Forstpolitik

Waldförderung: Land hat die Förderung 2020 vervielfacht

Bearbeitet von Rainer Soppa

NRW-Umweltministerin Heinen-Esser: Schadensbewältigung und Wiederbewaldung sind ein gemeinsamer Kraftakt – Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer können weiter auf die Unterstützung des Landes zählen.

Die aktuelle Bewältigung der Waldschäden und der Aufbau klimafester Wälder hat für die Landesregierung höchste Priorität. Auch für das kommende Jahr stellt die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen umfangreiche Unterstützungen in Aussicht. Hierzu erklärt Umweltministerin Ursula Heinen-Esser: „In einem gemeinsamen Kraftakt muss es uns in den kommenden Jahren gelingen, die klimabedingten Waldschäden zügig zu bewältigen und bei der Wiederbewaldung die richtigen Weichen zu stellen. Ich bin zuversichtlich, dass wir auf der Zielgeraden des Jahres den Waldbesitzenden noch zusätzliche Fördermittel zur Verfügung stellen werden. Für 2021 sind in der Extremwetter-Förderung bereits 33 Mio. € avisiert.“

Durch Vereinfachungen im Förderverfahren zahlt die Landesregierung aktuell wöchentlich in der Extremwetter-Förderung rund vier Mio. € aus. „Unser Ziel ist es, dass keine verfügbaren Fördermittel übrig bleiben. Man muss sich stets vor Augen führen, wo wir herkommen. 2018 lag die Höhe der gesamten forstlichen Förderung noch bei 4,1 Mio. €. Im Vergleich dazu haben wir die Fördermittel in diesem Jahr auf über 57 Mio. € vervielfacht. Nach diesem intensiven Jahr danke ich allen Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern, dem Landeskabinett, aber auch den unermüdlich arbeitenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in meinem Haus und im Landesbetrieb für ihr Engagement für unsere Waldzukunft. Die Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer können auch weiterhin auf die Unterstützung des Landes zählen.“

Wie groß der Bedarf ist, zeigt sich auch daran, dass die 36 Mio. €, die in Nordrhein-Westfalen in diesem Jahr als Fördermittel im Rahmen der Extremwetter-Richtlinie zur Verfügung gestellt hat, bereits weitestgehend ausgeschöpft sind. Insgesamt richteten Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer vom 1. Januar bis zum 1. Dezember 2020 im Rahmen der Extremwetter-Richtlinie 3.441 Förderanträge im Volumen von rund 59 Mio. € an das Land. Davon beziehen sich 12,5 Mio. € auf Maßnahmen, die in 2021 beendet werden sollen. Bewilligt wurden bisher 2.663 Anträge mit einem Volumen von rund 40 Mio. €, ein Teil davon im Rahmen von Verpflichtungsermächtigungen für das Jahr 2021. Ausgezahlt wurden im oben genannten Zeitraum schon über 26 Mio. €, basierend auf 2.098 Anträgen.

Unterschiedliche Sichtweisen

Die großen Zahlen relativieren sich etwas, wenn mann sie mit den entstandenen Schäden vergleicht: Die aktuell geschätzten Schäden: 28,5 Mio Fm Käferholz; weiteres Holz 3,1 Mio. Fm; zusammen 31,6 Mio Fm Schadholz seit 2018. Wenn man beim Fichtenholz allein von einem Einnahmeverlust durch die niedrigen Holzpreise ausgeht errechnet sich alleine eine Mindereinnahme von mindestens 1,1 Mrd €. Hinzu kommen noch die Kosten für die Wiederbewaldung.

Anträge wurden zahlreich gestellt, darunter zahlreiche Sammelanträge von forstwirtschaftlichen Zusammenschlüssen. Die überarbeitete Richtlinie war leider erst seit Juni verfügbar. Daher fokussierte sich die meiste Förderung in die zweite Jahreshälfte.  Bemängelt wird von Seiten der Waldbesitzer der bürokratische Aufwand. Es wurden allerdings nach und nach einige Vereinfachungen eingezogen.

Nadelholz-Monokulturen haben keine Zukunft

Im Rahmen des im November vorgestellten Wiederbewaldungskonzeptes fördert die Landesregierung die Entwicklung von vielfältigen und klimastabilen Mischwäldern. Diese sind wichtig für die Artenvielfalt und tragen gleichzeitig zu einer Risikominimierung für die Waldbesitzer bei. „Wir müssen feststellen, dass der Klimawandel schneller ist, als stabile Mischwälder entstehen. Und daher müssen wir gegensteuern. Nadelholz-Monokulturen haben keine Zukunft. Natur ist bunt und vielfältig. So müssen auch unsere Wälder sein“, sagte Heinen-Esser.

Positiv sieht der Waldbauernverband NRW e.V., dass zahlreiche Fremdländer in der Förderung möglich sind. Die Förderbedingungen des Landes finden Sie hier:
Extremwetter | Wald & Holz (nrw.de)

Hoffnung auf einen schmuddeligen Winter

Das Wiederbewaldungskonzept empfiehlt Mischwälder aus mindestens vier Baumarten. Sie sollen künftig auf den Schadflächen wachsen, die Stürme, Dürre und Borkenkäfer seit 2018 verursacht haben. Heimische Baumarten sollen dabei den Kern bilden. „Vor dem Hintergrund der aktuell schwierigen Lage unserer Wälder wünsche ich mir einen nass-feuchten, schmuddeligen Winter. Dies würde dazu beitragen, die Verbreitung des Borkenkäfers einzudämmen, indem die Larven bei einer derartigen Witterung verpilzen. Auch die Borkenkäfer lieben wie wir trockene und kalte Winter.“

Quelle: mulnv/red