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Waldbesitzer Rheinland-Pfalz: Großschutzgebiete gefährden Forstbetriebe

„Wenn wir wollen, dass nachhaltige Forstwirtschaft in Rheinland-Pfalz auch weiterhin Zukunft hat, darf die Wirtschaftlichkeit privater und kommunaler Forstbetriebe nicht mit einer Überfrachtung durch politische Auflagen gefährdet werden.“ Eindeutig nahm der Vorsitzende des Waldbesitzerverbandes für Rheinland-Pfalz, Bürgermeister Hans-Günter Fischer, bei der Mitgliederversammlung in Boppard Stellung und appellierte an die Landesregierung: „Die Waldbesitzer können keine weiteren Bewirtschaftungsauflagen mehr stemmen, wir brauchen umfassende Konzepte, die allen Aspekten der Nachhaltigkeit Rechnung tragen, um den Generationenvertrag, den die Waldbesitzer schon mit ihren Kindern geschlossen haben, gerecht zu werden.“
Im Zuge der Umsetzung des Europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000 wurden 37,5 % der Waldflächen in Rheinland-Pfalz als Fauna-, Flora- Habitat (FFH) gebiete und Vogelschutzgebiete ausgewiesen. Zwar ist die Bewirtschaftung dieser Wälder weiterhin möglich, sofern die Lebensräume und Arten dadurch nicht erheblich beeinträchtigt werden, aber mit Einschränkungen muss gerechnet werden. Welche konkreten Ziele und Maßnahmen in den Schutzgebieten ergriffen werden sollen, fordern die Bewirtschaftungspläne, die seit 2011 großflächig aufgestellt werden.
Die Folgen der Umsetzung der FFH-Planung für die Forstbetriebe hat ein vom Bundeslandwirtschaftsministerium im November 2012 vorgestelltes Forschungsprojekt ermittelt. Danach führen die teilweise erheblichen Einschränkungen für die Forstbetriebe zu folgenden betrieblichen Belastungen:

Die Forderung nach höheren Altbaum- und Totholzanteilen führt zu höheren Erntekosten von 1 bis 6 Euro je Festmeter und zu 3 bis 10 % Verlust an Bewirtschaftungsfläche. Für die Forstbetriebe wurden in Folge der Umsetzung der FFHMaßnahmenplanungen Gewinneinbußen von 10 bis 20 % , in besonders schwerwiegenden Fällen sogar 50 %, festgestellt. Zusätzlich erhöhen sich die Verwaltungskosten durch die Auflagen für die Betriebe in einer Höhe von bis zu 15 Euro je Hektar und Jahr.

Fischer: „Auflagen, die wohl auch hier in Rheinland-Pfalz auf uns zukommen werden, bedrohen die wirtschaftliche Grundlage der Forstbetriebe. Durch ein Anbauverbot ertragsstarker Baumarten, wie beispielsweise die Douglasie, werden interessante Zukunftsoptionen verbaut.“ Fischer weiter: „Wir erhoffen uns von der Landesregierung, dass die jetzt objektiv festgestellten Mehraufwendungen und Mindererträge für die Forstbetriebe kompensiert werden.“

Bisher wurde von der Landesregierung das Konzept „Schutz durch Nutzung“ auf der gesamten land- und forstwirtschaftlichen Fläche vertreten. Dieses „im Grundsatz völlig richtige Vorgehen wird nun auch teilweise aus ideologischen Motiven in Frage gestellt,“ warnt Fischer und macht die Umsetzung für schwerwiegende Folgen zu Lasten von Mensch, Tier und Klima in der Dritten Welt“ verantwortlich. Er verweist auf Untersuchungen und Prognosen, z.B. der Universität Hamburg, über massiv steigende Holzimporte, die aus Ländern kommen „die sich weit weniger bis überhaupt nicht um Schäden an Natur und Menschen kümmern,“ so Fischer.

Der Waldbesitzerverband für Rheinland-Pfalz e.V.

Der Waldbesitzerverband für Rheinland-Pfalz e.V. ist die Interessenvertretung der nichtstaatlichen Waldbesitzer in Rheinland-Pfalz. Der Verband wurde 1949 auf Initiative erfahrener kommunaler Politiker und Privatwaldbesitzer gegründet. Neben rund 400 Städten und Gemeinden und den Besitzern von größeren privaten Waldflächen haben sich über 15.000 Kleinprivatwaldbesitzer in 23 Kreiswaldbauvereinen im Waldbesitzerverband zusammengeschlossen.

Der Waldbesitzerverband ist Anwalt der privaten und kommunalen Waldbesitzer in der Öffentlichkeit, deren Interessenvertretung gegenüber politischen Entscheidungsträgern und sowie Dienstleister für seine Mitglieder. Er unterstützt seine Mitglieder mit vielfältigen Informationen, Beratungen und weiteren Angeboten. Ziel der Arbeit des Verbandes ist die Schaffung bzw. die Erhaltung günstiger Rahmenbedingungen zum Schutz des Waldes und der Forstwirtschaft im Privat- und Körperschaftswald.
 

Weitere Informationen unter www.waldbesitzerverband-rlp.de

WBV Rheinland-Pfalz

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