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Waldbesitzer bemängeln unschlüssige Umweltpolitik

Im Gespräch mit dem Chef der Hessischen Staatskanzlei, Axel Wintermeyer, hat der Präsident des Hessischen Waldbesitzerverbandes, Michael Freiherr von der Tann, auf die zunehmenden Belastungen der Forst- und Holzwirtschaft durch einseitige Auslegung internationaler Umweltrichtlinien hingewiesen. „Wenn die Vereinten Nationen Regeln zum Schutz vor dem Klimawandel oder zur Erhaltung der Biologischen Vielfalt verabschieden, kommen diese zehn Jahre später bei unseren Forstbetrieben an“, so von der Tann.
Auf dem Weg über die Europäische Union, die Bundesregierung und die Hessische Landesregierung werden diese Regeln meist verfeinert, ergänzt und oft scharf ausgelegt. Aus einer insgesamt guten Initiative der internationalen Politik kommen so am Ende harte Beschränkungen der Forstwirtschaft heraus. „Das verstehen die Waldbauern nicht,“ so von der Tann. „Wir wirtschaften seit Generationen nachhaltig, erzeugen den umweltfreundlichsten Rohstoff der Welt und können jedem zeigen, wie wir den Wald schützen und pflegen.“ Es könne deshalb nicht sein, dass zur Erhaltung der biologischen Vielfalt und der Lebensräume erst ein Fünftel der Landesfläche Hessens als Europäisches Naturschutzgebiet ausgewiesen wird, und dann von der Bundesregierung zusätzlich gefordert wird, 5 Prozent der Wälder komplett aus der Nutzung zu nehmen. Von der Tann spielte damit auf die Absicht der Landesregierung an, weitere 3.400 Hektar Staatswald dauerhaft aus der Nutzung zu nehmen.
Mit unterschiedlichem Maß gemessen
Die drei internationalen umweltpolitischen Ziele – Klimaschutz, Energiewende und Erhaltung der Biodiversität führten oft zu widersprüchlichen Maßnahmen. In Hessen integriert die Forstwirtschaft den Artenschutz auf der ganzen Waldfläche in die Bewirtschaftung der Wälder. Hier stimmen Waldbesitzer und Landesregierung überein. Obwohl die Bundesregierung eine Zunahme der Artenvielfalt in den bewirtschafteten deutschen Wäldern bescheinigt, wurde der rechtliche Schutz bedrohter Tier- und Pflanzenarten stark verschärft, Verstöße sind mit strafrechtlichen Konsequenzen bedroht.
Auch zum Klimaschutz leisten die Waldbesitzer einen erheblichen Beitrag, der durchaus steigerungsfähig ist. Wälder entziehen der Atmosphäre beim Wachstum das klimaschädliche Treibhausgas Kohlendioxid. Den Kohlendioxidausstoß der Hessischen Landesverwaltung will die Landeregierung nun unter anderem durch den Anbau von 2000 Hektar Eukalyptusplantagen in Brasilien kompensieren. Es leuchtet ein, dass die Landesregierung die schnelle Holzproduktion zur Speicherung von Kohlenstoff nutzen will.  Es bleibt jedoch unverständlich, warum die Landesregierung in Brasilien aus Klimaschutzgründen die intensivste Form der Monokultur-Forstwirtschaft betreiben will und dabei den Artenschutz vernachlässigt, während in Hessen zugleich aus Arten- und Biotopschutzgründen Wald nicht mehr genutzt werden soll. Mehr Kohlendioxid würde auch durch intensivere Forstwirtschaft in hessischen Wäldern gespeichert werden.

Auch um die Energiewende zu schaffen, müssen nachhaltig nachwachsende Rohstoffe, wie Holz, viel stärker verwendet werden. Die beabsichtigte Stilllegung von Waldflächen und die zunehmenden Beschränkungen der Forstwirtschaft stehen dazu im Widerspruch. „Die Bundesregierung kann keine Waldflächen aus der Nutzung nehmen, sondern nur die Länder. Wir halten diese Strategie für einseitig und sehen erhebliche negative Konsequenzen für den Klimaschutz, die angestrebte Energiewende sowie Arbeit und Wertschöpfung in den ländlichen Räumen, sagte von der Tann. „Hier brauchen wir ein klares Signal der Landespolitik.“
 

Hessischer Waldbesitzerverband

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