Newsletter
ABO
Wald verbindet – Erstmals konzertierte Aktion in Sachsen-Anhalt

„Wald verbindet“ – Erstmals konzertierte Aktion in Sachsen-Anhalt

Als Auftakt für weitere öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen im Internationalen Jahr der Wälder haben sich am 19. Februar erstmals alle forstlich aktiven Vereine und Verbände Sachsen-Anhalts zu einer Tagung zusammengefunden und eine gemeinsame Erklärung unter dem Titel „Wald verbindet“ beschlossen
Den etwa 150 Teilnehmern wurde in Hayn (Gemeinde Südharz) eine Vortragsveranstaltung mit Podiumsdiskussion geboten, zu der ausgewiesene Experten ihre Sichtweise zu Wald und Forstwirtschaft in Sachsen-Anhalt unter dem übergreifenden Motto „Menschen für Wälder“ zur Diskussion stellten. Das Impulsreferat wurde gehalten vom Präsidenten des Deutschen Forstvereins, Carsten Wilke, den Diskussionsteil moderierte der Geschäftsführer des Deutschen Forstwirtschaftsrates, Dirk Alfter.

Folgende gemeinsame Erklärung „Wald verbindet“ unterzeichneten im Ergebnis der Tagung die Repräsentanten aller beteiligten Verbände und Vereine des Landes Sachsen-Anhalt: Waldbesitzerverband, Arbeitsgemeinschaft naturgemäße Waldwirtschaft, Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Bund Deutscher Forstleute, Landesforstverein.

Wald verbindet

Gemeinsame Erklärung der an der Tagung am 19.02.2011 in Hayn / Harz beteiligten forstlichen Verbände und Vereine des Landes Sachsen-Anhalt:

Waldbesitzerverband Sachsen-Anhalt, Arbeitsgemeinschaft naturgemäße Waldwirtschaft Sachsen-Anhalt,  Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Sachsen-Anhalt,  Bund Deutscher Forstleute Sachsen-Anhalt,  Landesforstverein Sachsen-Anhalt

Die Sicherung der vorhandenen Holzressourcen für eine nachhaltige Nutzung hat eine herausragende politische Bedeutung, weil:

• Wald und Holzprodukte als CO2- Speicher eine herausragende klimatische Funktion erfüllen;
• Holz ein extrem klimafreundlicher Rohstoff ist und damit klimapolitische Ziele  bedient;
• der Cluster Forst und Holz gerade in Sachsen-Anhalt mit 18.000 Arbeitsplätzen in den strukturschwachen ländlichen Regionen wirtschaftspolitische Bedeutung hat;
• Forstwirtschaft auch andere Ansprüche an den Wald, insbesondere Erholung, erfüllt;
• der Rohstoffbedarf in Sachsen-Anhalt und weltweit in den nächsten Jahren und Jahrzehnten ständig zunehmen wird.

Bei künftigen Abwägungsentscheidungen zwischen verschiedenen gesellschaftlichen
Ansprüchen an den Wald muss daher der Verfügbarkeit des Rohstoffs Holz ein stärkeres Gewicht eingeräumt werden. Dies gilt besonders vor dem Hintergrund der Erfolge multifunktionaler, nachhaltiger Forstwirtschaft in Sachsen-Anhalt, denn:
•  Die rund 492000 ha Waldflächen in Sachsen-Anhalt (mit 24 % Waldanteil im Bundesdurchschnitt ein relativ waldarmes Land), werden mit immer mehr Ansprüchen konfrontiert – ungeachtet der davon betroffenen Eigentumsform.
• Von der o.g. Gesamtwaldfläche sind 65 % mit einem oder gleich mehreren Schutzkategorien belegt.
• Rund 104000 ha Wald sind alleine in Naturschutz- oder Natura 2000-Gebieten enthalten.
• Gleichzeitig wurden in den letzten 20 Jahren verschiedene Holz verarbeitende Großbetriebe in Sachsen-Anhalt angesiedelt, die einen Bedarf von etwa 5,0 Mio. Fm pro Jahr haben, wovon im Land – rein theoretisch – jährlich rund die Hälfte nachhaltig eingeschlagen werden könnte.
• Die tatsächliche Nutzung offenbart Nutzungsreserven. Sie liegt aus verschiedensten Gründen bei etwa 1,4 Mio. Fm/Jahr.

Dies belegt, dass die derzeitige Forst- und Naturschutzgesetzgebung völlig ausreicht, um unsere Wälder vor Übernutzung und Degradierung zu schützen. Alle vorliegende Studien und Inventuren, die Holzvorräte im Wald, die regelmäßigen Zuwachsleistungen sowie die biologische Vielfalt des Waldes bestätigen dies.

Die biologische Vielfalt in Bezug auf die Artenvielfalt die sich in den Wäldern durch die nachhaltige Bewirtschaftung erhalten und entwickelt hat, ist unter anderem im Indikatorenbericht 2008 des Statistischen Bundesamt abzulesen. Nur der Teilindi- kator für die Wälder als Landnutzungsform entwickelte sich seit 1997 signifikant positiv. Er erreichte in 2006 80 % des Zielwertes, während die anderen Teilindi- katoren zu diesem Zeitpunkt nur ein Niveau von etwa 2/3 des Zielwertes aufwiesen.

Tatsache ist:

Den deutschen Wald in seiner heutigen Form, Ausdehnung und hervorragenden Qualität würde es nicht geben, wenn sich nicht  engagierte, verantwortungsbewusste Waldbesitzer und Forstleute für den Erhalt, die Mehrung und für die nachhaltige Nutzung des Waldes eingesetzt hätten.
Ein standortsgerechter und an die künftig zu erwartende neue Situation hinsichtlich des Klimawandels angepasster Waldbau (auch unter Einbeziehung sogenannter „fremdländischer“ Baumarten), mit – an die vorhandenen Lebensräume – angepassten Wildbeständen sowie die Erhaltung und Beachtung der Biodiversität, sind Hauptanliegen aller forstlichen Vereine und Verbände. Deshalb fordern und unterstützen sie die  Einrichtung eines Wald-Klima-Fonds aus den Erlösen des Emissionszertifikatehandels und den Erlösen aus der Anrechnung der Wälder als Kohlenstoffsenke nach dem Kyoto-Protokoll.

Dies Anliegen unterstützen Waldbesitzer und Forstleute mit ihrer Arbeit am und im Wald effektiv. Dafür verlangen sie, dass die Leistungen der Wälder bei der Reduzierung der CO2-Konzentration in der Atmosphäre für alle Waldbesitzarten gerecht honoriert werden.

Die forstlichen Vereine und Verbände erklären deshalb gemeinsam, dass es eine klare Abwägungsentscheidung zwischen den verschiedenen Ansprüchen an den Wald (Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion) geben muss.
• Forstbetriebe sind Träger einer nachhaltigen Holznutzung.
• Sie müssen von den Restriktionen anderer Interessen am Wald entlastet und in ihrer wirtschaftlichen Selbstständigkeit und Leistungsfähigkeit gestärkt werden.
• Der nachhaltigen Nutzung der Wälder, unter angemessener Beachtung und Wahrung der „legitimen Ansprüche“ der unterschiedlichen Waldbesitzer, ist der Vorrang einzuräumen.

Hayn, 19. 02. 2011

SL

Auch interessant

von