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Kritik der Waldeigentümer: Eckpunkte-Papier für die Reform des EEG ignoriert Holz

Waldeigentümer kritisieren Steuerpläne der Grünen und suchen den Dialog

Die Forderung von Bündnis90/DieGrünen nach einer „Energiesteuer“ auf Brennholz in ihrem jetzt vorgelegten „Bund-Länder-Programm Wald- und Holzwirtschaft“ wurde am 11. Juli von Philipp zu Guttenberg, Präsident der AGDW – Die Waldeigentümer zurückgewiesen. Die Forderung führe zu einer weiteren Belastung der Verbraucher. Energie sei ein hohes Allgemeingut, das bezahlbar bleiben müsse.

Philipp zu Guttenberg sagte, Markenzeichen von Bündnis90/Die Grünen, gut 10 Wochen vor der Bundestagswahl, seien „neue bzw. höhere Steuern“: von der Substanzsteuer, die Arbeitsplätze vor allem im ländlichen Raum gefährde, über die den Generationenvertrag zerstörende Erbschaftssteuer bis zur verbraucherfeindlichen Energiesteuer.

 
Holzenergie nutzen!

 
„Wer eine schnelle Energiewende will, darf nicht auf den nachwachsenden heimischen Rohstoff und Energieträger Nummer eins in unserem Land, den Biorohstoff Holz, verzichten“, so Guttenberg. Die neben der Energiesteuer geforderte Beschränkung der Holzenergienutzung, passe nicht zur „begrüßenswerten Aussage im Grünen-Programm, dass sich das Verwendungsspektrum von Holz erweitern müsse, wenn Erdöl nicht mehr im bisherigen Masse zur Verfügung stehe.“

 
Eine von den Grünen geforderte Beschränkung der Holzenergienutzung sei auch „absurd“ im Hinblick auf den in Deutschland erfundenen und praktizierten Nachhaltigkeitsgrundsatz, nach  welchem nicht mehr Holz genutzt werden dürfe als nachwachse. Guttenberg wies darauf hin, dass wir in Deutschland durch moderate Hiebsätze die höchsten Holzvorräte pro Hektar in ganz Europa haben: Jedes Jahr wüchsen pro Hektar Waldfläche in Deutschland durchschnittlich etwa 10 m³ Holz nach. Im Gesamten bedeutete das einen jährlichen Holzzuwachs von etwa 120 Mio. m³, von denen aber nur 70 Mio. m³ eingeschlagen und auch genutzt würden.

Wald nicht stilllegen!
 
Eine von den Grünen als notwendig erachtete „Wald- und Holzpolitik, die ökologische und ökonomische Ansprüche integriere, müsse Stilllegungsforderungen eine klare Absage erteilen“, erklärte Guttenberg. Stilllegungen in Deutschland führten dazu, dass die auch von den Grünen konzedierte steigende Holznachfrage zu weiteren Importen von Rohholz aus anderen Regionen der Erde führten. Im Programm der Grünen hieße es zu Recht: „Es wäre das Gegenteil von nachhaltiger Politik, die aufgrund des Wachstums der Holzenergienutzung prognostizierte Holzlücke durch Importe aus Entwicklungsländern zu schließen.“

Die nachhaltige Nutzung unserer Wälder in Deutschland sei aktiver Klima- und Urwaldschutz, betonte der Präsident der 2 Millionen privaten und kommunalen Waldbesitzer in Deutschland.  Deshalb lehne er auch das 5-Prozent-Stilllegungsziel ab: renommierte Studien dokumentierten, dass stillgelegte Wälder in Europa schlecht seien für die Klimabilanz und im Übrigen zu mehr Raubbau führten in anderen nicht nachhaltig wirtschaftenden Regionen der Erde.

Kleinprivatwald fördern!
 
Der AGDW Präsident begrüßt das Bekenntnis der Grünen zur Stärkung des Kleinprivatwaldes. Hier lägen „Potenziale für eine zusätzliche Mobilisierung“. Es sei deshalb gut und richtig, die forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse von Kleinprivatwaldbesitzern weiter zu stärken. Guttenberg: „Ich stimme der Forderung der Grünen zu: es gibt kein ausreichendes Argument dafür, auf Maßnahmen zur Mobilisierung des nachwachsenden Rohstoffes Holz aus dem Kleinprivatwald zu verzichten.“
 
Waldklimafonds aufstocken!

 
Der zunehmende Klimawandel fordere eine rasche Anpassung unserer Wälder. Der von der Bundesregierung dieses Jahr ins Leben gerufene Waldklimafonds müsse in der neuen Legislatur deutlich aufgestockt werden. Eine einseitige Beschränkung auf standortheimische Baumarten dürfe es angesichts der Megaherausforderungen des weltweiten Klimawandels nicht geben. Die Baumartenwahl – so Guttenberg – müsse wissenschaftlichen Erkenntnissen des prognostizierten Klimawandels und nicht ideologischen Naturschutzträumen Rechnung tragen.

Leistungen anerkennen!
 
Zustimmung signalisierte der AGDW-Präsident zur Forderung im o.g. Grünen-Papier, Wälder und Waldbesitzer von der konfiskatorischen Belastung der Gewässerunterhaltung zu entlasten. Das sei sinnvoll und überfällig angesichts der vielfältigen unentgeltlichen erbrachten Leistungen der Waldeigentümer für Natur und Gesellschaft.
 
Zusätzlichen Regularien und Vorschriften, wie die von den Grünen geforderte Festschreibung von ökologischen Mindeststandards sowie die gesetzliche Definition einer nachhaltigen und ordnungsgemäßen Forstwirtschaft, erteilte der Waldbesitzerpräsident eine klare Absage. „Wir praktizieren mit unseren bewährten Gesetzen die modernste, nachhaltige Forstwirtschaft auf der Welt und brauchen deshalb hier nicht noch weitere Paragraphen“, sagte zu Guttenberg. Bürokratieabbau sowie mehr Eigentümer- und Bürgerverantwortung seien das Ziel einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft.

Dialog eröffnen!

 
Dennoch sei das Papier geeignet, einen Dialog zwischen Waldeigentümern und Grünen zu eröffnen. Zu Guttenberg: „Wir sehen in der Tat eine große Dialognotwendigkeit und natürlich begrüßen wir die zum Teil guten Ansätze in diesem Programm. Aber wir müssen auch Kritik üben an widersprüchliche Aussagen und objektiv falschen Schlussfolgerungen an mehreren Punkten, die mit der Realität in unseren Wäldern nichts zu tun hat!“
AGDW – Die Waldeigentümer

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