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Der Waldbauernverband Nordrhein-Westfalen e. V. ist die freie Vereinigung der privaten Waldbesitzer in NRW und vertritt die Belange von 150.000 Privatwaldbesitzern.

Waldbauern in NRW: Unser Wald auch zukünftig ein Multitalent

Über die Zukunft der Wälder diskutierten die Waldbauern Nordrhein-Westfalens auf ihrem diesjährigen Waldbauerntag am 14. September in Werl. Sie bekannten sich zur Bereitstellung der vielfältigen, ökonomischen, ökologischen und sozialen Waldfunktionen auf ihrer Fläche. Nadelholzbäume wie Fichte oder auch die klimaresistentere Douglasie werden aber zukünftig eine noch größere Rolle spielen müssen. Der Vorsitzende des Waldbauernverbandes, Dr. Philipp Freiherr Heereman, machte gleich zu Beginn der Veranstaltung vor über 300 anwesenden Waldbesitzern deutlich, dass nur dank der Bewirtschaftung durch die Waldbesitzer die vielfältigsten Waldleistungen nachhaltig auf ein und derselben Fläche zur Verfügung gestellt werden und dass sich die Waldbauern diese Errungenschaft nicht nehmen lassen wollen. „Unser Wald kann eben alles, aber nicht für jeden und zu jeder Tages- und Nachtzeit!“, so der Waldbauernvorsitzende.
Die Waldbauern kamen aber auch, um die hochrangigen Gäste aus Politik und Verwaltung, wie den Präsidenten der Arbeitsgemeinschaft deutscher Waldbesitzerverbände, Philipp Freiherr von und zu Guttenberg, sowie den neuen Leiter des Landesbetriebes Wald und Holz NRW, Andreas Wiebe, zu sehen und zu hören. Waldbauernvorsitzender Heereman dankte Herrn Wiebe für die kurzfristige Zusage eines Grußwortes. Andreas Wiebe ist seit drei Wochen im Amt und nahm die Gelegenheit gerne wahr, sich den Waldbauern in NRW vorzustellen, dabei bezeichnet er sich selbst als „naturverbunden, abenteuerlich und wetterfest“. Er wird sich künftig nach dem Leitsatz des Landesbetriebes richten, wonach die nachhaltige, multifunktionale Forstwirtschaft durch fachliche Beratung der Waldbesitzer dauerhaft zu unterstützen ist.
Klare Worte fand auch der Präsident des Bundesverbandes der Waldbauern, Philipp Freiherr von und zu Guttenberg, zur aktuellen Forstpolitik. Er erteilte weiteren Unterschutzstellungen und dem Verzicht auf Holznutzung unserer heimischen Wälder eine klare Absage. „Die Stilllegung unserer Wälder und die damit erforderliche Holzeinfuhr aus Ländern, in denen die Forstwirtschaft weniger oder gar nicht nachhaltig geschieht, ist nicht nur falsch, sondern unmoralisch“. Deshalb sollten weder „Baumfabriken“ noch „Urwaldzellen“ favorisiert werden. Und im Hinblick auf die wirtschaftlichen Auswirkungen erklärte zu Guttenberg: „Die geplanten Unterschutzstellungen vernichten auf einen Schlag 47.000 Arbeitsplätze. Das muss in der Öffentlichkeit endlich klar kommuniziert werden.“
Über die vielfältigen Ansprüche der Gesellschaft an den Wald sprach Hubert Kaiser, der Landesforstchef von NRW. Demnach geht es vielen Waldbesuchern um Erholung, Sport, Naturerleben, Gesundheit etc. Hingegen möchten insbesondere Bewohner von Ballungszentren den Wald nicht als Wirtschaftsraum vorfinden oder verstanden wissen. Durch die steigenden gesellschaftlichen Anforderungen, insbesondere der sozialen, ist vermehrt mit Konflikten zu rechnen. „Partizipationsmodelle“ sollen helfen, die verschiedenen Ansprüche auszugleichen.
Doch wie steht es um unsere Fichte? Hat diese im Zukunftswald eine Chance? Umfassend beleuchtete Dr. Jens Borchers alle Facetten der Fichtenproduktion. Der renommierte Forstwissenschaftler und anerkannter Forstmann aus Baden Württemberg spricht sich dafür aus, Fichtenbestände aus Gründen der Bestandesstabilität „nicht zu alt werden zu lassen“. Borchers favorisiert Produktionszeiten von 60 bis 80 Jahren. Sein Fazit: „Der Wald der Zukunft ist auch ein gemischter Wald, in dem zwar Fichten und Douglasien das finanzielle Rückgrat für den Waldbesitzer darstellen, in dem aber Laubholz wichtige ökologische Funktionen erfüllt.“
Die anschließende Diskussionsrunde auch mit den zahlreichen Zuhörern brachte es auf den Punkt: Eine zukunftsweisende Forstwirtschaft ist gänzlich ohne Fichte / Douglasie nicht möglich. Die Gestalt und Bewirtschaftung der Wälder kann nach sehr unterschiedlichen Methoden erfolgen. Wichtig ist den Waldbauern, dass sie frei über die eine oder die andere Methode entscheiden können, denn es ist ja ihr Eigentum. Und wer sollte den Wald besser kennen als gerade die Waldeigentümer.
WBV NRW

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