Ilex, Ohr- und Grauweide, sowie Eibe und Wacholder.

 

Mehr Infos zu den Waldinventuren in den Niedersächsischen Landesforsten finden Sie hier. 

Quelle: NLF

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