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Nur ein einsames Rufen im Wald?

Nur ein einsames Rufen im Wald?

Es reicht nicht, wenn die Forstwirtschaft beziehungsweise der Cluster Forst und Holz wissen, welche Leistungen sie als Wirtschaftsfaktor und für die Gesellschaft erbringen. Es gilt vielmehr, diese Informationen breit in die Öffentlichkeit zu tragen. Das ist eine wichtige Botschaft des diesjährigen Bayerischen Waldbesitzertages.

Alexander Schulze , Geschäftsführer des Netzwerks Forst und Holz Bayerischer Wald, machte es an einem Bild deutlich. Wenn ein Einzelner im Wald steht, kann er rufen so laut er will, es wird ihn keiner hören. Wenn alle mit Wald und Holz Beschäftigten gemeinsam rufen, dann werden sie in der Gesellschaft Gehör finden.
Was damit gemeint ist, wird auch aus einer weiteren Ausssage Schulzes deutlich: „Ich bin nicht der Cluster Forst und Holz, ich vertrete ihn nur. Wir müssen alle unseren Beitrag leisten.“ Dass es dafür zahlreiche Ansätze gibt, das wird anhand von ein paar Zahlen deutlich. In den sechs Landkreisen, die im Netzwerk Forst und Holz Bayerischer Wald zusammenarbeiten, gibt es 30 000 Waldbesitzer und 15 000 Leute, die von Forst und Holz leben. In jedem Landkreis gibt es Arbeitskreise mit den Förstern, den Waldbesitzern und ihren Vereinigungen und den Holzverarbeitern, die sich ganz konkret der Probleme annehmen. Damit sind die Voraussetzungen gar nicht so schlecht, über verschiedenste Kanäle an die „Klientel“ heranzukommen, die von A wie Arzt bis Z wie Zimmermann reicht.
Ziel des Netzwerkes ist, die Wertschöpfung über alle Stufen, also vom Waldbesitzer bis zum Kistenhersteller, zu steigern. „Das heißt, nicht gegeneinander sondern miteinander zu arbeiten“, so Schulze. An zahlreichen Beispielen, angefangen von der Vorstellung des Clusters im Kreistag über den Bau eines überdimensionalen Holz-Klimawürfels in der Zimmererausbildung bis hin zu einer Broschüre, in der Argumente gegen Holzverwendung entkräftet werden (zum Beispiel nicht „Holz brennt“ sondern „Holz wehrt sich“), zeigte er die Ansätze und Erfolge auf.
An seiner Aussage, man brauche Leuchtturmprojekte im kommunalen Holzbau, entzündete sich eine rege Diskussion. Einige Teilnehmer bestätigten, dass man mit solchen Projekten wirklich vorankomme, wobei ihr Zustandekommen auf ganz unterschiedlichen Gründen beruht. Einmal wurde ein Kindergarten aus Holz gebaut, weil es der einzige Baustoff war, mit dem der Bau in dem knappen Zeitrahmen verwirklicht werden konnte. Einmal kam Holz zum Zuge, weil man das Projekt unter der Prämisse „stressfreies Lernen“ angegangen sei. Es gibt aber auch negative Leuchttürme. So gibt es einen Landkreis in Bayern, in dem  die Bauwerke eines Holzbaupioniers jetzt nach 15 Jahren aufgrund fehlerhafter Verarbeitung abgerissen werden müssen.
Diese Beispiele zeigen, dass der  Waldbesitzertag seinem Anspruch, fachliche Informationen den Waldbesitzern zu vermitteln und sie über die Teilnehmer nach draußen zu tragen, gerecht wird. Den Anspruch hatte LWF-Präsident Olaf Schmidt bei der Eröffnung formuliert, dabei aber nicht verschwiegen, dass man die politische Dimension nicht übersehen dürfe. Die Nutzung des Waldes sei immer noch umstritten, zum Teil sogar verpönt.
Das kann auch Sepp Spann, der Vorsitzende des Bayerischen Waldbesitzerverbandes, nicht verstehen, wo doch Forstwirtschaft fast der einzige Bereich sei, bei dem Nutzung und Naturschutz auf der gleichen Fläche gut zusammengehen. „Wir produzieren einen wertvollen Rohstoff, schaffen Arbeitsplätze, speichern CO2, kümmern uns um die Artenvielfalt und quasi als Abfallprodukt entstehen noch Trinkwasser und Sauerstoff“, so Spann.
Alle diese Leistungen gegenüber der Gesellschaft ins rechte Licht zu rücken, dafür bietet sich nächtes Jahr eine einmalige Chance, nämlich das Internationale Jahr der Wälder. Jedenfalls nach Ansicht von Georg Windisch, Leiter der Bayerischen Forstverwaltung. Er rief alle Waldbesitzer auf, diese Chance zu nutzen.
Sepp Kellerer

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