Newsletter
ABO
Zeitschriften
Service

Wald-Vitalisierungsprogramm für das Saarland

Das saarländische Umweltministerium hat mit dem Wald-Vitalisierungsprogramm eine Gesamtstrategie entwickelt, um die Vitalität der Wälder und der Waldböden zu verbessern. Dazu zählen folgende Maßnahmen:
Förderung arten- und strukturreiche Mischwälder:
Arten- und strukturreiche Mischwälder wirken sich u.a. positiv auf das Waldinnenklima, die Nährstoffsituation und die Bodenzustände aus. Dies geschieht im Staatswald des Saarlandes nicht über waldbauliche „Kraftakte“, z.B. über flächige Anbauversuche mit nicht heimischen Baumarten, sondern über das Baumartenangebot, das uns die Natur im Laufe der Erdgeschichte angeboten hat und das sich in unseren Breiten bewährt hat. Der Strukturvielfalt dient die Abkehr von den flächenhaften Waldpflege- und Holzerntemaßnahmen. Diese Wirtschaftsweise hat erhebliche ökologische und ökonomische Nachteile und wurde deshalb durch naturnahe Waldbauverfahren ersetzt.
Strukturreiche, naturnahe Wälder zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie alters- und baumartengemischt sind. Vom jungen Baumsämling bis zum alten, auch absterbenden, Baum-riesen sind auf der Waldfläche alle Alter- und Entwicklungsstufen der Waldbäume vertreten.
Ökologisches Wildtier-Management:
Die Waldschäden erfordern kurzfristige und tiefgreifende Korrekturen der bisherigen Jagdpolitik. Untersuchungen im Saarwald belegen eine teilweise dramatische Situation: Eine durch Wildverbiss zum Teil komplette Unterbrechung natürlicher Verjüngungskreisläufe führt landesweit zum Verschwinden wichtiger Mischbaumarten. Neben dem Verlust von Baumarten führen zu hohe Schalenwildbestände zu einem teilweise dramatischen Verlust der gesamten nicht holzigen Waldvegetation. Gutachten haben gezeigt, dass dieser Biomasseentzug oft in einer Größenordnung von 10 bis  15 Tonnen pro Jahr und Hektar liegen kann.
Die ökologischen Auswirkungen von Schalenwildverbiss sind vielfältig. So kommt es zu Wachstumseinbußen durch Biomasseentzug (Verhinderung der natürlichen Düngung und Verschlechterung der Bodenstruktur). Besonders die vitalen und wuchskräftigen jungen Bäume sind betroffen, denn gerade sie sind es, die auf eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen angewiesen sind.
Während die durch Rot- und Damwild verursachten Schäl-, Verbiss- und Schlagschäden im Saarland zurzeit regional begrenzt sind, verursacht Rehwild flächendeckende Schäden.
Ziel saarländischer Wald- und Jagdpolitik wird es deshalb sein, die Gesamtvegetation in unseren Wäldern durch angepasste Wildbestände zu fördern.
Biotopholz-Anteil erhöhen:
Wälder ohne absterbende und tote Bäume sind ökonomisch gesehen zwar Produktionsstätten für den nachwachsenden Rohstoff Holz, ökologisch gesehen sind es aber „arme, kranke Wälder“. Alte und absterbende Bäume und vermoderndes Holz (Biotopholz) sind die Schlüssel der Artenvielfalt im Wirtschaftswald. Totes bzw. vermoderndes Holz fördert aber auch die Bodenstruktur und die Bodenfruchtbarkeit und verbessert den Zustand unserer Waldböden und macht damit den Wirtschaftswald ökologisch, aber auch ökonomisch stabiler.
Sicherung der Wasserversorgung und Gewässerrenaturierung:
Waldböden speichern und reinigen das Wasser. Ein einziger Hektar Wald kann bis zu zwei Millionen Liter Wasser aufnehmen. Die Speicherwirkung steigt, je vitaler die Böden sind. Nicht verdichtete, aktive Waldböden mit einer ausgeprägten Humusschicht und einem hohen Porenvolumen können Niederschläge schnell aufnehmen, machen somit Wasser über längere Zeit pflanzenverfügbar  und geben überschüssiges Wasser nur allmählich wieder ab. Mit Blick auf den Klimawandel und die prognostizierten Klimaextreme mit ausgeprägten Trockenzeiten in der Vegetationsperiode gewinnt die  Revitalisierung der Waldböden auch durch eine optimale Wasserversorgung eine zunehmende Bedeutung.
Deshalb werden im Staatswald des Saarlandes u.a. die wegbegleitenden Entwässerungen in den nächsten zehn Jahren weitestgehend zurückgebaut.
Waldböden schützen – Nährstoffversorgung verbessern:
Die Waldökosystem-Forschung der letzten Jahrzehnte hat nachgewiesen, dass für die Gesunderhaltung der Wälder den Waldböden eine Schlüsselrolle zukommt. Die Vitalität der Waldböden hat daher höchste Priorität. Risikominimierung und Schadensbewältigung werden somit in Zukunft noch mehr im Zentrum forstwirtschaftlichen Handelns stehen müssen.
Waldböden müssen in ihrer Funktions-, Regenerations- und Nutzungsfähigkeit unbedingt auf Dauer erhalten werden. Daher muss der Befahrung durch Forstmaschinen – auch auf den markierten, dauerhaften Rückegassen – Grenzen gesetzt werden. Zur Reduzierung des Verlustes produktiver Waldfläche durch Walderschließungsmaßnahmen beträgt der Abstand der Rückegassen im Staatswald mindestens 40 m bei 4 m Rückegassenbreite.
Auch moderne Formen der Holznutzung, z.B. mit hochmechanisierten Ernteverfahren, können die Nährstoffbilanz im Wald negativ beeinflussen und damit auch die Bodenstruktur, die Bodenfruchtbarkeit und die vielfältigen Funktionen unserer Waldböden auf lange Zeit erheblich einschränken.
Äste und Zweige machen nur einen verhältnismäßig geringen Teil der Biomasse eines Baumes aus, enthalten aber ca. 60% des Stickstoffs (N), 64% des Phosphors (P), 52% des Kaliums (K), 47% des Kalziums (Ca) und 55% des Magnesiums (Mg). Werden diese Nährstoffe der Fläche entzogen, wird der Nährstoffkreislauf empfindlich gestört.
Schwere Maschinen dürfen deshalb im Staatswald ausschließlich auf tragfähigen Böden unter Belassung des Ast- und Kronenmaterials in der Waldfläche eingesetzt werden.
Untersuchungen der Universität Saarbrücken haben gezeigt, dass sich Waldböden, die von Natur aus zur Versauerung neigen (z.B. Taunusquarzit, mittlerer Buntsandstein etc.), über gezielte forstliche Eingriffe teilweise stabilisieren lassen. So werden im Staatswald die Standorte und damit die Waldflächen erfasst, deren Bodenzustand die Kategorien „versauernd“ und „stark versauernd“ aufweisen. Für diese wird ein Konzept erstellt, in dem definiert wird, welche Holzmengen zum Schutz der Waldböden auf diesen Flächen verbleiben müssen. Der Grundsatz: Je saurer und/oder nährstoffarmer der Waldboden, umso mehr Restholz muss auf der Waldfläche verbleiben, ist ein aktiver Beitrag zum Waldbodenschutz.
Waldbodenkalkung:
Eine in Deutschland gezielt angewandte Methode zum Waldbodenschutz ist die so genannte Kompensationskalkung. Hierbei wird gemahlener dolomitischer Kalk ausgebracht, um die versauernd wirkenden Stoffeinträge zu neutralisieren.
Die Kompensationskalkung ist vom Grundsatz her als ultima ratio anzusehen, da sie eine Bekämpfung von Symptomen darstellt. Sie zielt darauf ab, zumindest eine Verschlechterung der Bodensituation aufzuhalten, solange die Ursachen der Waldbodenversauerung anhalten. Waldbodenkalkungen führen in der Regel zu einer kurzfristigen Veränderung der obersten Bodenschichten und können eine teilweise erhebliche Störung und Schädigung der Bodenlebewelt verursachen. Insbesondere wäldertypische Arten, die geringe pH-Werte bevorzugen und teilweise mit den Waldpflanzen in Symbiose leben (z.B. Mykorrhizapilze), können durch Waldbodenkalkungen nachhaltig geschädigt werden und damit auch die Gesundheit der Waldbäume beeinträchtigen. Die Waldbodenkalkung ist mit hohen Kosten verbunden und muss in einem zeitlich engen Rahmen wiederholt werden, um überhaupt eine ausreichende Wirkung zu entfalten.
Bevor eine Waldbodenkalkung im Staatswald durchgeführt wird, muss vorab eine gesamtökologische Risikobewertung ihre Unbedenklichkeit nachweisen.
MUEV

Auch interessant

von