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Waldbewirtschaftung aus Sicht eines privaten Forstbetriebes

Waldbewirtschaftung aus Sicht eines privaten Forstbetriebes

Auf Einladung der Forstkammer Baden-Württemberg trafen sich am 8. September die Ministerin für Umwelt, Naturschutz und Verkehr, Tanja Gönner, und der Minister für Ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz, Rudolf Köberle MdL, mit dem Vorstand der Forstkammer Baden-Württemberg zur Diskussion der Themen Ertragssituation, Klimawandel und Risikomanagement im Privatwald.

Unter dem Vorzeichen der von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) erst kürzlich veröffentlichten Baumartenverbreitungskarten, wurden während eines gemeinsamen Spazierganges im Königsegg’schen Forstbetrieb in der Nähe von Ravensburg drei unterschiedliche Waldbilder mit den Schwerpunkten Fichte-Douglasie, Fichte-Edellaubholz und Douglasie-Edellaubholz begutachtet und diskutiert.
Der Themenschwerpunkt der waldbaulichen Behandlung von Nadelbäumen wurde gewählt, da diese in den Wäldern Baden-Württembergs die größte Fläche einnehmen. Zudem ist die Fichte die bedeutendste Wirtschaftsbaumart, und gerade dieser wird anhand der Klimaprognosemodelle die schwierigste Zukunft vorhergesagt. „Die Popularität der Fichte hat in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich abgenommen. Dass sich diese Entwicklung durch die Klimaänderungsdiskussion noch weiter verstärkt, geschieht nach Ansicht von uns Waldbesitzern teilweise auch zu Unrecht. Ich warne deshalb vor einer übertriebenen und vorschnellen Reduzierung der Nadelhölzer“, so Erbgraf Königsegg-Aulendorf. Die waldbaulich-vorausschauende Kombination von Fichte und Douglasie im Privatwald des Vorstandsmitgliedes der Forstkammer, wie auch die Mischung beider Baumarten mit Edellaubhölzern, demonstriert anschaulich, dass auch mit bewährten Nadelhölzern klimatoleranter Waldbau möglich ist.
„Die Zeiten der Fichte in Monokultur, als ehemaliger Brotbaum der Forstwirtschaft, sind vorbei.  Schäden durch Borkenkäfer, Sturm und Trockenheit, die sich klimabedingt weiter verstärken werden, machen ein Umdenken notwendig. Dies ist auch aus ökologischer Sicht geboten“, resümierte Roland Burger, Präsident der Forstkammer. „Die vielseitige Verwendbarkeit und die große Bedeutung von Fichtenholz als Rohstoff bleibt aber erhalten. Diese Tatsache sollte bei der Bewirtschaftung des Waldes in Baden-Württemberg berücksichtigt werden.“
Verschwinden darf und muss die Fichte deshalb noch lange nicht: Standortangepasste, stabile Mischbestände aus Fichte, der klimatoleranten Alternative Douglasie, Edellaubhölzern und selbstverständlich auch der Tanne beugen Schadereignissen vor, ermöglichen die rentable und nachhaltige Produktion für die dauerhafte Versorgung des Holzmarktes mit Bau- und Industrieholz und sorgen gleichzeitig für eine Erhöhung der Biodiversität.
Zur Information
Die Forstkammer Baden-Württemberg vertritt die Interessen der privaten und kommunalen Waldbesitzer des Bundeslandes. In deren Eigentum sind ¾ der Waldfläche von Baden-Württemberg, insgesamt über 1 Million Hektar.
Forstkammer Baden-Württemberg

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