Arbeitssicherheit

Waldarbeit: Wie entwickelten sich die Unfallzahlen 2021?

Bearbeitet von Jörg Fischer

Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) verzeichnete auch im letzten Jahr – zum fünften Mal in Folge – einen Rückgang der Unfallzahlen bei der Waldarbeit. Wie kommt es zu dieser erfreulichen Entwicklung?

Vor allem der zunehmende Technisierungsgrad bei der Aufarbeitung von Schadholz und wohl auch durch eine erfolgreiche Sensibilisierung der im Wald Arbeitenden in den Bereichen Arbeitssicherheit und Prävention seien die Ursache für den anhaltenden Rückgang der Unfallzahlen, erklärt die SVLFG in einer Pressemitteilung. Dennoch betont der Versicherer, dass die Waldarbeit – hierbei insbesondere die Holzernte und die Schadholzaufarbeitung – gefährlich bleibe.

Die Unfallzahlen in der Waldarbeit für 2021

Im Jahr 2021 gingen bei der SVLFG insgesamt 4.048 Arbeitsunfälle im Bereich Forst ein. Im Vorjahr (also 2020) lagen die gemeldeten Unfälle bei 4.834. Die Anzahl der bei der Waldarbeit verstorbenen Personen lag jedoch auch 2021 wieder bei 26 und blieb somit auf dem Niveau des Vorjahres.

Besonders hohes Risiko bei Fällarbeiten und der Aufarbeitung von Holz!

Ähnlich wie im Vorjahr erlitten laut SVLFG rund 818 Personen bei Fällarbeiten einen Arbeitsunfall (2020: 873). Weitere 881 verunglückten bei der Holzaufarbeitung (2020: 1.262). Beim Rücken und Heranbringen des Holzes sowie bei Verlade- und Transportarbeiten kamen 706 Menschen zu Schaden (2020: 934). Auch hier wird demnach ein Negativtrend erkennbar. Dennoch bleiben die Unfallzahlen in den genannten Bereich nach wie vor hoch.

Das höchste Unfallrisiko bei der Waldarbeit liege nach SVLFG-Angaben darin, von Baumteilen wie Stämmen und Ästen getroffen zu werden. 18 der 26 tödlichen Unfälle lassen sich demnach auf diese Ursachen zurückführen. 1.351 Personen wurden dabei so schwer verletzt, dass sie mehr als drei Tage arbeitsunfähig waren (2020: 1.533). Bedingt durch den natürlichen Waldboden verunglückten 815 Personen, weil sie stolperten, ausgerutscht oder hingefallen sind (2020: 1.005). Dass anscheinend weniger motormanuell gearbeitet wurde, führt die SVLFG auf den Rückgang der Unfallereignisse im direkten Zusammenhang mit Motorsäge und Forstseilwinde zurück. Den 493 Unfällen in 2021 mit diesen Arbeitsmitteln stehen demnach 668 Unfälle in 2020 gegenüber.

Was sich aus den Unfallzahlen schließen lässt …

Ungeachtet berechtigter Befürchtungen ist es auch im vergangen Jahr nicht zu einem Anstieg der Forstunfälle durch das anhaltende Schadholzgeschehen gekommen. Im Gegenteil: Auch 2021 ist die Zahl der meldepflichtigen Forstunfälle weiter gesunken und erreicht jetzt fast die 4.000er-Marke, geht aus der Pressemitteilung hervor. Die Gründe für diese Entwicklung liegen demnach vorrangig in mehr und organisiertem Technikeinsatz auf den großen Schadholzflächen sowie den allerorts sensibilisierenden Präventionsaktivitäten in der Branche.

Nicht vergessen werden dürften allerdings die zahlreichen Forstunfälle im Zusammenhang mit abgestorbenen Baumteilen, die 26 tödlichen Forstunfälle 2021 und der Höchststand von 36 Todesfällen im Jahr 2019, so der Versicherer weiter. 25 davon ereigneten sich bei der Holzernte. Dies zeige laut SVLFG: Wenn mit der der Motorsäge im Schadholz gearbeitet wird, ist das Unfallrisiko besonders hoch – vor allem dann, wenn der Baumbeurteilung vor der Fällung zu wenig Beachtung geschenkt wird. Denn viele schwere und tödliche Arbeitsunfälle bei der motormanuellen Fällarbeit lassen sich nicht zuletzt auf Mängel bei der Baumbeurteilung zurückführen.

Blick über den Tellerand: Entwicklung der Unfallzahlen in den grünen Berufen

Insgesamt verzeichnete die SVLFG in Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau für 2021 einen Rückgang der Unfallzahlen auf 61.578 Unfälle (im Vorjahr waren es noch 64.060). Gestiegen sei jedoch die Zahl der Unfalltoten. 125 Personen verloren demnach ihr Leben bei der Arbeit oder auf dem Weg dorthin (2020: 113).

Grafik zeigt Arbeitsunfälle in den Grünen Berufen für 2021
Grafik: SVLFG

Sichere Waldarbeit: Infomaterial der SVLFG

Mit der neuen Präventionsbroschüre „B47 – Baumbeurteilung“ gibt die SVLFG Waldbesitzerinnen und -besitzern einen Leitfaden an die Hand, der helfen soll, keines der sieben Merkmale einer Baumbeurteilung (Baumhöhe; -krone; Äste; Stammverlauf; Gesundheitszustand; Stammdurchmesser; Nachbarbäume und Umgebung) versehentlich außer Acht zu lassen. Die SVLFG-Broschüre kann unter www.svlfg.de/b47 kostenlos aus dem Internet heruntergeladen werden. Druckexemplare können telefonisch unter 0561-785-10339 oder online über die Seite www.svlfg.de/broschueren-bestellen angefordert werden.

Weitere Informationen zur sicheren Waldarbeit, wie zum Beispiel Fachbeiträge, Muster-Gefährdungsbeurteilungen, Broschüren, Lehrfilme und die App „Stockfibel to go“ zum Download sowie eine Liste der anerkannten Fortbildungsstätten für Motorsägenkurse finden sich unter www.svlfg.de/forst.

Unfälle vermeiden durch regelmäßige Fortbildungen!

Wie in jedem Tätigkeitsfeld ist auch bei der Waldarbeit eine gute Fortbildung unerlässlich. Die SVLFG gewährt Versicherten Zuschüsse für die Teilnahme an zwei- bis fünftägige Lehrgängen. Voraussetzung hierfür: Die Fortbildungsstätte muss von der SVLFG anerkannt sein. Die Höhe der Zuschüsse variiert. Die Teilnehmenden erhalten für einen zweitägigen Kurs 60 €, für einen dreitägigen Kurs 75 € und für einen fünftägigen Kurs 105 €.

Fortbildungsteilnehmerinnen und -teilnehmer geben bei der Anmeldung in der Fortbildungsstätte ihre SVLFG-Mitgliedsnummer an. Nach Abschluss des Lehrganges erhalten sie von dort dann einen Gutschein, der ausgefüllt und per Mail an praevention@svlfg.de geschickt werden muss.

Mit Material der SVLFG