Forstpolitik

Waldgutachten im Bundestag diskutiert

Bearbeitet von Jörg Fischer

Am 3. November 2021 wurde das Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats für Waldpolitik (WBW) zur Anpassung von Wäldern an den Klimawandel an die damalige Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner übergeben. Am 4. Juli 2022 war das Gutachten nun Thema im Agrarausschuss des Deutschen Bundestags.

Im Rahmen eines Fachgesprächs diskutierte der Agrarausschuss im Deutschen Bundestag am gestrigen Montag, dem 4. Juli, über das bereits im Herbst letzten Jahres vorgestellte Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats für Waldpolitik zur Anpassung von Wäldern an den Klimawandel. Dabei wurde seitens der Verbände noch einmal die Bedeutung des Waldgutachtens für das künftige (wald-)politische Handeln unterstrichen.

„Waldgutachten ist wichtige Leitlinie“

So forderte Max von Elverfeldt, Vorsitzende der Familienbetriebe Land und Forst (FabLF), als Forstsachverständiger im Rahmen des Fachgesprächs, dass das wissenschaftliche Gutachten als Grundlage für die Gestaltung der Waldpolitik der Zukunft verstanden und verwendet werden müsse und bemängelte: „Das WBW-Gutachten stellt eine wichtige und umfassende Leitlinie für Waldbesitzende und für die Akteure der Waldpolitik dar. In entscheidenden Politikfeldern finden die Empfehlungen des Wissenschaftlichen Beirats Waldpolitik jedoch bis dato keinerlei Berücksichtigung bzw. werden sogar konterkariert.“

Von Elverfeldt betonte: „Hört auf die Wissenschaftler. Wir müssen jetzt bei den entsprechenden politischen Vorhaben, wie dem EU Green Deal oder dem Klimaschutzgesetzt, dringend nachsteuern. Der WBW hat in seinem Gutachten deutlich gemacht, dass die dringend notwendige Anpassung der Wälder an den Klimawandel nur durch die Steuerung durch den Menschen erfolgreich umgesetzt werden kann. Der zukunftsgerichtete Waldbau darf nicht durch Nutzungsverbote und Flächenstilllegungen behindert werden, er muss vielmehr durch eine nachhaltige Forstwirtschaft unterstützt werden.“

„Waldgutachten muss künftiges Handeln bestimmen“

Auch der Deutsche Forstwirtschaftsrat (DFWR) fand durch seinen Präsidenten, Georg Schirmbeck, der ebenfalls als Forstsachverständiger am Fachgespräch teilnahm, deutliche Worte: „Das Gutachten empfiehlt aktives Kümmern durch die Forstbetriebe, die in Anbetracht der multiplen Waldkatastrophen eine bessere Ausstattung mit personellen, finanziellen und materiellen Ressourcen benötigen. Das WBW-Gutachten weist den Weg hin zu einer Klimaanpassung, die auf mehreren Ebenen stattfinden muss und zeigt vielfältige Ansätze etwa aus dem Waldschutz- und Risikomanagement, aus der Forschung sowie der Aus- und Weiterbildung auf, die wir zusammenführen müssen.“

Das Gutachten müsse das künftige Handeln der Bundesregierung für eine konsistente und stabile Waldpolitik maßgeblich bestimmen. Für die Novellierung des Bundeswaldgesetzes müssten die Erkenntnisse aus dem Gutachten genauso berücksichtigt werden wie für künftige Klimaschutzprogramme und Bestimmungen des Naturschutz- und Jagdrechts, betonte Schirmbeck. Die permanenten Rückschläge und zunehmenden Hemmnisse beim Waldumbau und bei der Wiederaufforstung infolge von Dürre, selektiver Entmischung klimastabiler, seltenerer heimischer Baumarten durch Wildverbiss sowie geringerer Verfügbarkeit geeigneten Pflanz- und Saatgutes verringerten die realen Möglichkeiten effektiven Handelns auf der Fläche in einem beunruhigenden Ausmaß, so der DFWR-Präsident weiter. In dem Gutachten würden auch die positiven Effekte von verwertetem Holz als langfristiger CO2-Speicher sowie als vorrangige Quelle erneuerbarer Biomasse beschrieben. In diesem Zusammenhang betonte Schirmbeck aber auch, dass der Wald allein das Klima nicht retten könne. „Dazu müssen jetzt dringend weitere Vorhaben umgesetzt werden, um Treibhausgasemissionen zu reduzieren“, unterstrich Schirmbeck. Dazu sei ein ganzheitlicher Ansatz notwendig.

Link zum WBW-Gutachten

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Link zum Fachgespräch im Bundestag am 4.7.2022

Mit Material von FabLF und DFWR