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Wald und Wild im Klimawandel

Der Wald leidet unter den Auswirkungen des Klimawandels. Waldbesitzende und Forstleute sind deshalb umso mehr gefordert, das Ökosystem Wald mit seinen wichtigen Funktionen auch für die Zukunft zu erhalten.

„Die Wilddichte kann einen maßgeblichen Einfluss auf die natürliche Entfaltung des Waldes haben“, sagte Georg Schirmbeck, Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates, bei einem Waldspaziergang in der Oberförsterei Lübben (6.5.2019). Im Wald vor Ort waren auch die parlamentarischen Staatssekretäre Rita Schwarzelühr-Sutter vom Bundesumweltministerium und Michael Stübgen vom Bundeslandwirtschaftsministerium sowie der Ausschussvorsitzenden Alois Gerig und weitere Mitglieder vom Bundesfachausschuss Landwirtschaft und Ländlicher Raum des Bundestages, die der Einladung forstlicher Verbände in den Wald in der Rochauer Heide gefolgt sind.

Waldbesitzende und Forstleute haben schon vor 30 Jahren begonnen, die Wälder in klimastabile, leistungsfähige, arten- und strukturreiche Mischwälder umzubauen. Ein maßgeblich begrenzender Faktor ist dabei vielerorts das Schalenwild, wie zum Beispiel Rot- und Rehwild, die insbesondere junge Bäume als schmackhafte Nahrung aufnehmen und damit ihr Wachstum stören, oder die Pflänzchen zum Absterben bringen. Ist die Wilddichte auf einem für den Wald und dessen erfolgreiche Verjüngung zu hohem Stand, beeinträchtigt der Verbiss die Bäume der nächsten Waldgeneration in der Regel so stark, dass der Umbau in struktureiche Mischwälder nicht erreicht werden kann.

„Diese Bäume fehlen dann dem klimastabilen und widerstandsfähigen Wald von morgen. Das kann sich die Gesellschaft nicht leisten, angesichts des spürbaren Klimawandels und der dadurch verursachten aktuellen Waldschäden“, betonte Schirmbeck und fordert ein Umdenken. Die Jagd ist eine der wichtigsten Stellschrauben, die über Erfolg oder Misserfolg der nächsten Waldgeneration entscheiden kann. Schirmbeck: „Die Jäger sind für die Forstwirtschaft ein sehr wichtiger Partner. Nur in einer gemeinsamen Anstrengung von Jägern und Walbesitzenden kann es gelingen, unsere Wälder an den Klimawandel anzupassen und für die nächsten Generationen zu erhalten.“

Derzeit kämpfen Waldbesitzende und Forstleute in ganz Deutschland darum, den Wald in seinem Bestand zu sichern. Absterbende Bäume müssen gefällt und aus dem Wald abtransportiert, riesige Kahlflächen wieder aufgeforstet und vertrocknete Jungpflanzen ersetzt werden. „Wenn wir unser Waldkulturerbe retten wollen, müssen Politik und Gesellschaft ihre Anstrengungen für mehr Klimaschutz deutlich erhöhen“, betonte der DFWR-Präsident. Neben Soforthilfen von zusätzlich mindestens 100 Millionen Euro Bundesmittel jährlich für den Wald sind gesetzliche Regelungen notwendig, die darüber entscheiden ob es uns gelingt, die Wälder vor den Klimafolgen wirksam zu schützen.

In Bezug auf die Jagd bedeutet dies auch Änderungen im Bundesjagdgesetz, die eine notwendige Einregulierung überhöhter Wildbestände rechtlich erleichtern sollen. Klimastabile arten- und strukturreichere Mischwälder sind nur mit an den Standort angepassten Wildbeständen sicher zu erreichen.

Schirmbeck: „Die Jäger müssen stärker am Erfolg des Waldumbaus beteiligt werden. Vielfach sind die Folgen überhöhter Wildbestände weder Jägern noch den Waldbesitzenden bewusst. Periodische Vegetationsgutachten auf Revierebene könnten, bundesweit eingeführt, dazu beitragen, auf faktenbasierter Grundlage die Bejagung an den Wuchsmöglichkeiten der nächsten Waldgeneration auszurichten.“

Eine bisweilen erhobene Forderung, zur Verjüngung vorgesehene Waldflächen zu zäunen, könne keine generelle Lösung sein. Neben den hohen Kosten gehe dem Wild Lebensraum verloren, was wiederum den Druck auf der verbleibenden Waldfläche erhöht.

Schirmbeck empfiehlt, die Förderrichtlinien des Bundes und der Länder dahingehend zu überarbeiten, dass sich Zahlungen vor allem auch am Wuchserfolg der nächsten Waldgeneration orientiert, beispielsweise an ihrem Verbisszustand als Ausdruck angepasster Wildbestände.

DFWR

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