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Wenn die Bäume durch Hitze und Trockenheit zu viel Wasser verlieren, werfen sie ihr Laub ab.

Zwischenbilanz Sommer 2018 von Wald und Holz NRW

Schon ein erster Blick auf die Zahlen zeigt, dass der Sommer 2018 alles andere als normal ist. Durchschnittlich 31 Mal brannte es in den Wäldern Nordrhein-Westfalens pro Jahr. Das verdeutlichte die offizielle Waldbrandstatistik der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung.

In diesem Jahr brannte es bereits über 130 Mal. Das ergab eine aktuelle Abfrage bei den Regionalforstämtern von Wald und Holz NRW. Und der Sommer ist noch nicht vorbei. Waldbrände betrafen immer nur einzelne Wälder; unter der Trockenheit leiden aber alle Wälder in NRW. Besonders extrem war der Juli. Statt der sonst für den Monat üblichen 82mm regnete es nur 25 mm. Seit Februar fehlten den Wäldern in NRW 43 % der Niederschläge. Andreas Wiebe, Leiter von Wald und Holz NRW: „Die Regenfälle und die moderateren Temperaturen der letzten Tage helfen dem Wald nicht weiter. Wir brauchen jetzt für mehrere Wochen einen leichten Landregen.“

Herausforderung Klimawandel für Wald und Holz NRW

Viele Forstkulturen sind vertrocknet und abgestorben. Eichen warfen ihre Früchte ab, weil ihnen die Kraft fehlte, die Samen bis zur Reife zu bringen. Ein großer Teil der Waldbäume stellte das Wachstum ein und versucht jetzt, im Sparmodus zu überleben.

Andreas Wiebe erklärte: „Der Klimawandel ist für uns Forstleute eine gewaltige Herausforderung, die uns in den nächsten Jahren und Jahrzehnten vor große und völlig neue Aufgaben stellt. Es gibt keine Erfahrungswerte für die Rettung von Wäldern im Klimawandel.“

Waldbäume sind zwar robust und können das eine oder andere Wetterextrem verkraften. Aber wenn die Extreme zur Normalität werden, wird es schwierig. Bäume wachsen sehr langsam und werden sehr alt. Im Wald dauert es Jahrtausende, bis sich die Bäume in einem natürlichen Prozess über viele Generationen langsam an veränderte Klimaverhältnisse anpassen. Der Wandel vollzieht sich aber  schneller als die Anpassung der Wälder.

Förderung der Artenvielfalt

Weil der Klimawandel die Förster schon länger beschäftigte, hat Wald und Holz NRW schon vor vielen Jahren begonnen, Konzepte für den Waldbau im Klimawandel zu entwickeln. Andreas Wiebe erläuterte: „In mehreren Forschungsprojekten wollen wir herausfinden, ob Eichen und andere Bäume aus dem Mittelmeerraum mit dem sich ändernden Klima bei uns besser zurechtkommen. Wir experimentieren auch mit Baumarten wie Esskastanie, Mammutbaum, Weißtanne, Douglasie und zahlreichen weiteren Baumarten. Das ganze sehr vorsichtig und behutsam und immer nur als Mischung mit unseren bisherigen Waldbaumarten. Vielfalt ist das beste Rezept für den Waldbau im Klimawandel.“

Klimastabile Mischwälder

Die Wälder des Landes entwickelten die Forstleute von Wald und Holz NRW bereits zu klimastabilen Mischwäldern. Aber die meisten Wälder in NRW gehören 150.000 Privatpersonen, die sehr oft nur sehr kleine Waldparzellen besitzen. Andreas Wiebe dazu: „NRW ist Privatwaldland. Von den zahlreichen Privatwaldbesitzern hängt es ganz entscheidend ab, wie unsere Wälder den Klimawandel in den nächsten Jahrzehnten überstehen. Wir wissen, dass es in NRW Regionen und spezielle Bodenverhältnisse gibt, in denen unsere wichtigste Wirtschaftsbaumart, die Fichte, keine Chance haben wird, im Klimawandel zu bestehen. Die Aufgabe unserer Förster ist es, mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung die Waldbesitzenden zu beraten. Einfache Patentlösungen gibt es nicht. Ob nun Weißtannen, Douglasien oder ganz andere Baumarten die Fichten ersetzen können, oder ob an einem speziellen Standort die Fichte sogar eine Zukunft hat, hängt von sehr vielen Faktoren ab. Unsere Forstleute helfen den Waldbesitzern, die richtigen Entscheidungen für den Waldbau im Klimawandel zu treffen.“

Der Trockensommer 2018 Sommer gibt einen Vorgeschmack auf die Aufgaben, die künftig auf die Forstbranche zukommen. Wer die Wälder für die kommenden Generationen sichern will, braucht die Unterstützung der Gesellschaft, denn mit „business als usual“ sind die Herausforderungen des Klimawandels nicht zu meistern.

Schwerpunkte der Trockenheit in NRW

Von der Trockenheit waren der Niederrhein, das Münsterland und Teile des angrenzenden Ruhrgebiets besonders betroffen. Vor allem auf sandigen Böden mit geringem Wasserspeichervermögen sind die Auswirkungen der Trockenheit deutlich sichtbar.

Waldbäume sind widerstandsfähig und haben je nach Alter schon einige Trockenperioden überstanden. Durch die extreme Hitze und Trockenheit der vergangenen Wochen standen alle Waldbäume unter hohem Stress. Wird dieser zu groß, fahren die Bäume ihr Wachstum runter oder stellen es ganz ein. Als Schutz vor zu viel Wasserverlust werfen sie Blätter und Früchte ab. Sie sterben dadurch in der Regel nicht und treiben im nächsten Jahr wieder aus. Das Jahr 2018 wird man später im Holz als sehr dünnen Jahrring erkennen. Wald und Holz NRW geht davon aus, dass der Zuwachs der Bäume im Land in diesem Jahr um 40 % geringer ausfallen wird als üblich.

Besonders Bäume, die an Waldrändern stehen oder durch Orkanschäden im Wald plötzlich freigestellt sind, sind anfällig für Trockenheitsschäden. Ihnen fehlt das gewohnte, kühlere und feuchtere Klima im Waldinneren. Nach ersten Schätzungen geht Wald und Holz NRW davon aus, dass bisher in NRW 200.000 große Waldbäume durch die extreme Trockenperiode abgestorben sind. Der Prognose zufolge werden ungefähr weitere 500.000 Bäume absterben, weil Krankheiten, Pilze und Schadinsekten die gestressten und geschwächten Bäume leicht befallen können.

Forstkulturen

In NRW wuchsen auf einer Fläche von ungefähr 10.000 Fußballfeldern 30 Mio. junge Bäume in Forstkulturen zu neuem Wald heran. Junge Bäume sind besonders durch Trockenheit gefährdet, da ihre Wurzeln noch nicht in tiefere Bodenschichten reichen, in denen sich das Wasser länger hält. In allen Forstkulturen sind Schäden durch die Trockenheit sichtbar. In einigen Kulturen sind Totalverluste zu beklagen. Wie groß die Verluste in den Kulturen sein werden, lässt sich erst im nächsten Jahr beurteilen.

Waldbrände

In den letzten 8 Wochen haben die Forstleute in NRW fast 130 Waldbrände registriert. Die tatsächliche Zahl kann höher liegen, da bei kleinen Bränden die Förster nicht immer informiert werden. Die Zahl der Waldbrände war in diesem Jahr ungewöhnlich hoch. In den vergangenen Jahren brannte es nur 31 Mal pro Jahr.

Am häufigsten hat es am Niederrhein gebrannt. Auffällig war bisher, dass dort, wo hohes Besucheraufkommen im Wald herrschte, auch die meisten Waldbrände verzeichnet wurden. Gleichzeitig sind Waldbesucher die schnellsten und effektivsten ,Brandmelder‘.

Umfang der Waldbrände

Alle Waldbrände sind kleinräumig geblieben. Der spektakulärste war mit circa 10.000 m² am Niederrhein in Straelen an der holländischen Grenze. Dort hat ein holländischer Militärhubschrauber bei den Löscharbeiten geholfen. Mit einem Harvester wurde eine Schneise in den Wald geschlagen um eine Ausbreitung des Feuers zu verhindern. In wenigen hundert Metern Entfernung befanden sich ein Tanklager und eine Pipeline. Die meisten Brände beschränkten sich auf wenige 100 m² bis zu einem Maximum von 1.000 m². Die Brände waren alle Bodenfeuer, die nicht auf die Baumspitzen übergegriffen haben. So genannte Vollfeuer, bei denen komplette Wälder in Flammen stehen, gab es nicht.

Wald und Holz NRW

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