ForstBranche

Wald- und Holzforschung in Deutschland neu strukturieren

Bearbeitet von Mirjam Kronschnabl-Ritz

Eine nationale Expertengruppe des Thünen-Instituts und des Helmholtz-Zentrun für Umweltforschung (UFZ) empfiehlt die Einrichtung eines vernetzten nationalen Forschungszentrums für Wald- und Holzforschung. Hintergrund sind die vielfältigen Ökosystemleistungen des Waldes, die aber aufgrund der Klimawandelfolgen immer stärker schwinden und bisherige Bewirtschaftungskonzepte wie auch Wertschöpfungsketten infrage stellen.

Das Konzept wurde am 15. September durch Vertreter der Expertengruppe an die zuständigen Bundesministerium, nämlich für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), sowie für Bildung und Forschung (BMBF) übergeben.

Bessere Abschätzung der Risiken

Anlass für die Einsetzung der Expertengruppe waren vor allem die Folgen des Klimawandels, die in vielen Wäldern deutlich sichtbar sind und die Wirtschaft, Gesellschaft und Politik vor neue Herausforderungen stellen. Um wissensbasiert darauf reagieren zu können, etwa bei der Abschätzung von Risiken oder der Entwicklung von Strategien für den Schutz und die nachhaltige Nutzung von Wäldern, ist Forschung gefragt.

Vier besonders wichtige Themenbereiche

Die Gruppe identifizierte vier Themenbereiche, in denen es mit Blick auf die Folgen des Klimawandels besonders wichtig erscheint, die Forschung zu stärken und gemeinsame Strategien für die Wald- und Holzwirtschaft in Deutschland zu entwickeln:

  1. Zukunftskonzepte für die Waldbewirtschaftung,
  2. Extremereignisse und Krisenmanagement,
  3. Holzbasierte Bioökonomie und
  4. Holz im Bauwesen

In diesen Themenbereichen soll das Forschungszentrum gemeinsame Forschungsstrategien entwickeln, Projektförderungen organisieren, hochwertige Infrastrukturen konzipieren und bestehende Infrastrukturen in die gemeinsame Nutzung integrieren.

Ziel: langfristige Forschungsstrategien

„Wir werden die Probleme nicht in den Griff bekommen, wenn wir uns nur darauf beschränken, die bisher üblichen Projektförderungen mit mehr Geld auszustatten. Deshalb zielt unser Konzept darauf ab, dass die Forschungseinrichtungen der Länder und des Bundes ihre Kräfte stärker als bisher bündeln und gemeinsam langfristige Forschungsstrategien entwickeln“, sagt Prof. Folkhard Isermeyer, Präsident des Thünen-Instituts. Dabei werden v.a. die gewünschten Infrastrukturen als ein Schlüsselfaktor für die künftige Leistungsfähigkeit der deutschen Wald- und Holzforschung gesehen.

Drei Infrastrukturtypen etablieren

Neben bestehenden forstlichen Versuchsflächen, Datenbanken und Modellsystemen wird vorgeschlagen, drei Infrastrukturtypen zu etablieren:

  • Wald-Reallabore, in denen innovative Waldbehandlungskonzepte einer eingehenden wissenschaftlichen Analyse unterzogen werden. Parallel dazu soll ein deutschlandweites Praxisnetzwerk etabliert werden, um auf einer größeren Anzahl von Flächen Lösungskonzepte in Zusammenarbeit von Forschung und Praxis untersuchen zu können.
  • Digitale Räume, Syntheseplattformen, die die vielfältigen Datenbestände und -infrastrukturen der einzelnen Einrichtungen vernetzen und mit den neuen Datenquellen, etwa aus den Wald-Reallaboren oder der Fernerkundung verbinden. In einem gemeinsamen Auswertungsraum sollen Methoden und Werkzeuge (z.B. Statistik, Künstliche Intelligenz, Modelle) bereitgestellt und ausgetauscht werden.
  • Capacity building; Forschungsergebnisse müssen für verschiedene Zielgruppen (auch innerhalb der Wissenschaft) „übersetzt“ werden und gut verwertbar sein. Konzepte und Materialen für Aus- und Weiterbildung, Wissenstransfer in die Praxis oder Graduiertenschulen können gemeinsam und in sinnvoller Arbeitsteilung effizienter entwickelt werden.

Konzeptbericht zur Empfehlung

Anhänge des Konzeptberichts

Quelle: Thünen Institu, UFZ