Holzverkauf und Holzpreise

Waldbesitzer werfen Dalbert Versagen vor

Bearbeitet von Marc Kubatta-Große

Der Waldbesitzerverband Sachsen-Anhalt wirft der Umweltministerin des Landes, Claudia Dalbert „Totalversagen“ vor und macht sie maßgeblich verantwortlich für die zu späte Aktivierung des Forstschädenausgleichsgesetzes, den darauf folgenden Zusammenbruch der Holzmärkte und damit schwere finanzielle Verluste für die privaten Waldbesitzer. Die Waldbesitzer berufen sich dabei auf ein Hintergrundvermerk aus dem Bundeswirtschaftsministerium, das den Vorwurf allerdings nicht in dieser Klarheit bestätigt.

Für die Waldbesitzer in Sachsen-Anhalt und allen voran den Vorsitzenden des Waldbesitzerverbandes Sachsen-Anhalt, Franz Prinz zu Salm-Salm, ist die Sache klar: Claudia Dalbert ist schuld! Schuld an der späten Aktivierung des Forstschädenausgleichsgesetzes, schuld am Zusammenbruch des Holzmarkes und schuld an den Riesenverlusten, die die Waldbesitzer in Sachsen-Anhalt zu erleiden haben und durch die gleichzeitig das Geld für eine Wiederaufforstung der durch den Borkenkäfer vernichteten Wälder fehlt. Ausgerechnet Dalbert, die sich als oberste „Waldumbauerin“ aufspiele, entziehe dem Waldumbau die erforderliche finanzielle Basis. Deshalb ist aus Sicht der Waldbesitzer eines völlig klar: Dalbert muss weg!

Millionenverluste

Denn keine Ministerin dürfe Millionenverluste verursachen, die sie nachweislich hätte vermeiden können. Jede Landesregierung müsse mit Staats- und Privatvermögen sorgsam verfahren. Bei den Waldschäden der Jahre 2018 bis 2020 habe Dalbert dies zu Lasten des Staats- und Privatwaldes versäumt, indem Sie dem Holzpreisverfall freien Lauf gelassen habe. Den daraus entstandenen Schaden beziffert der Waldbesitzerverband mit rund 300 Mio. €, inklusive Landeswald.

Keine Einigung

Die Waldbesitzer werfen Dalbert vor, versäumt zu haben, frühzeitig den Antrag auf Einschränkung des Rundholzeinschlags zu stellen. Genau dieser, einzig an die sachsen-anhaltinische Ministerin gerichtete, Vorwurf geht allerdings aus dem Schreiben des Bundeswirtschaftsministeriums nicht hervor: Darin ist nur die Rede davon, dass in der Forstchefkonferenz, die aus den für Wald verantwortlichen Abteilungsleitern der Landesministerien besteht, lange Zeit keine Einigkeit über die Aktivierung des Forstschädenausgleichsgesetzes geherrscht habe. Trotz der Hilferufe aus dem Privatwald, obwohl das Bundeslandwirtschaftsministerium dies befürwortet hätte, und obwohl die Voraussetzungen für die Aktivierung des Gesetzes bereits 2018 gegeben waren.

Welchen Anteil Claudia Dalbert und ihr Abteilungsleiter Forst an diesen Versäumnissen hatten, geht aus dem Schreiben nicht hervor. Haben sie gebremst? Haben sie das Gesetz befürwortet? Hätten sie die Verluste der Waldbesitzer tatsächlich vermeiden können? Man weiß es nicht. Das Bundesministerium hatte für die Aktivierung des Forstschädenausgleichsgesetzes eine Verständigung unter den Ländern zur Bedingung gemacht. Die ist aber bis 2020 nicht erfolgt. Erst dann beauftragte die Forstchefkonferenz das Land Nordrhein-Westfalen, die Aktivierung des Gesetzes über den Bundesrat auf den Weg zu bringen. Viel zu spät, insbesondere für die Waldbesitzer, die zwischenzeitlich ihre Existenz verloren haben.

Berechtigte Wut

Die Wut der Waldbesitzer ist also durchaus berechtigt. Vielleicht auch auf Claudia Dalbert, der der Waldbesitzerverband „Beratungsresistenz und mangelnde fachliche Eignung“ bescheinigt. Aber vor allem auf all jene Forstchefs, die zugunsten der eigenen Landeskassen eine Aktivierung des Forstschädenausgleichsgesetzes verhindert haben. Denn diese hätte sofort alle bestehenden Holzlieferverträge außer Kraft gesetzt und dadurch den Holzmarkt massiv entlastet. Um den Holzpreis in den Landesforstbetrieben hoch zu halten, wurden hier offenbar Opfer im Privatwald sehenden Auges in Kauf genommen.

Quelle: Waldbesitzerverband Sachsen-Anhalt