WaldÖkologie

Waldbäche: Die Lebensadern des Waldes

Bearbeitet von Jörg Fischer

Durch den Klimawandel nehmen Starkregenereignisse, aber auch Phasen mit lang anhaltender Trockenheit in Deutschland zu. Gerade jetzt spielen Waldbäche daher für den Wasserhaushalt und den Hochwasserschutz eine bedeutende Rolle. Forschende der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) gehen deshalb der Frage nach, wie sich der Zustand unserer Waldbäche verbessern lässt.

Im Rahmen des Forschungsprojekts „Potenzialerhebung zur Verbesserung der ökologischen Qualität von Waldbächen“ wird untersucht, wo sich die größten Renaturierungspotenziale von Waldbächen in Baden-Württemberg befinden. Diese sollen sich künftig anhand einer „Potenzialkarte“ ermitteln lassen. Denn nur in einem guten ökologischen Zustand können Waldbäche einen Beitrag zur Umsetzung der Qualitätsziele aus der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) von 2000 leisten.

„Mit unseren sogenannten Geodaten wollen wir ein Verfahren entwickelt, das berechnet, an welchen Fließgewässern Defizite und Verbesserungspotenziale zu finden sind“, erklärt Lisa Anhäuser, Projektmitarbeiterin an der Abteilung Waldnaturschutz der FVA. Es solle dann gemeinsam mit interessierten Kommunen, Forst- und Privatwaldbetrieben auf Praxistauglichkeit geprüft und bei Bedarf angepasst werden. Im Anschluss könnten so Verbesserungsmaßnahmen entlang der Gewässer geplant und begleitet werden.

Eine „Potenzialkarte“ für die Renaturierung von Waldbächen

Die durch die FVA entwickelte dreistufige „Potenzialkarte“ gibt laut Aussage der Forschenden einen Überblick über die Situation der Waldbäche in den einzelnen Forstbezirken Baden-Württembergs. Dabei fließen unterschiedliche Geodaten ein, so z. B. über die Bestockung des Gewässerrandstreifens, über Vorkommen geschützter Tier- und Pflanzenarten oder über besondere, lokale Problemstellen. Komme es zu einer Überlagerung verschiedener Faktoren, erhöhe sich demnach das Renaturierungspotenzial. Es bleibe in der Praxis jedoch genau zu prüfen, wo ein Eingriff auch wirklich sinnvoll umsetzbar ist und wo nicht. Deshalb werden laut Aussage der FVA bei der Potenzialanalyse auch besonders schützenswerte Strukturen wie Natur- und Kulturdenkmale oder das Vorkommen seltener, heimischer Arten berücksichtigt. Dies ermögliche mit relativ geringem Aufwand gute Ergebnisse für den Natur- und Artenschutz. Geplant seien obendrein Schulungen für interessierte Forstleute zu konkreten Tipps für die Aufwertung von Waldbächen sowie zur Finanzierung entsprechender Maßnahmen.

Wie können Waldbesitzende davon profitieren?

Die neue „Potenzialkarte“ könne auch Waldbesitzenden helfen, Ansatzpunkte für die Renaturierung von Waldbachabschnitten auf ihren Flächen zu finden, um dann anhand ermittelter Mängel entsprechende Verbesserungsmaßnahmen zu planen.

Einen ausführlichen Beitrag über das Projekt lesen Sie auch in der AFZ-DerWald, Nr. 18/2022, die am 21. September erscheint, oder in der digitalen Ausgabe von AFZ-DerWald.

Mit Material der FVA