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Waldbrandsaison 2020 gestartet

Bedingt durch die anhaltende Trockenheit und den starken Winden kommt es seit Mitte April vermehrt zu Waldbränden. Der spektakulärste Brand war in Gummersbach.

Hier wurde das Feuer wohl aus Fahrlässigkeit angefacht. Die Angaben zur Größe der Brandfläche schwankt in den Medien erheblich. Es dürften jedoch mehr als 30 ha den Flammen zum Opfer gefallen sein. Auch in Wenden-Rothemühle im Sauerland kam es zu einem ähnlich großen Waldbrand – vermutlich ebenfalls durch Fahrlässigkeit ausgelöst. In Mecklenburg-Vorpommern im Landkreis Ludwiglust-Parchim brannten am 21. April rund 4 ha nieder. In der Grenzregion zu den Niederlanden brennen aktuell Wald und Heide – insgesamt seien hier 170 ha betroffen. So wie in diesen Beispielen kommt es derzeit in allen Regionen Deutschlands zu kleineren aber auch zu größeren Waldbränden. Und der Wetterbericht gibt keinen Anlass zur Entwarnung.

In Brandenburg sind nach Aussagen des dortigen Waldbrandbeauftragten Raimund Engel in diesem Jahr bereits mehr als 53 Brände zu verzeichnen. Glücklicherweise war hier insgesamt nur eine Fläche von weniger als 10 ha betroffen. Beängstigend ist allerdings der Blick auf die Brandursachen. In Brandenburg werden 2020 bei 43 % der Brände als Ursache unbekannt angegeben, aber immerhin 22 % der Brände wurden vorsätzlich gelegt.

Prävention

Die Waldeigentümer können im Vorfeld einiges tun, um die Brandgefahr zu reduzieren. Die Gefahr an Bahngleisen ist längst nicht mehr so hoch wie zu Zeiten von Dampflokomotiven. Bei den modernen Zügen lassen sich in aller Regel die Fenster nicht mehr öffnen und vor Überhitzung der Achsen und Bremsen wird der Zugführer mittels Sensoren gewarnt. Viel mehr Gefahr geht da von Straßen, Park- und Grillplätzen aus. Bei Brandschutzstreifen entlang von Straßen müssen jedoch alle Parzelleneigentümer mitziehen. Ein Flickenteppich hilft da nicht. Entlang der Straße sollte ein Bereich von 15 bis 20 m Tiefe von brennbarem Material befreit werden. Hinzu kommt ein Wundstreifen, der vegetationsfrei gehalten werden sollte. Hier ist besondere Vorsicht in munitionsbelasteten Regionen gegeben. Seit Neuem sind in Brandenburg solche Maßnahmen auch förderfähig. Grundlage ist die Richtlinie des Ministeriums für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landes Brandenburg zur Gewährung von Zuwendungen für Naturschutzmaßnahmen im Wald und Hilfsmaßnahmen zur Bewältigung der durch Extremwetterereignisse verursachten Folgen im Wald. So umständlich wie die Bezeichnung ist wohl leider auch die Antragstellung. Förderfähig sind die Anlage und die Unterhaltung von Waldbrandwundstreifen sowie die Munitionssondierung.

Wasserversorgung

Grundsätzlich sollten Waldeigentümer über eine mögliche Versorgung der Feuerwehr mit Löschwasser nachdenken. Löschwasserteiche seien eher problematisch zu beurteilen, so Engel. Deutlich zuverlässiger seien hier Löschwasserbrunnen – oder in grundwasserfernen Gebieten – unterirdisch Zisternen. Auch hier gibt es Fördermöglichkeiten. Allerdings müssen die Waldbesitzer die Maßnahmen vorfinanzieren.

Früherkennung

Eine echte Chance, einen Waldbrand rechtzeitig zu erkennen hat der einzelne Waldbesitzer nach Ansicht Engels nicht, das wäre eher zufällig. Bei der Früherkennung ist man in den meisten Fällen auf den Staat angewiesen. In Brandenburg – dem Bundesland mit den meisten Waldbränden – werden seit 20 Jahren nur noch Sensoren auf den Wachtürmen eingesetzt. Über das Land verteilt ist das Waldbrandfrüherkennungssystem Fire Watch auf 106 Türmen installiert. In Bayern und Niedersachsen werden Flugzeuge zur Früherkennung eingesetzt.

Notruf 112

Wenn man ein Feuer entdeckt, gilt als Allererstes das Prinzip der Eigensicherung. Besonders gefährlich wird es in Gebieten, die noch mit Munition belastet sind. Von einer eigenen Bekämpfung mit Schaufel oder Feuerpatschen hält der Waldbrandspezialist weinig. Viel wichtiger ist der Griff zum Telefon. Mit einem Anruf bei der Notrufzentrale 112 ist schon viel erledigt. Alle taktischen Maßnahmen werden dann von der Einsatzleitung entschieden. Wenn man sich in dem Gebiet auskennt, über Wege und Eigentümer informiert ist, sollte man sich zur Beantwortung wichtiger Fragen anbieten. Auch kann es sinnvoll sein, Freiwillige für eine Brandwache zu gewinnen und eventuell zu klären, wer in der Umgebung z. B. Güllefässer hat, um Löschwasser heran zu schaffen.

Brandbekämpfung

Nach wie vor ist Löschwasser das A und O der Waldbrandbekämpfung. In den allermeisten Fällen wird das Feuer vom Boden aus bekämpft. „Der Einsatz von Flugzeugen und Hubschraubern ist in Deutschland noch eher die Ausnahme.“ Nach den traurigen Erfahrungen des Waldbrandes 1975 in der Lüneburger Heide setzt man bei der Bekämpfung wo nötig geländegänginge Fahrzeuge ein. Das TLF 5000 Typ „Brandenburg“ ist ein speziell zur Waldbrandbekämpfung entwickeltes Fahrzeug, auf einem Mercedes-Benz UNIMOG-Fahrgestell. Es ist voll geländegängig und mit einer Selbstbergungswinde ausgestattet und gehört zur Ausrüstung vieler Feuerwehren. In besonders gefährdeten Gebieten kommen aber auch Großtanklöschfahrzeuge wie der GTLF 9000 mit sechrädrigen, geländegängigen Fahrgestell und einem Löschwassertank mit 9.000 l Fassungsvermögen zum Einsatz.

Kommentar: Keine Panikmache

Bei mir entsteht der Eindruck, dass in letzter Zeit die Politik vermehrt die Angst vor Katastrophen ausnutzt, um auf sich selber aufmerksam zu machen. Auch die Pressemitteilung von Karlheinz Busen, Mitglied des Bundestages und FDP-Mitglied würde ich hier einordnen. Busen fordert einen Großeinsatz von Bundeswehr und Technischem Hilfswerk zur Beseitigung aller abgestorbener Käferbäume. Beide Organisationen sind nicht wirklich für die gefährliche Waldarbeit ausgerüstet und ausgebildet. Hier wäre der Einsatz von gut ausgebildeten Forstarbeitern und Unternehmern sehr viel sinnvoller, denn die Aufarbeitung von Totholz ist alles andere als ungefährlich.

Wollen wir hoffen, dass es mit Umsicht und entsprechenden Vorbereitungen gelingt, die Zahl der Brände und die Fläche gering zu halten.

Rainer Soppa

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