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Regionale Entwaldung nicht mehr auszuschließen

Der Waldbesitzerverband Sachsen-Anhalt hatte für den 21. April zu seiner Jahreshauptversammlung 2018 und zur Klimakonferenz zu Waldbeständen in Sachsen-Anhalt eingeladen. Eines der zentralen Themen waren die Auswirkungen der letzten Sturmereignisse.

Der Sturm Friederike hat in Sachsen Anhalt Schäden wie kein Sturm der letzten 50 Jahre verursacht. Es dürften mehr als  3,5 Mio. Festmeter (Kubikmeter) Holz durch diesen Sturm und die vorherigen fünf
Schadereignisse geworfen worden sein, zum Beispiel „Xavier“. Die Folgen sind bis heute nicht vollständig erhoben worden, die Holzpreise sind im Sinken begriffen. Außerdem wurde der bereits 2014 vom Verband initiierte Entwurf der sogenannten „Katastrophenrichtlinie“, der 2016 auch mit Fördermitteln unterlegt wurde, vom zuständigen Ministerium nie in Kraft gesetzt. Nicht fertiggestellt wurde gleichwohl die Überarbeitung der Förderrichtlinie Waldumbau – die Entwürfe reichen zurück in das Jahr 2015.

Das Ministerium für Landwirtschaft Umwelt und Energie (MULE) versagte bei deren Fertigstellung. Der Waldbesitzerverband weiter: Es floss 2016 kein Cent für dringend erforderliche Pflegemaßnahmen von jungen Mischwäldern erstmals seit der Wende, obwohl hier dringend erforderliche Pflegemaßnahmen bereits in den Vorjahren gepflanzter Mischwälder erforderlich waren. Im Gegenteil: Im Jahr 2016 sind rund 4,75 Mio. € Fördermittel aus dem Bereich Forst bei den ELER-Mitteln der EU gestrichen und in den ökologischen Landbau im Förderhaushalt des MULE verschoben worden. Dabei waren explizit 2,3 Mio. € zur Unterfütterung der fertig entworfenen Katastrophenrichtlinie vorgesehen. Hierbei wurden vorbeugende Teilmaßnahmen wie beispielsweise gegen Waldbrand oder Schadinsekten für den Rest der EU-Förderperiode (bis 2020) gestrichen.

Waldbesitzer sind verzweifelt

Der mangelhafte Reaktion seitens staatlicher Stellen und der Holzindustrie auf die größte Katastrophe für Sachsen-Anhalts Wälder in den letzten 50 Jahren veranlasste die im Verband organisierten Waldbesitzer nun ihre Forderungen in der „Magdeburger Erklärung“ öffentlich zu machen. Dazu der Waldbesitzerverband Sachsen-Anhalt:

Ignoranz und Praxisferne – Es droht die Entwaldung ganzer Regionen

Der Wald ist die CO2-Senke Nr. 1 nicht nur in Sachsen-Anhalt, sondern für ganz Deutschland. Deshalb sind die Folgen von Stürmen wie „Friederike“ existentiell für die Kohlenstoffbindung durch unsere Wälder. Dessen ungeachtet vernachlässigt, ja ignoriert die Landesregierung dieses Thema beharrlich.

Insbesondere das Ministerium für Landwirtschaft Umwelt und Energie Sachsen-Anhalt (MULE) zeichnet sich durch Ignoranz gegenüber existentiellen Situationen für unsere Wälder aus: Eine mehr oder minder seit 2015 fertigte „Katastrophenrichtlinie“, die der Vorbeugung und Behebung von Klimawandelfolgen – wie solchen Stürmen – dienen sollte, wurde mit fadenscheiniger Begründung aus dem Verkehr gezogen. Die dazu bereitgestellten Gelder werden dem Wald entzogen. Bisherige Waldumbaurichtlinien waren derart praxisfeindlich verfasst und im Abruf so bürokratisch gestaltet, dass sie bisher und auch jetzt keine ernst zu nehmende Hilfe darstellen. Den Nichtabruf der Gelder nimmt die Hausleitung des MULE zum Anlass, diese EU-Mittel der Forstwirtschaft zu streichen. Das nötige Forstpersonal fehlt überall. Der strukturschwache Kleinprivatwald ist außer Stand gesetzt, die Folgen von Stürmen zu bewältigen, weil die verlässliche Koordination durch Forstpersonal unzureichend ist, ja hier und dort komplett fehlt. Ein Katastrophenstab und Katastrophenhilfe fehlen.

Schon jetzt sind etwa 3,5 Mio. Festmeter Holz an gestürzten Bäumen als Schäden aus den Stürmen seit Juni 2017 zu verzeichnen. Infolge von absehbarem Insektenbefall kann noch einmal soviel an Waldbeständen vernichtet werden. Es droht die Entwaldung ganzer Teilregionen.

Deshalb fordern die Waldbesitzer mit der „Magdeburger Erklärung“ insbesondere:

  • die Bildung eines Katastrophenstabes, eine Soforthilfeprogramm von 4 Mio € (neben der laufenden Förderung) zur Aufstockung der aktuellen Förderung,
  • eine Entbürokratisierung der laufenden Förderung für Waldbau und Waldwegebau,
  • aus Forstschutzgründen die Ausstattung der Landesforstverwaltung mit Personal im Umfang der bisher gegebenen 662 Vollzeit-Äquivalente für die gesamte Forstverwaltung und
  • die Sicherstellung der erforderlichen Logistik für Holzabtransport und Lagerung gefordert.

Weitere Forderungen enthält die:

„Magdeburger Erklärung“ des Waldbesitzerverbandes Sachsen-Anhalt

Das Thema in der Mediathek des MDR

 

Der Waldbesitzerverband Sachsen-Anhalt vertritt die berufsständischen, rechtlichen und forstpolitischen Interessen der privaten, kommunalen und kirchlichen Waldbesitzer in Sachsen-Anhalt gegenüber den gesetzgebenden Körperschaften, politischen Parteien, Behörden, der Wirtschaft, der Medien und der gesamten Öffentlichkeit. Vorsitzender ist seit 2009 Franz Prinz zu Salm-Salm. Der Verband ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW – Die Waldbesitzer). Er gliedert sich in drei Regionalgruppen: Altmark, Anhalt, Harz und Burgenland.

S. Loboda/WBV Sachsen-Anhalt

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