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Zeitenwende im Wald

Der Landesforstbetrieb Wald und Holz NRW hat am 25. September den Nachhaltigkeitsbericht 2019/2020 vorgestellt. Er trägt den Titel „Zeitenwende im Wald“. Seine Präsentation stand dementsprechend ganz im Zeichen der großen Schäden, die den Wald in Nordrhein-Westfalen schon das dritte Jahr in Folge heimsuchen.

Andreas Wiebe, der Leiter Wald und Holz NRW, räumte bei der Video-Pressekonferenz ohne Umschweife ein: „Der Klimawandel zwingt uns, viele Fragen neu zu stellen, denn der Altersklassenwald ist nicht mehr zukunftsfähig.“ Die Krise bietet nach seinen Worten aber auch die große Chance, die Weichen für die Zukunft neu zu stellen. Klimastabiler Mischwald ist die Aufgabe der Forstleute.“

Ein nie dagewesenes Schadholzaufkommen

Noch liegt das Augemerk allerdings auf der Bewältigung der Schäden, die ein nie dagewesenes Niveau erreicht haben. Zwangsnutzungen wie in den letzten drei Jahren gab es zwar schon immer. Die heutige Dimensionen waren bisher aber unbekannt. Im Landeswald lag der Holzeinschlag 2019 dreimal so hoch wie der nachhaltige Holzeinschlag von 530.000 Fm pro Jahr. Hanns Christian Wagner, der Fachbereichsleiter Staatswald, rechnet damit, dass sich diese Tendenz in 2020 fortsetzen wird.

Entwicklung der Fichten-Schadholzmengen in NRW seit 1989 Wald und Holz NRW

Betriebsergebnis tief in den roten Zahlen

Wie überall in Deutschland sind aufgrund der Schadholzmengen auch in NRW die Preise stark gefallen. Im Landeswald liegen sie im Vergleich zu zu einem Normaljahr wie 2014 um ganze zwei Drittel niedriger, erläutert Wiebe. Mit diesen Erlösen könne man so gerade eben noch die Holzerntekosten decken.

Entwicklung der Fichtenpreise von 2012 bis 2019 Wald und Holz NRW

Entsprechend sieht das Wirtschaftsergebnis aus. Konnte Wald und Holz in den besten Jahren noch 7 Mio. € Überschuss an die Landeskasse überweisen, verzeichnet der Landesbetrieb 2019 ein negatives Ergebis von 18 Mio. €. Eingerechnet sind die schon immer unterfinanzierten Bereiche Dienstleistung und Hoheit. Allein der Landeswaldbetrieb kommt auf ein negatives Betriebsergebnis von 9,5 Mio. €.

Die in den kommenden Jahren erwarteten Folgekalamitäten werden die Ertragssituation im Geschäftsfeld  mittelfristig sogar noch erheblich verschlechtern. Das liegt vor allem daran, dass der Anteil des Fichten-Einschlags stark zurückgehen wird. Es liegt aber auch an den steigenden Kosten für den Wegeunterhalt und die Wiederbestockung. Die Zeiten, in denen im Staatswald Gewinne erwirtschaftet werden konnten seien für die nächsten Jahrzehnte vorbei.

Entwicklung des Betriebsergebnisses von 2016 bis 2019 Wald und Holz NRW

Wiederbewaldungskonzept

Der Landesbetrieb hat trotzdem eine Wiederbewaldungsstrategie entwickelt, die auf Grundlage des Waldbaukonzepts NRW einen zukunftsfähigen und klimastabilen Wald etablieren will. Hanns Christian Wagner setzt dabei auf die natürliche Wiederbewaldung. Die künstliche Aufforstung auf Freiflächen sei erfahrungsgemäß schwierig. Warte man dagegen ab, was von alleine komme, brauche es Geduld, denn es dauere bis man unter dem Schirm eines Vorwaldes auch Baumarten wie die Buche einbringen könne. Begleitend will das Land die Wildbestände regulieren und die jagdliche Infrastruktur entsprechend anpassen

Oliver Gabriel

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