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Waldbauerntag NRW 2012

Waldbauerntag NRW 2012

Im Fokus des diesjährigen Waldbauerntages des Waldbauernverbandes NRW e. V., der am 18. September 2012 in der Stadthalle Werl stattfand, stand der aktuelle Koalitionsvertrag in Nordrhein-Westfalen. Darin enthaltene Widersprüche,z.B. Klimaschutz versus Naturschutz, wurden in der Veranstaltung diskutiert, aber nur teilweise geklärt. Die Waldbauern setzen auf  eine nachhaltige, multifunktionale und generationenübergreifende Waldbewirtschaftung. Im Gegenzug fordern sie von der Politik die dauerhafte Beibehaltung des „Holzweges“.

Der Vorsitzende des Waldbauernverbandes, Dr. Philipp Freiherr Heereman, konnte auch beim  diesjährigen Waldbauerntag rund 300 Waldbauern und Gäste aus der Forst- und Holzbranche begrüßen. Stellungnahmen zum aktuellen Koalitionsvertrag gaben der neue Parlamentarische Staatssekretär, Horst Becker, sowie Josef Tumbrinck, der Vorsitzende des NABU in NRW. Grußworte hielten der neue Präsident des Westfälisch Lippischen Landwirtschaftsverbandes, Johannes Röring MdB, der Leiter des Landesbetriebes Wald und Holz NRW, Andreas Wiebe, sowie der neue Geschäftsführer der AGDW, Michael Rolland.

Johannes Röring betonte die bestehenden Gemeinsamkeiten von Wald- und Landwirten. Hier besteht eine Allianz auf der Fläche. Schließlich leben die Bauern in Land- und Forstwirtschaft in  und mit der Natur und sind es daher gewohnt, in „Generationen“ zu denken und langfristige Entscheidungen zu treffen. Zukünftige Herausforderungen und gleichzeitig Chancen für die Eigentümer sieht er insbesondere im Klimaschutz und beim Ausbau der erneuerbaren Energien.

Andreas Wiebe zog zunächst Bilanz aus seiner einjährigen Amtszeit als Leiter des Landesbetriebes Wald und Holz NRW und warb in diesem Zusammenhang für den aktuellen Nachhaltigkeitsbericht 2010/2011. Er hob hervor, dass 2011 im Privat- und Kommunalwald unter Mitwirkung des Landesbetriebes viele Maßnahmen, z.B. Holzeinschlag und -vermarktung, Wegebau, durchgeführt worden sind. Er betonte, dass der Landesbetrieb auch in Zukunft als Anwalt der Waldbauern fungieren wird. Seit vielen Jahren wurden erstmals neue Förster eingestellt.

Gemeinsame Lösungen mit den Waldbauern erforderlich
Über die Einladung nach Werl freute sich besonders der gebürtige Rheinländer Michael Rolland, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW). Er maß der Veranstaltung vor allem Bedeutung im Hinblick auf die politische Weichenstellung auf Bundesebene bei. Rolland stellte klar: „Wer heimisches Holz will, muss nachhaltige, moderne und verantwortungsvolle Waldbewirtschaftung wollen!“ Nachhaltige Waldnutzung funktioniert gerade dort am besten, wo Privatpersonen die Verantwortung übernehmen, so der Geschäftsführer. Zum Thema Netzausbau machte Rolland deutlich, dass sich der Dachverband für faire und gerechte Entschädigungsregelungen einsetzt. Er ist sich sicher, dass es ohne eine angemessene wiederkehrende Vergütung für die Inanspruchnahme land- und forstwirtschaftlicher Flächen keine Akzeptanz geben kann. „Die Politik muss sich hier viel stärker bemühen, gemeinsame Lösungen mit den Waldbauern zu erarbeiten.“, so Rolland an die Politiker. Weiterhin unterstrich er die unübertroffenen Eigenschaften des heimischen, nachwachsenden und klimaneutralen Rohstoffes Holz, sah aber auch die Erfordernis: „Das muss stärker ins öffentliche Bewusstsein!“

Für den nordrhein-westfälischen Waldbauernvorsitzenden Dr. Philipp Freiherr Heereman ergeben sich aus dem Koalitionsvertrag einige Widersprüche, die er in seinem engagierten Vortrag auf den Punkt brachte. Insbesondere sieht er in der geforderten steigenden Holzbereitstellung und den geplanten Flächenstilllegungen nicht nachvollziehbare Gegensätze. „Wer Klimaschutz will, muss heimisches Holz verwenden, nicht stilllegen!“, so der Vorsitzende. Aufgrund der enormen Bedeutung des nachwachsenden Rohstoffes Holz, insbesondere für den Klimaschutz, fordert der Vorsitzende dazu auf, den Holzsachverstand auch auf das Wirtschafts- und Bauministerium auszuweiten. Er bat daher den Staatssekretär, sich in dieser Sache zu engagieren und „immer schön auf dem Holzweg“ zu bleiben.

Weiterhin warnte er vor der Wiedereinführung einer Vermögenssteuer, da er keine finanziellen Freiräume für die Bereitstellung entsprechender Summen durch die Waldbauern sieht. Diese sind eben keine Euro-Millionäre und können nicht mehr Holz einschlagen als nachwächst, so Heereman. Hinsichtlich der Beratung und Betreuung der Privatwaldbesitzer durch die Mitarbeiter des Landesbetriebes unterstrich der Vorsitzende die langjährige und erfolgreiche Zusammenarbeit, an der die Waldbauern in dieser Form festhalten wollen. Zusätzlich forderte er aber auch die uneingeschränkte Unterstützung der Pilotprojekte, die von der Politik initiiert worden sind. Gleichzeitig erwartet er von den Waldbauern mehr Selbständigkeit, insbesondere im Holzverkauf.

Weitere Knackpunkte sieht Heereman unter anderem bei dem nur schleppenden Ausbau der  Windkraft im Wald, den missverständlichen Aussagen zur Naturerbestiftung, in der beabsichtigten Neuregelung des Landesforstgesetzes und der geplanten ökologischen Ausrichtung des nordrhein-westfälischen Jagdgesetzes. Zuletzt stellte Heereman die gemeinsame Initiative mit natur- und landschaftsnutzenden Verbänden mit dem Motto „Wir denken in Generationen“ vor. An diesem Selbstverständnis des Waldbauernverbandes misst sich der Verband selbst, aber auch alle anderen, so Heereman.

Forstpolitik heute heißt: schützen und nützen

Der Parlamentarische Staatssekretär, Horst Becker, machte gleich zu Beginn seiner Rede deutlich, den „Holzweg“ beschreiten zu wollen. Die Koalition spreche sich für eine naturnahe Bewirtschaftung der Wälder zur Erfüllung aller Waldfunktionen aus. Forstpolitik heute, unter Klimawandel und Artenschutz, heißt daher „schützen und nützen“, so der Staatssekretär. Für die Erschließung brachliegender Holzpotenziale sieht er vor allem gemeinschaftliche Bewirtschaftungsformen und die Instrumente der Flurbereinigung als geeignet an. Weiterhin unterstrich er die große Bedeutung des Clusters Forst und Holz, welches es mit Unterstützung der Spitzenverbände auszubauen gilt. Hinsichtlich der direkten Förderung bzw. der Fortführung der Pilotprojekte machte Becker deutlich, dass man hier abwarten müsse. Er versicherte aber, dass die Waldbesitzer in Gespräche zur Zukunft von Beratung und Betreuung einbezogen werden. In diesem Zusammenhang verwies er auch auf das ELER-Förderprogramm, welches zurzeit überarbeitet wird. Hauptziele der neuen Förderperiode sind Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Am Prinzip der Multifunktionalität der Wälder wird auch in Zukunft festgehalten, allerdings ist im Einzelfall eine Schwerpunktsetzung erforderlich. Durch die Wildnisgebiete ist die multifunktionale Forstwirtschaft nicht gefährdet, so der Staatssekretär. Zur Naturerbestiftung teilte er mit, dass diese öffentliches Eigentum betrifft und eine rechtliche Ausgestaltung aber erst am Anfang steht. Das aktuelle Jagdgesetz hält der Staatssekretär für verbesserungswürdig, insbesondere Tierschutzaspekte. Er versicherte, die Waldbauern in diesem Überarbeitungsprozess zu beteiligen.

Für Josef Tumbrinck, den Vorsitzenden des NABU NRW, besitzt die Erhaltung, Stabilisierung und Wiedergewinnung der biologischen Vielfalt im Wald oberste Priorität. Negative  Entwicklungen in den nordrhein-westfälischen Wäldern sieht er unter anderem in der andauernden Bodenversauerung, den Stickstoffeinträgen und Nutzungsintensivierungen. Er stellte fest, dass sich die Situation im Wald verglichen mit dem Offenland aus Sicht des Naturschutzes weniger dramatisch darstellt.

Hinsichtlich der stark kritisierten Waldflächenstilllegungen machte Tumbrinck deutlich, dass der Nationalpark Eifel und die Wildnisgebiete in NRW mit ca. 20.000 ha weniger als 2,5 % der Landeswaldfläche ausmachen würden und der NABU aufgrund dieses marginalen Flächenumfangs mit Nachdruck für einen weiteren Nationalpark kämpft. Dabei stellte Tumbrinck auch klar, dass sich dieser NP nicht auf Privateigentum erstrecken darf. Er appellierte an die Politiker: „die Privatflächen für die weiteren anstehenden Diskussionen umgehend herauszunehmen“.

Die Grundsätze einer nachhaltigen und naturnahen Waldbewirtschaftung sieht er insbesondere in Form der „Dauerwaldbewirtschaftung“ verwirklicht. Um einen ausreichenden Anteil von Höhlenbäumen und Totholz zu gewährleisten, setzt er auf freiwillige Selbstverpflichtungen seitens der Waldbesitzer und entsprechende Förderinstrumente. Hier könne er sich sehr gut „unbürokratische Ersatzzahlungen“ vorstellen und auch ein gemeinsames Projekt zwischen WBV und NABU NRW. Den Privatwald sieht Tumbrinck von den Gedanken zur Naturerbestiftung im Koalitionsvertrag nicht tangiert.

Waldbauernverband Nordrhein-Westfalen e.V.

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