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Die Trockenheit 2018 haben landwirtschaftliche Böden und Waldböden unterschiedlich verkraftet: Jeder vierte Wassertropfen im Wald kommt nicht im Boden an.

Waldboden leidet unter Klima

Das Jahr 2018 war das bislang wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. In Thüringen wurde mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von 10,1 °C der bisherige Rekord aus dem Jahr 2014 gleich um 0,3 °C übertroffen. Der Sommer 2018 war mit nur 86,8 mm Niederschlag der mit Abstand trockenste Sommer im Freistaat seit 1881.

Vor allem die Wälder litten unter der extremen Bodentrockenheit. Denn während den Böden im Offenland ein Großteil des spärlich verteilten Regenwassers zu Gute kam, ging dem Waldboden bei gleichem Wasserangebot jeder vierte Wassertropfen verloren. Und nicht nur das: Auch sonst ganzjährig ergiebig schüttende Wasserquellen im Wald stellten ihre Funktion im Jahrhundertsommer 2018 ein.

Jeder vierte Wassertropfen geht dem Waldboden verloren

„Je nach Baumarten- und Bestandsstruktur verdunstet im Kronenraum etwa 15 bis 30 % des Freilandniederschlages. Auch Nadeln und Blätter nehmen direkt Wasser aus den Niederschlägen auf“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Darüber hinaus läuft vor allem in hügeligem und steilem Gelände und bei Starkregenereignissen ein Teil des Niederschlages oberhalb der Humusdecke ab, so dass in der Jahressumme deutlich weniger Niederschlag versickert als beispielsweise auf landwirtschaftlich genutzten Böden.

Die Ergebnisse des forstlichen Umweltmonitorings, das im Forstlichen Forschungs- und Kompetenzzentrum Gotha (FFK), Teil der ThüringenForst-AöR, laufend durchführt werden zeigen, dass Waldböden zwar sehr gute Wasserspeicher sind und zur Verhinderung bzw. Verringerung von Hochwasserereignissen beitragen, sie brauchen nach niederschlagsarmen Perioden aber sehr viel länger als Offenlandböden, um die Bodenwasserspeicher wieder vollständig aufzufüllen und die entstandenen Defizite auszugleichen.

Waldboden braucht Schnee und wenig Frost

„Was unsere heimischen Waldböden jetzt brauchen sind winterliche Schnee- lagen mit langsamen Tauphasen, in denen ein Großteil des Niederschlags ungestört bis in tiefere Bodenschichten versickern kann“, so Gebhardt abschließend. Bis dahin bleibt die Situation für Thüringens Wälder bis auf weiteres angespannt.

Das enorme Wasserdefizit zeigt sich übrigens auch an den Waldquellen: Diese waren an vier forstlichen Messstationen bis Ende November 2018 komplett versiegt, an den anderen lief das Quellwasser nur sehr spärlich. Erst nach den Niederschlägen im Dezember nahmen alle Quellen ihre Funktion wieder auf – aber immer noch deutlich schwächer als in den Wintermonaten vergangener Jahre.

ThüringenForst

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