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Waldbesitzer und Holzindustrie lehnen Nationalpark in Baden-Württemberg ab

Die von der Tourismus-Marketing GmbH (TMBW) kürzlich geforderte Schaffung eines Nationalparks in Baden-Württemberg stößt auf deutlichen Widerstand der Forst- und Holzwirtschaft im Land. Dies haben die Forstkammer Baden-Württemberg als Verband der Waldbesitzer und der Verband der Säge- und Holzindustrie (VSH) in einer gemeinsamen Erklärung mitgeteilt. Die Verbände befürchten vor allem den Wegfall von Arbeitsplätzen und Rohstoffverknappung durch die mit einem Nationalpark zwangsläufig verbundene Stilllegung größerer Waldflächen. „Die Forst- und Holzwirtschaft in Baden-Württemberg erwirtschaftet jährlich mit 130.000 Arbeitsplätzen durch die Bereitstellung von Holz als nachhaltiger und klimaneutraler Baustoff, Rohstoff und Energierohstoff einen Umsatz von rund 20 Milliarden Euro“, legt Ludwig Jäger, Geschäftsführer des VSH, die Fakten dar.
Gerade in Zeiten eines steigenden Pro-Kopf-Verbrauches von Holz, der Forcierung von Holzbauten und des Ausbaus erneuerbarer Energien, deren Löwenanteil nun einmal Holz einnimmt, so Jäger, sei eine Absenkung der bewirtschaftbaren Waldfläche nicht im Interesse der Allgemeinheit. Jerg Hilt, Geschäftsführer der Forstkammer führt die Argumentation weiter ins Detail: „Gerade beim Schwarzwald handelt es sich um eines der Schwerpunktgebiete der baden-württembergischen Forstwirtschaft. Für diese und die regional angesiedelte, weiterverarbeitende Industrie würden die Nutzungsbeschränkungen durch einen Nationalpark das Ende bedeuten“.
Für die jeweilige Wirtschaftsregion, so Hilt, wäre der Flächenverlust erheblich. Ob bei einer gesamtwirtschaftlichen Betrachtung die Einstellung von einigen „Rangern, Führern und Erklärern“ wie es die TMBW vorschlägt, die finanziellen Verluste der regionalen Waldbesitzer und die Verluste von Arbeitsplätzen durch die Abwanderung der Holzindustrie auszugleichen vermag, bezweifelt Hilt. „Auch naturschutzfachliche Argumente sprechen eindeutig gegen einen Nationalpark“, erklärt Hilt weiter. Die von der TMBW genannten Gebiete Südschwarzwald, Nordschwarzwald und Schönbuch seien durch die jahrhundertelange menschliche Nutzung und Gestaltung geprägt und von einem dichten Straßen- und Wegenetz durchschnitten. Dies, so Hilt, widerspreche den Vorgaben für Nationalparke des Bundesnaturschutzgesetzes und der IUCN. Aufgrund der hohen Besiedelungsdicht habe man sich hier im Land für die Schutzkategorie der Naturparke entschieden, deren Anforderungen der Infrastruktur Baden-Württembergs viel besser gerecht werden. „Und was umweltfreundlichen Urlaub betrifft“, so Hilt, „sind unsere sieben Naturparke auch dafür hervorragend geeignet.“
Zudem, nimmt Jäger den Faden wieder auf, handle es sich vor allem beim Schwarzwald um eine seit langem touristisch sehr weit entwickelte Region. Ob die Ausweisung eines Nationalparkes tatsächlich die von der TMBW erhofften Wachstumsraten bringt, sei deshalb anzuzweifeln. Ein weiterer interessanter Aspekt müsste die Touristikfachleute zum Nachdenken bringen: Forschungen der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) in der Schweiz haben ergeben, dass gepflegte Wälder mit offensichtlichen Merkmalen der Bewirtschaftung positiver und erholsamer auf den Waldbesucher wirken, als Wälder mit hohem Totholzanteil.
„Naturschutz ja, aber mit den richtigen Instrumenten“, fordert Hilt. „Unsere Wälder sind Teil der seit Jahrhunderten geprägten Kulturlandschaft. Nur so können sie die vielfältigen Anforderungen der Gesellschaft erfüllen. Und wer Wildnis sucht, der findet sie dort auch heute schon.“
 

Zur Tourismus-Marketing GmbH (TMBW)

 
Forstkammer Baden-Württemberg, VSH

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