WaldÖkologie

Waldstandort und Wasserhaushalt im Klimawandel

Bearbeitet von Jörg Fischer

Wie es einem Baum geht und wie gut er wachsen kann, verrät unter anderem der Wasserhaushalt am Standort. Dabei spielt der Waldboden eine wichtige Rolle: Wie durchlässig ist er? Wie viel Wasser kann er speichern? Wie hoch ist das Risiko für Grund- oder Staunässe? Im Rahmen eines Projekts an der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) soll der Wasserhaushalt eines Standorts unter Berücksichtigung des Klimawandels abgeschätzt werden.

Den Wasserhaushalt vor Ort einzuschätzen und damit auch, welche Baumart wo am besten wächst, ist eine wichtige Grundlage für die Forstplanung. Infolge des Klimawandels muss mit einer deutlichen Veränderung der Verhältnisse vor Ort gerechnet werden. Hierzu läuft derzeit das Projekt „Standortsfaktor Wasserhaushalt im Klimawandel“ an der FVA. „Ziel des Projekts ist eine klimasensitive Abschätzung des Standortwasserhaushalts für die wichtigsten Baumarten in Deutschland – Buche, Eiche, Fichte, Kiefer“, erklärte Dr. Heike Puhlmann, Projektleiterin und Leiterin der Abteilung „Boden und Umwelt“ an der FVA.

Bisherige Verfahren kommen an ihre Grenzen

„Die Erfahrungen der letzten Trockenjahre zeigen bereits, dass die bisherigen statischen Verfahren der Standortskunde zur Beurteilung des Wasserhaushalts von Wäldern an ihre Grenzen kommen. Besonders schwierig ist es einzuschätzen, wie sich das pflanzenverfügbare Wasserangebot an einem Standort infolge des Klimawandels langfristig ändern wird und wo in Extremjahren mit einem besonders hohen Dürrerisiko zu rechnen ist“, so Puhlmann.

In Kooperation mit der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF), der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA) und der Universität Hamburg (UHH) entwickelt das Projekt ein deutschlandweit einheitliches Verfahren zur hydrologischen Bewertung von Forststandorten. Mithilfe der neuen Methoden zur Abschätzung könne verlässlicher beurteilt werden, welche der vier Hauptbaumarten in Zukunft an welchem Standort für sie passende Bedingungen vorfinden.

Hintergrund: Wasserhaushalt von Wäldern

Unter die Bezeichnung „Wasserhaushalt von Wäldern“ fällt der Fluss und die Speicherung von Wasser im Ökosystem Wald. Dazu zählt das Regenwasser, das die Baumkronen benetzt und von dort aus wieder verdunstet. Ebenso der Bestandesniederschlag, der durch die Vegetationsschicht als Kronentraufe oder Stammabfluss auf den Boden fällt und dort von den Wurzeln wieder aufgenommen wird. Waldböden speichern Niederschlagswasser und sorgen so auch in regenfreien Phasen für eine kontinuierliche Wasserversorgung des Waldes. Deshalb ist die Wasserspeicherkapazität des Bodens ein wichtiger Faktor – vor allem im Hinblick auf häufigere Trockenperioden im Sommer. Je größer der Bodenwasserspeicher, desto länger kann ein Wald eine Trockenphase ohne Wassermangel überdauern.

Weitere Informationen zum Projekt WHH-KW erhalten Sie auf der Website der FVA.

Quelle: FVA