ABO
Parallel zur gefährlichen Sturmholzaufarbeitung ist die Forstwirtschaft in Sachsen-Anhalt zwischen-zeitlich vom nächsten Schlag gezeichnet.

Waldbesitzerverband Sachsen-Anhalt in großer Sorge!

Nach einer ersten realistischen Schadensübersicht rechnet der Waldbesitzerverband Sachsen-Anhalt mit rund 353 Mio. € Schäden in Sachsen-Anhalts Wäldern durch Stürme, Dürre und Borkenkäfer.

Mit der Magdeburger Erklärung hatte der Waldbesitzerverband bereits im April diesen Jahres auf die brisante Situation in Sachsen-Anhalts Wäldern hingewiesen. Die Jahrhundertdürre des Sommers 2018 mit den tiefsten je gemessenen Pegelständen in der Elbe, hat nunmehr eine regelrechtes Jahrhundert-Schadens-Ereignis in Sachsen-Anhalts Wäldern ausgelöst.

So geballt und folgenschwer wie in den letzten zwölf Monaten wurde der Wald hierzulande bisher kaum getroffen. Nach den Sommerstürmen 2017 sowie den Stürmen Xavier und Herwart im September/Oktober 2017 hat der Orkan Friederike im Januar dieses Jahres die Sturmschadensbilanz auf mindestens 3,5 Mio. Festmeter erhöht. Aufgrund erhöhter Aufarbeitungskosten und Ernteverluste sowie drastisch eingebrochener Holzpreise ergibt sich durch die Stürme ein finanzieller Schaden von mindestens 140 Mio. €.

Jungpflanzen Opfer der Dürre

Parallel zur gefährlichen Sturmholzaufarbeitung ist die Forstwirtschaft in Sachsen-Anhalt zwischen-zeitlich vom nächsten Schlag gezeichnet. Die über Monate andauernde Dürre hat in weiten Teilen des Landes zum Absterben von etwa 60 % der im Frühjahr gesetzten Jungpflanzen geführt. Die Trockenheit war so extrem, dass teils komplette Kulturen ausgefallen sind und vielfach auch die Pflanzungen aus den Vorjahren geschädigt wurden. Um die 5,5 Mio. Bäumchen dürften ein Opfer der Dürre geworden sein. Beispielsweise fallen junge Buchen zuhauf aus. Den Waldbesitzern entstehen auf diese Weise Schäden in Höhe von fast 11 Mio. €. Viele Forstkulturen müssen vollständig neu begründet werden. Die Ausfälle in natürlich entstandenen Jungbeständen sind dabei noch gar nicht erfasst.

Leichte Beute für Borkenkäfer

Dass die durch die Stürme vorgeschädigten Wälder angesichts der anhaltenden extremen Dürre eine „leichte Beute für Borkenkäfer“ sind, liegt auf der Hand, wie Dr. Natzke vom Waldbesitzerverband Sachsen-Anhalt frustriert bestätigt. Diese Waldschädlinge finden insbesondere in diesem Sommer ideale Entwicklungsbedingungen vor. Ihre Populationsdichten stiegen in den letzten Jahre beständig an, dieses Jahr ist schon die dritte Käfer-Generation aktiv. Sie bedroht mehr Bäume und größere Flächen vor allem der Baumarten Fichte und Lärche, als je zuvor. Damit drohen ganzen Bereichen des Harzes Kahlschläge.

Es geht vielerorts um die Existenz

Aber nicht nur dort, denn auch die Kiefer ist – zudem durch das Kieferntriebsterben (v.a. durch den Pilz Diplodea pinea verursacht) und weitere Schädlinge – bedroht. Für unsere Kohlendioxid-Senke Nr. 1 geht es vielerorts um die Existenz. Es sind rund 840.000 Fm Käferholz sowie Schadholz aus dem Kieferntriebsterben usw. zu erwarten. Aus diesen käferbedingten und sonstigen Zwangsnutzungen ist in diesem Jahr mit einem Erlösverlust von nahezu 42 Mio. € zu rechnen. „Durch die Trockenheit ist die Gefahr weitaus höher, dass Waldbrände entstehen und diese sich schnell ausbreiten“, ergänzt Dr. Natzke. Dies bedeutet auch eine beachtliche Gefahr für die Bevölkerung!

Die langfristig stärkste Belastung ergibt sich aus den wirtschaftlichen Folgen der aktuell zu beobachtenden und auch in den Folgejahren wirksamen sogenannten Zuwachsverlusten. Angesichts der Stärke und der langen Dauer der Dürre sind für 2018 und das Folgejahr Verluste des Zuwachses bei allen Bäumen zu erwarten. Diese können insgesamt einem Jahreszuwachs entsprechen. Wenn auf längere Sicht tatsächlich ein kompletter Jahreseinschlag ausfallen sollte, so bedeutet dies für die Forstwirtschaft in Sachsen-Anhalt nicht nur einen langfristigen Schaden von 160 Mio. €, sondern auch erheblich weniger Kohlenstoffbindung durch unsere Wälder. Angesichts dieser bisher einmaligen Kombination verschiedenster Schadereignisse, muss von einer Jahrhundertkatastrophe im deutschen und insbesondere im sachsen-anhaltinischen Wald gesprochen werden. Alle Schäden sind die Folgen von Klimaveränderungen und Witterungsextremen. Die Gesamtschadensumme von etwa 182 Mio. € in diesem Jahr und voraussichtlich zusätzliche Langfristschäden von 171 Mio. € bilden eine noch nie da gewesene Last für die privaten und körperschaftlichen Waldbesitzer sowie den Staatswald in Sachsen-Anhalt. Umso schlimmer, dass die Landesregierung die angedachte „Katastrophenrichtlinie“ aufgab, Forstpersonal streicht und den im Mai geforderten Katastrophenstab nicht bildete.

Waldbesitzerverband fordert Unterstützung

Der Waldbesitzerverband Sachsen-Anhalt fordert deshalb finanzielle Unterstützung für alle Waldbesitzarten bei der Bewältigung dieser Jahrhundertkatastrophe!

Dabei ist die rasche Aufarbeitung der vom Käfer befallenen Bäume von besonderer Bedeutung und bedarf der finanziellen Unterstützung des Staates. „Waldschutz mit der Säge“ ist aktuell das effektivste Verfahren, um eine weitere Vermehrung der Borkenkäfer zu verhindern. Der Transport und die Lagerung des Holzes bedeuten ebenfalls eine Herausforderung. Angesichts des Ausmaßes der Katastrophe müssen zusätzliche Holzlagerplätze errichtet werden, sodass der Holzmarkt entlastet wird. Um den Holzpreisverfall nicht noch weiter zu befördern, ist der Holzeinschlag in gesunden Beständen (Frischholzeinschlag) grundsätzlich zu stoppen.

Vor diesem Hintergrund fordern wir ein Nothilfeprogramm in Höhe von 40 Mio. € zur Beseitigung akuter Schäden und zur verstärkten Bekämpfung der Borkenkäfer in allen Besitzarten. So kann zumindest die Aufarbeitung des Sturmholzes abgedeckt werden und die weitere Entwicklung der Borkenkäferkalamität eingedämmt werden. Darüber hinaus ist eine deutliche Erhöhung der Förderung für einen klimaangepassten Waldumbau zwingend, um die vielfältigen Ökosystemleistungen der Wälder ungeschmälert auch für zukünftige Generationen erhalten zu können.

Der Waldbesitzerverband Sachsen-Anhalt e.V. ist die berufsständige Interessenvertretung und damit die Stimme von etwa 53.000 kommunalen, privaten und kirchlichen Waldbesitzern in Sachsen-Anhalt. Ziel des Verbandes ist die Unantastbarkeit des Waldeigentums, die Freiheit seiner Bewirtschaftung und das Recht auf Selbstverwaltung zu wahren. Etwa 44 % der Waldfläche in Sachsen-Anhalt sind Privatwälder. Weitere etwa 7 % der Waldfläche befinden sich im Eigentum kommunaler Körperschaften oder sind Kirchenwald.

Zur Ad-hoc-Schadensschätzung für Sachsen-Anhalt Stand 29.8.2018

WBV Sachsen-Anhalt

Auch interessant

von