Forstbetrieb Waldschutz

Wald und Wild-Dialoge im Klimawandel stärken

Bearbeitet von Carolin Föste

Um die Hürden der Waldbewirtschaftung im Klimawandel zu meistern, braucht es Zusammenhalt und einen konstruktiven Austausch zwischen Jägerinnen und Jägern, Forstleuten und Waldbesitzenden. Da ist sich die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) sicher. Ende Mai wurde daher bereits zum dritten Mal an einen Runden Tisch im Ortenaukreis sowie zu einem Waldbegang im Korker Wald eingeladen.

Nach dem erfolgreichen Probelauf sollen Runde Tische zum Thema „Waldumbau und Jagd“ künftig in ganz Baden-Württemberg abgehalten werden. Für den Sommer und Herbst 2022 sind schon jetzt weitere Runde Tische geplant. Neben Wald und Wild stand dieses Mal vor allem die Eiche im Vordergrund.

Wald und Wild: Waldbegang bringt Akteure zusammen

„Die Zukunft wird uns häufiger trocken-heiße Sommer bescheren, aber auch Extremwetterereignisse wie Starkniederschläge werden wahrscheinlicher. Die Grundbesitzenden, Försterinnen und Förster sowie Jägerinnen und Jäger stehen darum mit der Anpassung der Waldökosysteme im Zuge des Klimawandels vor einer verantwortungsvollen und dringenden Aufgabe. Diese kann nur durch gemeinsames und abgestimmtes Handeln gelingen“, so Ulrich Schraml, Direktor der FVA. Um diese Zusammenarbeit zu stärken, trafen sich Ende Mai Jägerinnen und Jäger sowie Försterinnen und Förster mit Vertreterinnen und Vertretern mehrerer Gemeinden aus Baden-Württemberg im Rahmen der Runden Tische zu einem Waldbegang.

Stefanie Thoma ist gemeinsam mit ihren Kollegen vom FVA-Wildtierinstitut für die Organisation der Runden Tische verantwortlich und beschreibt das Treffen: „Nachdem es bei den ersten Treffen darum ging, alle Akteure ins Gespräch zu bringen und gemeinsam Ziele zu sammeln und zu verstehen, dient der Waldbegang heute dazu, an echten Waldorten konkret zu werden: Wie können hier die Ziele erreicht werden? Wer kann aktiv werden und was ist zu tun?“

Klimastabile Baumart Eiche

„Junge, natürlich aufwachsende Eichen können ein tiefes Wurzelsystem ausbilden und sind im Korker Wald für einen gesunden und stabilen neuen Waldbestand besonders im Klimawandel unverzichtbar“, sagt der Kehler Revierförster Markus Gutmann. Beim Waldbegang zeigte er Interessierten das gut ausgebildete, tiefreichende Wurzelwerk einer jungen Eiche. Eine grundlegende Eigenschaft für stabile Bestände in Trockenheit und andauernder Hitze.

Die Eiche sei im Korker Wald „Geschichte und Zukunft“, ergänzt Georg Weis, Förster der Gemeinde Willstätt. Dichte Bodenschichten, denen im Klimawandel Wasser fehlen, könne die Eiche durchdringen und sei damit für den Klimawandel gewappnet. Dabei sei die Pflanzung junger Eichen und ihr künstlicher Schutz vor Wildeinfluss keine gleichwertige Alternative zur Naturverjüngung, sind sich die Förster Weis und Gutmann einig.

Verantwortung für Wald und Wild im Klimawandel

Junge, klimastabile Baumbestände zu begründen, wie mit der Eiche, sei daher keine rein waldbauliche Frage. Ihre Beliebtheit beim Rehwild, der Wald und Wild-Konflikt, wurde beim Waldbegang ebenfalls diskutiert. Verbissspuren seien auch in Gutmanns Revier immer wieder zu erkennen.

Kurt Lubberger, Petra Goos und Günter Jockers zeigten dagegen in ihrem jagdlich gepachteten Revierteil eine Gruppe übermannshoher junger Eichen, die ohne Schutz aufgewachsen sind. Erreicht habe man das mithilfe einer angepassten Jagd und dem Austausch mit den Forstleuten. Künftig müssen Forst und Jagd daher als Interessensgemeinschaft auftreten, da sind sie sich einig.

Quelle: FVA-BW